Jugendliche ID–Fälscher: «Fälschungen waren nicht dilettantisch»

Aktualisiert

Jugendliche ID–Fälscher«Fälschungen waren nicht dilettantisch»

Zwei 16-Jährige haben im Baselbiet ihre Kollegen mit gefälschten Identitätskarten versorgt. Die Freunde verschafften sich mehrere Monate lang damit Zutritt zu Diskotheken und Bars - und kamen damit durch.

von
Amir Mustedanagic

Das Frisieren von Schüler- und Lehrlingsausweisen bei Jugendlichen hat eine lange Tradition. Ein bisschen Tintenkiller, ein Strich und schon wird aus einer 4 eine 1. Die Zeiten haben sich mittlerweile geändert. Die Schulen und Ämter haben fälschungssichere Ausweise eingeführt. Zudem geben sich auch Türsteher nur selten mit Schülerausweisen zufrieden.

Das wissen längst auch die Jugendlichen. Im Baselbiet fälschten zwei 16-Jährige Identitätskarten für drei Freunde (20 Minuten Online berichtete) und das nicht einmal «schlecht», wie Polizeisprecher Meinrad Stöcklin gegenüber 20 Minuten Online mitteilte.

«Die Freunde haben sich hauptsächlich Zutritt zu Discos und Bars mit Altersbeschränkungen verschafft», sagt Stöcklin. Ob sie sich auch Alkohol erschlichen haben, wollte die Polizei nicht bestätigten. Sicher ist, dass sie mehrere Monate lang die Freiheiten des Erwachsenseins genossen. Erst ein misstrauischer Türsteher stoppte die drei umtriebigen Jugendlichen. Er zog die Ausweise ein und informierte die Polizei.

Name, Geburtsdatum, Adresse - alles falsch

«Es waren keine professionellen Fälschungen, aber auch keine dilettantischen Kopien», so Stöcklin. Mit einem PC und einem Scanner hätten die beiden mindestens drei Identitätskarten produziert, ob es mehr gab, ist nicht sicher. «Wir gehen aber davon aus, dass nur die drei aufgegriffenen produziert wurden», so Stöcklin. Die Fälscher änderten auf den Ausweisen nicht nur das Geburtsdatum, sondern auch die Identität. «Sie operierten mit Fantasienamen», wie Stöcklin erklärt. Das Original hätten sie sich von einem Bekannten beschafft. Das ist zwar keine Schweizer Identitätskarte gewesen, sondern eine ausländische, was die Angelegenheit für die Fälscher aber nicht einfacher gestaltete. Weder das Herkunftsland noch Bilder der Ausweise wollte die Polizei veröffentlichen: «Wir wollen Nachahmungstätern keine Vorlage bieten», erklärt Stöcklin.

Urkundenfälschung ist ernstes Vergehen

Für sich selbst produzierten die Fälscher keine Ausweise. «Sie wollten einfach mal ausprobieren, ob es gelingen würde einen Ausweis zu kopieren», so Stöckli. Sie selbst hätten kein Interesse daran gehabt. Sie hätten auch kein Geld dafür kassiert. Die ganze Sache sei dennoch nicht als Scherz abzutun. «Die ID ist ein amtlicher Ausweis, sowohl die Herstellung wie die Verwendung einer Fälschung ist ein Offizialdelikt und läuft unter Urkundenfälschung», so Stöckli.

Das werden bald auch die Jugendlichen zu spüren bekommen. Die Jugendanwaltschaft Baselland hat ein Verfahren gegen die fünf eröffnet. Ihnen blüht ehrenamtliches Schuften, wie der Leitende Jugendanwalt Thomas Faust erklärt. «Teller waschen im Altersheim oder ein sonstiger Sozialeinsatz ist vorstellbar», so Faust. Einen Einfluss auf das Strafmass werde aber die Professionalität der Fälschungen haben und die Tatsache, dass es sich um einen amtlichen Ausweis handelte. «Es macht einen gewaltigen Unterschied, ob man mit einem Bleistift über einen Schülerausweis malt oder eine ID fälscht», so Faust. Genaues könne man aber noch nicht sagen. Eine Haftstrafe schliesst Faust aber aus: «Das wäre nur denkbar gewesen, wenn die beiden gewerbsmässig Fälschungen gemacht hätten».

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