Bekannter Basler Umweltaktivist - Fahrlässige Tötung von Martin Vosseler – Chauffeur akzeptiert Strafe nicht
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Bekannter Basler UmweltaktivistFahrlässige Tötung von Martin Vosseler – Chauffeur akzeptiert Strafe nicht

Im Oktober 2019 geriet der bekannte Basel Umweltaktivist Martin Vosseler bei einem Unfall mit dem Velo unter einen Lastwagen und wurde dabei getötet. Der fehlbare Chauffeur wehrt sich nun gegen den Strafbefehl.

von
Lukas Hausendorf
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Eine Sonne erinnert in der Austrasse an den Unfalltod des bekannten Umweltaktivisten Martin Vosseler.

Eine Sonne erinnert in der Austrasse an den Unfalltod des bekannten Umweltaktivisten Martin Vosseler.

20 Minuten/Steve Last
Am 23. Oktober 2019 kam er dort auf dem Velo unter einen Lastwagen. Wie aus dem Strafbefehl hervorgeht, hatte ihn dieser zu eng überholt.

Am 23. Oktober 2019 kam er dort auf dem Velo unter einen Lastwagen. Wie aus dem Strafbefehl hervorgeht, hatte ihn dieser zu eng überholt.

20 Minuten/Steve Last
Vosseler sei abgedrängt worden, geriet zu Fall und wurde samt Velo schliesslich von der Hinterachse des LKWs überrollt.

Vosseler sei abgedrängt worden, geriet zu Fall und wurde samt Velo schliesslich von der Hinterachse des LKWs überrollt.

20 Minuten/Steve Last

Darum gehts

  • Am 24. Oktober 2019 kam der bekannte Basler Umweltaktivist Martin Vosseler bei einem Verkehrsunfall ums Leben.

  • Er geriet auf dem Velo unter einen Lastwagen, der ihn zu eng überholt und abgedrängt haben soll.

  • Der Chauffeur kassierte einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung und ficht diesen nun an.

Ein «Mangel aus Vorsicht und Aufmerksamkeit» löschte am 23. Oktober 2019 Martin Vosselers Leben aus. Der bekannte Umweltaktivist war an jenem Morgen mit dem Velo in der Austrasse in Basel unterwegs, als ein Lastwagen ihn überholt und dabei den ausreichenden seitlichen Abstand nicht eingehalten haben soll. Vosseler wurde dadurch nach rechts abgedrängt, geriet an ein parkiertes Auto, kam zu Fall und geriet unter den Lastwagen. Samt seines Fahrrads wurde er vom hinteren rechten Zwillingsrad des LKWs überrollt.

Im Strafbefehl gegen den 64-jährigen Chauffeur sind die gravierenden Verletzungen beschrieben, die zum unmittelbaren Tod Vosselers geführt haben. Der Lenker des Lastwagens wurde deshalb von der Basler Staatsanwaltschaft am 21. Dezember 2020 der fahrlässigen Tötung für schuldig erklärt und zu einer bedingten Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 120 Franken verurteilt. Hinzu kommen eine Busse von 2000 Franken und Verfahrenskosten von fast 15’000 Franken.

Der Beschuldigte ist mit dieser Strafe offenbar nicht einverstanden und ficht den Strafbefehl nun an. Am 24. Januar wird der Fall nun vor dem Basler Strafgericht verhandelt. Ein Schuldspruch trifft den erfahrenen Berufschauffeur empfindlich, da er mit einer Administrativmassnahme einhergeht, konkret einem längeren Führerausweisentzug. Das kommt für den 64-Jährigen einem Berufsverbot gleich.

Aktivist und Solarpionier

Vosselers Familie hat dem Lastwagenfahrer vergeben. «Wir sind ohne Groll, auch nicht gegen den Lastwagenfahrer.» Mit diesen Worten im Namen der Familie eröffnete Münsterpfarrer Lukas Kundert die Abdankungsfeier am 12. November 2019. Diese Botschaft sei ganz wichtig für den Lastwagenfahrer.

Martin Vosseler war ausgebildeter Arzt und wurde als Umweltaktivist in der Schweiz bekannt. 1993 fastete er zusammen mit Bruno Manser (†) 41 Tage lang vor dem Bundeshaus, um gegen den Import von Tropenholz zu protestieren. In Basel führt er 2004 den Protest gegen die Zollfreistrasse an, wofür er sich sogar an einen Baum kettete. Er war auch Gründer der NGO Sun 21 zur Förderung der erneuerbaren Energien und wurde 2007 mit dem europäischen Solarpreis ausgezeichnet. Vosseler wurde 71 Jahre alt.

Trauerst du oder trauert jemand, den du kennst?

Hier findest du Hilfe:

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Seelsorge.net, Angebot der reformierten und katholischen Kirchen

Muslimische Seelsorge, Tel. 043 205 21 29

Lifewith.ch, für betroffene Geschwister

Verein Regenbogen Schweiz, Hilfe für trauernde Familien

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Pro Senectute, Beratung älterer Menschen in schwierigen Lebenssituationen

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