Fahndung nach Toggenburger Rassisten per DNA
Aktualisiert

Fahndung nach Toggenburger Rassisten per DNA

Den Rassisten vom Toggenburg geht es an den Kragen. 13 Verdächtige der rassistischen Attacken auf die Arztfamilie im Toggenburg mussten DNA-Proben abgeben.

Bei den Ermittlungen im Zusammenhang mit den rassistischen Attacken auf eine Arztfamilie im Toggenburg hat die Polizei bisher rund 20 Personen befragt. Bei 13 von ihnen wurden DNA-Proben abgenommen.

Hans Eggenberger, Sprecher der St. Galler Kantonspolizei, bestätigte am Donnerstag einen Beitrag von «Schweiz aktuell» von Schweizer Fernsehen (SF). Eggenberger betonte aber, dass es sich um eine freiwillige Massnahme handle. «So kann jemand aus dem Kreis der Verdächtigen ausgeschlossen werden», sagte er.

Ein DNA-Test könnte auch erzwungen werden, dafür wäre aber eine richterliche Anordnung nötig. Ob diese schärfere Gangart ins Auge gefasst wird, wollte Eggenberger nicht sagen. Ebenfalls keine Auskunft gab er darüber, woher die Polizei Material für einen DNA- Vergleich hat.

Seit Mai werden in Alt St. Johann ein Arzt, seine afrikanische Frau und ihre beiden Kinder von Rassisten terrorisiert. Drohbriefe wechseln sich ab mit Sachbeschädigungen. Neben der Familie trafen die Attacken auch Patienten und zwei Leserbriefschreiberinnen.

Rassismus: Weitere Vorfälle im Toggenburg

Die Toggenburger Idylle wird weiter getrübt: In Alt St. Johann sind nach den Attacken auf die Arztfamilie Michel neue rassistische Vorfälle bekannt geworden.

«Im Toggenburg herrscht eine tendenziell fremdenfeindlichere Stimmung als in anderen Gegenden», sagt der Wildhauser Priester Josef Karber. Er erlebte im Religionsunterricht in Alt St. Johann einen erschütternden Vorfall: Ein Schüler hatte zum Thema KZ Dachau gesagt, «solche Anlagen würden auch bei uns viele Probleme lösen». In einer anderen Klasse hat laut dem «St. Galler Tagblatt» ein Schüler beim Thema Sklavenhandel dem Lehrer gesagt, er solle mit dem «Seich» aufhören: Schwarze hätten hier nichts zu suchen. Schliesslich habe fast die ganze Klasse skandiert: «SVP! Schwarze raus!» Ein afrikanischer Priester habe sich darauf anhören müssen, alle «Neger» seien kriminell.

Der Gemeindepräsident von Alt St. Johann, Alois Ebneter, ist geschockt: «Es rufen Touristen an, die uns sagen, dass sie nie mehr in die Region zurückkehren wollen.» Ob die im Toggenburg stark verankerte SVP mit ihren aggressiven Ausländerkampagnen eine Mitschuld trage, sei schwierig zu beantworten.

(bru)

(sda)

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