Produkte aus dem Fachhandel: Fälschungsverdacht bei Beats-Kopfhörern
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Produkte aus dem FachhandelFälschungsverdacht bei Beats-Kopfhörern

Vorsicht vor falschen Beats-Kopfhörern: Schweizer Händler glauben, dass Betrüger Plagiate anbieten. Stiftung Warentest hat ein Modell im Fachhandel entdeckt, das vermutlich gefälscht ist.

von
A.Meili

Eigentlich wollten die Experten von Stiftung Warentest nur die Qualität verschiedener Kopfhörer vergleichen, durch Zufall entdeckten sie dabei aber eine mögliche Fälschung eines Modells Beats by Dr. Dre Solo HD. Das rund 150 Euro teure Produkt aus der Filiale einer deutschen Fachhandelskette fiel den Testern auf, weil es erhebliche Mängel aufwies. Also verglichen die Verbraucherschützer die Kopfhörer mit anderen Exemplaren desselben Modells und stellten über 60 Unterschiede fest. Unter anderem wog das Gerät weniger und hatte eine leicht andere Farbe und ein leicht anderes Logo.

Die verschiedenen Merkmale sind laut Medienmitteilung von Stiftung Warentest aber nur im direkten Vergleich der Exemplare erkennbar, weshalb man einen Mitarbeiter von Beats Electronics das Gerät untersuchen liess. Dieser bestätigte gemäss der Konsumentenorganisation, dass es sich wohl um ein Plagiat handle. Er habe zudem versprochen, diese Feststellung auch noch schriftlich zu übermitteln, was er aber nicht tat. Im Gegenteil: In einem E-Mail schrieb Beats Electronics später, dass man sich zum Plagiatsverdacht nicht äussern könne.

Für Schweizer Händler ist Thema nicht neu

Deshalb möchte sich auch Stiftung Warentest nicht zu 100 Prozent darauf festlegen, dass es sich um eine Fälschung handelt. «Die zahlreichen Unterschiede und die mündlichen Aussagen des Beats-Mitarbeiters sind aber deutliche Indizien dafür, dass der getestete Kopfhörer in die Rubrik Produktpiraterie fällt», schreibt die Konsumentenorganisation. Die andere Möglichkeit wäre für Stiftung Warentest ein Armutszeugnis für Beats: «Sollte das Gerät kein Plagiat sein, hiesse dies, dass Beats keine ausreichenden Qualitätskontrollen vornimmt.»

Bei Schweizern Elektronikhändlern ist die Thematik der gefälschten Kopfhörer indes bekannt. Verschiedene Anbieter bestätigen 20 Minuten, dass sie regelmässig dubiose Angebote von ausländischen Zwischenhändlern erhalten. «Im Schweizer Handel wird schon seit Jahren diskutiert, dass von Beats-by-Dre-Produkten Plagiate im Umlauf sein könnten», sagt etwa Daniel Rei, Sprecher des Online-Händlers Brack.ch. Den Anfragen begegne man aber stets mit gesundem Misstrauen. Innerhalb des Sortiments führe man deshalb auch regelmässig Prüfungen zur Qualitätssicherung durch, um sicherzugehen, dass man ausschliesslich Originalware verkaufe.

Konsumentenschützer warnt

Auch bei Interdiscount hat man laut Sprecherin Andrea Bergmann Angebote von Zwischenhändlern erhalten: «Aufgrund der Tatsache, dass seit längerem Fälschungen von Drittanbietern auf dem Markt sind, haben wir diese aber abgelehnt.» Genau wie Digitec und Fust bezieht Interdiscount Beats-Produkte deshalb ausschliesslich vom offiziellen Schweizer Distributor. Dieses Vorgehen empfiehlt auch Michel Rudin, Geschäftsführer des Schweizerischen Konsumentenforums. Denn je mehr Zulieferer und Zwischenhändler bis zum Endverkauf involviert seien, desto grösser sei die Gefahr, dass am Schluss Plagiate im Regal der Detailhändler landeten.

So schliesst er auch nicht aus, dass Schweizer Elektrohändler gefälschte Beats Kopfhörer verkaufen. Besonders die gute Machart der vermeintlichen Fälschung lässt ihn vermuten, dass die Betrüger eine grosse Menge an Plagiaten auf den Markt schwemmen. «Gute Fälschungen sind extrem aufwändig, da macht es ja keinen Sinn, nur eine kleine Menge zu produzieren», so Rudin.

In diesem Video sehen Sie die Unterschiede zum Original:

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