Aktualisiert 29.03.2016 05:23

Bad Aibling

Fahrdienstleiter verursachte Zugunglück

Der 39-Jährige gab die eingleisige Strecke für zwei Züge gleichzeitig frei. Als er dies bemerkte, passierte ein zweiter Fehler. Ihm droht eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung.

von
afo
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Er muss sich für sein Handeln verantworten: Fahrdienstleister Michael P. vor Gericht in Traunstein. (10. November 2016)

Er muss sich für sein Handeln verantworten: Fahrdienstleister Michael P. vor Gericht in Traunstein. (10. November 2016)

Keystone/Matthias Schrader
Menschliches Versagen: Die Zugskollision bei Bad Aibling in Bayern wurde nicht durch die Technik, sondern durch den Menschen verursacht. Der Fahrdienstleiter wurde am 12. April 2016 in Untersuchungshaft genommen. Er gestand, auf seinem Handy ein Computerspiel gespielt zu haben.

Menschliches Versagen: Die Zugskollision bei Bad Aibling in Bayern wurde nicht durch die Technik, sondern durch den Menschen verursacht. Der Fahrdienstleiter wurde am 12. April 2016 in Untersuchungshaft genommen. Er gestand, auf seinem Handy ein Computerspiel gespielt zu haben.

kein Anbieter/EPA/Peter Kneffel
Suchtrupps bei den Trümmern der kollidierten Züge in Bayern. Die drei Fahrtenschreiber werden von den Behörden ausgewertet.(11. Februar 2016)

Suchtrupps bei den Trümmern der kollidierten Züge in Bayern. Die drei Fahrtenschreiber werden von den Behörden ausgewertet.(11. Februar 2016)

AFP/Uwe Lein

Das schwere Zugunglück in Bad Aibling mit elf Toten geht nach Angaben der bayerischen Landesregierung allein auf Fehler des zuständigen Fahrdienstleiters zurück. «Es war eine ganz besonders tragische Verkettung von gleich zwei Fehlleistungen», sagte Bayerns Innenminister Joachim Herrmann (CSU) der «Bild»-Zeitung. Demnach gab der 39-jährige Fahrdienstleiter am 9. Februar die eingleisige Strecke für zwei Züge gleichzeitig frei.

Als er seinen Irrtum bemerkt habe, habe er einen Warn-Funkspruch an die beiden Lokführer schicken wollen, schreibt das Blatt weiter. Möglicherweise aus Aufregung habe er jedoch die falsche Taste gedrückt. Der Funkspruch sei an die Fahrdienstleiter in der näheren Umgebung gegangen, die sich daraufhin bei ihm gemeldet hätten. Anschliessend habe der Fahrdienstleiter einen zweiten Funkspruch an die Lokführer geschickt. Doch diese Warnung erreichte sie zu spät.

Bis zu fünf Jahre Haft

«Wäre der erste Funkspruch bei den Lokführern angekommen, hätte das Unglück womöglich noch verhindert werden können», sagte Herrmann. Technische Defekte als mögliche Ursache konnten dem Innenminister zufolge komplett ausgeschlossen werden. Laut Herrmann läuft es auf eine Anklage wegen fahrlässiger Tötung gegen den verantwortlichen Fahrdienstleiter hinaus. Ihm drohten bis zu fünf Jahre Haft.

Bei dem schweren Unglück waren zwei Regionalzüge der Bayerischen Oberlandbahn frontal zusammengeprallt. Elf Menschen kamen ums Leben, 24 Menschen wurden schwer und 61 Menschen leicht verletzt. (afo/afp)

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