03.06.2020 02:51

Hässig auf Postauto-Kontrolleur

Fahrgast (15) wird gebüsst – «obwohl er gar nichts Falsches gemacht hat»

Ein Schüler (15) aus Krauchthal BE fuhr am Dienstagmorgen mit dem Postauto in die Schule. Ein Ticket hatte der Teenager allerdings nicht dabei. Dies, da er nirgends ein Ticket hatte lösen können. Der Kontrolleur, der zufällig zustieg, büsste den Teenager trotzdem.

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Der 15-jährige Rafael wurde am Dienstagmorgen von einem Postauto-Kontrolleur gebüsst. Dies, weil er kein Billett auf sich hatte. Doch die Mutter ist empört.

Der 15-jährige Rafael wurde am Dienstagmorgen von einem Postauto-Kontrolleur gebüsst. Dies, weil er kein Billett auf sich hatte. Doch die Mutter ist empört.

Leser-Reporterin 
Ihr Sohn hätte gar kein Ticket lösen können. Entlang der Strecke Krauchthal-Hindelbank gebe es keinen Automaten.

Ihr Sohn hätte gar kein Ticket lösen können. Entlang der Strecke Krauchthal-Hindelbank gebe es keinen Automaten.

Derzeit sei es auch nicht möglich, beim Chauffeur ein Fahrschein zu lösen.

Derzeit sei es auch nicht möglich, beim Chauffeur ein Fahrschein zu lösen.

Tamedia AG

Darum gehts

  • Ein 15-Jähriger Schüler aus Krauchthal BE wurde von einem PostAuto-Kontrolleur gebüsst
  • Die Mutter des Teenagers ist sauer
  • Der Grund: Entlang der Strecke gibt es keinen Automaten, beim Chauffeur zu lösen geht derzeit nicht
  • PostAuto nimmt Stellung

Die Oberstufenschüler aus dem bernischen Krauchthal haben einen längeren Schulweg: Ihr Unterricht findet rund fünf Kilometer entfernt in der Ortschaft Hindelbank statt. Der 15-jährige Rafael fährt deshalb – wenn immer möglich – mit dem Töffli zur Schule. Über Pfingsten ging sein Vehikel jedoch kaputt; der Teenager musste am Dienstagmorgen also aufs Postauto ausweichen. «So gab ich ihm am Morgen Geld mit, damit er sich eine Mehrfahrtenkarte lösen kann», erzählt Mutter Sandra. Da es aber entlang des gesamten Schulwegs keinen Billettautomaten gibt und es aufgrund der Hygienemassnahmen derzeit auch nicht möglich ist, direkt beim Fahrer zu lösen, sollte Rafael in seiner Mittagspause die Fahrkarte im Dorf Hindelbank nachlösen. Dies jedenfalls war der Plan.

Kurz vor 7 Uhr klingelte aber bereits das Handy der Mutter. Sohn Rafael rief an. Er sei auf halbem Weg aus dem Postauto ausgestiegen. Ein Kontrolleur habe ihn nämlich gerade mit 100 Franken gebüsst. «Dies, weil Rafael kein gültiges Billett auf sich trug», sagt die Mutter. Nun ist die Bernerin stinksauer: «Wie hätten wir am Morgen ein Ticket lösen sollen, wenn es weit und breit keinen Automaten gibt?» Zudem habe auch nicht jeder eine Kredit- oder Debitkarte, um das Ticket online zu beziehen.

Postauto verspricht eigentlich Kulanz

Rafael habe eigentlich gar nichts Falsches getan: «Online heisst es bei der Postauto AG, dass man zurzeit in solchen Situationen das Ticket auch im Nachhinein lösen kann», meint die Mutter. Dies habe sie im Vornhinein bewusst nochmals überprüft.

Tatsächlich verspricht das Unternehmen aufgrund der aktuellen Ausnahmesituation Kulanz: «Wenn kein Ticketautomat oder keine Verkaufsstelle in deiner Nähe ist, kannst du dein Ticket nachträglich auch an einer anderen Haltestelle lösen», teilte das ÖV-Unternehmen bereits mehrmals öffentlich mit. So auch mehrmals via Facebook.

Dass sich der Kontrolleur, der ihren Sohn am Dienstagmorgen büsste, nicht an diese temporäre Regel gehalten hat, findet die Mutter schlicht eine «Sauerei». Für sie ist klar: «In meinen Augen geht das gar nicht: Ich werde diese Busse von 100 Franken vorläufig nicht bezahlen.»

«Der Fahrgast muss plausibel begründen können»

20 Minuten hat beim ÖV-Unternehmen nachgefragt. Mediensprecherin Katharina Merkle der Postauto AG sagt: «Solange die Fahrerinnen und Fahrer wegen Corona keine Tickets verkaufen können, ist Postauto derzeit immer noch kulant. Es gilt aber nach wie vor die Ticketpflicht: Der Fahrgast muss plausibel begründen können, warum er sein Ticket nicht vor der Fahrt elektronisch oder auf anderem Weg kaufen konnte.»

Der Kontrolleur scheint dem 15-Jährigen aus Krauchthal also nicht geglaubt zu haben, dass dieser ohne böse Absichten mitfuhr – «dies trotz mehrerer Erklärungsversuche», meint die Mutter.

Sie habe Postauto inzwischen kontaktiert – ihren ganzen Frust hat sie in einer Reklamationsmail niedergeschrieben. «Bis jetzt habe ich noch nichts gehört», sagt Mutter Sandra. Laut Postauto ist der Fall vom Dienstagmorgen bei der Inkassostelle noch gar nicht bekannt. Man könne so auch nicht sagen, ob sich der Kunde überhaupt schon bei der richtigen Stelle gemeldet hat. Der Frau rät man: «Wenn sich Kunden zu Unrecht gebüsst fühlen, können sie sich gerne an unser Kundencenter Inkasso wenden», sagt Merkle. Dort werde man sich der Sache gern nochmals annehmen.

(miw)

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216 Kommentare
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Nicht mehr Jugendlicher

03.06.2020, 23:14

Jugendliche sind für Kontrolleure Freiwild. Egal wie recht die Jugendlichen haben oder wie freundlich sie sind - eine Busse gibt's immer. Selbst wenn diese dann nach Reklamation nicht bezahlt werden muss, ist das ärgerlich. Der ganze Aufwand ist mühsam.

Alexander Hirzel

03.06.2020, 17:52

Ja als Familienvater kann ich aus schmerzlicher eigener Erfahrung sagen, sobald eine Kreditkarte im Smartphone hinterlegt ist schafften es meine Kinder diese auch für andere Dienste zu nutzen. Also nicht nur für das SBB App sondern eben auch für Wish und Co. In Kilchberg gibt es bei den Bushaltestelle Schwelle gibt es auch keinen Automaten.

km

03.06.2020, 16:29

Hier versagen eindeutig die Staatsschulen mit Aufklärung. Smartfons haben heute schon Kindergärtner, also sollte man die Kinder aufklären über das SBB APP mit seiner Funktion EasyReader. Da kann man einfach einsteigen egal wo und wann und den Schalter betätigen. Alles andere ist Beilage. Wo leben gewisse Leute überhaupt?