Ostschweiz: Fahrenden-Plätze: Suche geht weiter

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OstschweizFahrenden-Plätze: Suche geht weiter

Nach dem Nein zum Durchgangsplatz für Fahrende in Thal hat sich das St.Galler Raumplanungsamt beraten. Fazit: Auch der in Gossau geplante Standort wird es schwierig haben.

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taw

«Die Fahrenden sind ein Teil unserer Gesellschaft und sollen auch ihre Durchgangsplätze erhalten, es muss aber für die Öffentlichkeit vertretbar sein», sagt Andreas Schweiss, Präsident der CVP St.Gallen-Gossau. Er räumt aber ein, dass es in ländlichen Gebieten – und dazu gehört seiner Meinung nach auch Gossau – schwierig wird. «Bei einer Abstimmung wäre die Entscheidung sicherlich knapp.» Man müsse laut Schweiss der Bevölkerung die Angst und Vorurteile nehmen und den Nutzen eines Durchgangsplatzes aufzeigen, damit dieser bei einer Abstimmung eine Chance hätte.

Der Protest gegen den geplanten Durchgangsplatz für Fahrende zwischen der Stadt St.Gallen und Gossau ist allerdings bereits in Gange. Die notwendige Umzonung wurde mit Einsprachen belegt. Die meisten kommen vom lokalen Gewerbe und von Industriebetrieben aus dem Fürstenland. «Ich glaube nicht, dass der konkrete Standort für die Einsprache verantwortlich ist. Man ist eher grundsätzlich dagegen», so Schweiss.

Dem Projekt in Gossau droht damit mitunter das gleiche Schicksal wie dem geplanten Durchgangsplatz in Thal. Vergangenen Sonntag hat die Gemeinde eine Umzonung knapp abgelehnt.

Betroffene sprechen von verpasster Chance

Die Enttäuschung bei den Fahrenden über das Abstimmungsresultat in Thal ist gross. Man habe fest mit einem Ja gerechnet, wie Daniel Huber, Präsident der Dachorganisation für Jenische in der Schweiz, gegenüber dem «Regionaljournal SRF» erklärt. Für Huber ist der Entscheid eine verpasste Chance: Ein Platz sei auch eine Möglichkeit, mit der Bevölkerung vor Ort in Kontakt zu treten und Vorurteile abzubauen.

«Wir müssen Halteplätze für Fahrende anbieten»

«Trotz dem Projekt in Gossau, das wir weiterverfolgen, müssen wir gemeinsam mit dem St.Galler Regierungsrat Willi Haag eine Standortbestimmung machen und sehen, in welchen Regionen wir als nächstes aktiv werden», so der St.Galler Kantonsplaner Ueli Strauss gegenüber dem «Regionaljournal SRF». Denn eines ist laut Strauss klar: «Wir müssen Halteplätze für Fahrende anbieten.» Grund dafür ist ein Bundesgerichtsentscheid vom März 2003, der den Fahrenden als anerkannte nationale Minderheit ausdrücklich das Recht auf «angemessene Halteplätze» zusichert.

Aktuell gibt es im Kanton St. Gallen nur zwei Durchgangsplätze, nämlich in Buchs und Rüthi, dazu einen Standplatz in St.Gallen. Laut Strauss wären aber sechs Durchgangsplätze nötig.

Nachholbedarf auch im Thurgau und Appenzell

Bei der Planung sind auch andere Ostschweizer Kantone im Rückstand. Laut dem «Regionaljournal SRF» wurden im Thurgau die Grundlagen für Halteplätze zwar in der Richtplanung festgeschrieben, konkrete Projekte gibt es aber nicht. Von Fahrenden genutzt werden die bestehenden Plätze in Frauenfeld, Märstetten, Weinfelden und Kreuzlingen; diese sind aber nicht im Raumplan gesetzlich verankert.

Im Kanton Appenzell Ausserrhoden gibt es nur einen Platz in Teufen, im Innerrhoden und Glarus gibt es keinen einzigen. Im Kanton Graubünden sind aktuell fünf Durchgangsplätze aufgeführt.

Die Lage bei den Standplätzen, die von den Fahrenden während den Wintermonaten genutzt werden, sieht es noch schlechter aus. Nur St.Gallen und Graubünden kennen solche Plätze. Sogenannte Transitplätze für grössere Gruppen, gibt es überhaupt keine.

Etwa 30'000 Fahrende in der Schweiz

In der Schweiz leben etwa 30'000 Fahrende. Die meisten von ihnen haben einen Schweizer Pass, zahlen Steuern und die Männer absolvieren den Militärdienst. Einziger Unterschied: Sie leben in Wohnwägen, statt in Wohnungen. Seit 1997 gelten Fahrende als nationale Minderheit.

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