Frauen-Figuren in Games: «Fängt jetzt der Gender-Blödsinn auch hier an?»
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Frauen-Figuren in Games«Fängt jetzt der Gender-Blödsinn auch hier an?»

Die Diskussion um spielbare Mörderinnen im Abenteuerspiel «Assassin's Creed Unity» hat bei 20-Minuten-Lesern einigen Staub aufgewirbelt. Woran liegt es?

von
Jan Graber
Genderfrage «Assassin's Creed»: Wie viel Weiblichkeit verträgt das Mörderspiel?

Genderfrage «Assassin's Creed»: Wie viel Weiblichkeit verträgt das Mörderspiel?

Der Aufruhr war enorm: Nachdem Ubsioft an der Gamemesse E3 das Abenteuerspiel «Assassin's Creed Unity» vorgestellt hatte, stellte ein Journalist die simple Frage, wieso nur männliche Assassinen, aber keine Mörderin spielbar seien. Ubisofts Antwort führte zu einem Sturm der Entrüstung: Mit einer spielbaren weiblichen Figur würde sich der Entwicklungsaufwand des Spiels verdoppeln, lautet die missglückte Antwort. Ebenso unglücklich war Ubisofts Ankündigung, dass man auch im Egoshooter-Spiel «Far Cry 4» im letzten Augenblick auf die Einführung einer weiblichen Hauptfigur verzichtet habe.

Überwältigend ist aber auch das Echo, das die beiden 20-Minuten-Artikel bei den Kommentarschreibern ausgelöst haben. Mehrheitlich begrüssen sie die Entscheidung Ubisofts, weibliche Spielfiguren in den beiden Spielen aussen vor zu lassen. Es seien doch nur «feministische Politikerinnen, die sich mit der Kritik wichtig machen wollten», schreibt der Leser «ein gamer». «Mein Gott, fängt der Genderblödsinn jetzt auch in den Games an?», fragt «Marc». Eine Killerin würde die Authentizität des Spiels zunichtemachen, echauffiert sich «Peter Foxx». Von den insgesamt über 300 Kommentaren zu «Assassin's Creed Unity» und «Far Cry 4» ärgert sich die überwiegende Menge über die Kritik an Ubisoft, bisweilen in gehässigem bis hin zu frauenfeindlichem Ton.

Games als Rückzugsort

Woher die Aufruhr und wieso die heftigen Reaktionen? Der Medienforscher Florian Lippuner von der Universität Zürich sieht mehrere mögliche Gründe: Zum einen handle es sich bei Online-Kommentarschreibern um eine eher männliche, konservativ orientierte Gruppe. Es gehe aber auch um den Spielinhalt selbst. «Männliche Gamer lieben das Gamen eben gerade deshalb, weil sie hier die moralischen Vorgaben der Gesellschaft für einmal vergessen können», sagt Lippuner. Würde der Geschlechterkampf in diesen von ihnen besetzten Rückzugsort eindringen, fühlten sie sich gestört. «Games bieten gerade Jugendlichen oft eine Rückzugsfunktion», sagt Lippuner.

Hinzu komme, dass «Assassin's Creed» in einer männerdominierten Welt angesiedelt ist - in einer Zeit, in der die Männer regierten und Kriege führten. Von diesem Kontext fühlen sich viele «Assassin's Creed»-Spieler angezogen, die sich in einer solchen Spielwelt bewegen wollen. «Ihnen liegt es am Herzen, dass die Macht- und damit die Geschlechterverhältnisse im Spiel so bleiben, wie sie sind», sagt Lippuner.

Das Dilemma der Entwickler

Grundsätzlich würden männliche Jugendliche «ihre» Spiele zudem als ihr Revier ansehen. Eine weibliche Hauptfigur wäre auch deshalb eine Bedrohung, weil sie potenziell weibliche Spieler anziehen könnte und das Vorrecht der männlichen Jugendlichen aufs Game möglicherweise in Frage stellt. Dies führt zu einem immer drängenderen Dilemma für die Entwickler und Publisher: Einerseits möchten sie mit den Games eine möglichst grosse Zielgruppe erreichen - und damit auch Spielerinnen. Lippuner: «Andererseits geht es auch darum, die männlichen Stammspieler nicht zu vergraulen.»

Allerdings werde das Problem aufgebauscht, findet der Wissenschaftler. Vielen Spielern sei es egal, ob sie eine weibliche oder männliche Figur spielen, sie wünschten sich einfach eine gute, spannende Geschichte und ansprechende Figuren. Ausserdem vergnügen sich auch viele Gamerinnen mit «Assassin's Creed». Dies bestätigen auch einige Kommentare auf 20 Minuten.

«Frauen sind einfach kompliziert!»

Dass es nicht alle so bierernst nehmen mit dem Streit um die weiblichen Hauptfiguren, zeigen die Kommentare ironischer Natur. User Beni Z. zum Beispiel schreibt: «Ich glaube den Machern aufs Wort, dass das Programmieren einer Frau das Doppelte kosten würde! Frauen sind einfach kompliziert! :D» Und User Pinky bezweifelt, dass männliche Spieler nur männliche Helden wollen: «Wieso haben die Damen in ?World of Warcraft? dann immer so eine tiefe Stimme im Teamspeak?»

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