Aktualisiert 19.01.2020 15:17

Porsche Taycan

Fahrspass 2.0

Mit dem Taycan hat Porsche einen faszinierenden Elektro-Sportwagen entwickelt. Auch ohne die Bezeichnung «turbo» am Heck.

von
Georg Kacher
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Auch der Taycan 4S ist mit 135'700 Franken kein Sonderangebot. Dafür gibts aber ein gelungenes Design, ein unglaubliches Fahrerlebnis und eine solide Qualität.

Auch der Taycan 4S ist mit 135'700 Franken kein Sonderangebot. Dafür gibts aber ein gelungenes Design, ein unglaubliches Fahrerlebnis und eine solide Qualität.

Porsche
Im Idealfall wird der Taycan mit 270 Kilowatt aus der 800-Volt-Steckdose vollgeladen, was nur 28 Minuten dauern soll.

Im Idealfall wird der Taycan mit 270 Kilowatt aus der 800-Volt-Steckdose vollgeladen, was nur 28 Minuten dauern soll.

Porsche
Der fast fünf Meter lange Taycan 4S ist kein Raumwunder, aber ein Hingucker, der seine imposanten Proportionen in den Dienst eines mit 0,22 ungewöhnlich niedrigen Luftwiderstandbeiwerts stellt.

Der fast fünf Meter lange Taycan 4S ist kein Raumwunder, aber ein Hingucker, der seine imposanten Proportionen in den Dienst eines mit 0,22 ungewöhnlich niedrigen Luftwiderstandbeiwerts stellt.

Porsche

Tesla oder Taycan? Diese Glaubensfrage kann die Papierform nicht beantworten. Doch wer oft zu viert unterwegs ist, der kann sich den Besuch beim Porsche-Händler sparen. Dort wird man eher fündig, wenn klassische Markenwerte wie Dynamik, Prestige und Verarbeitung im Vordergrund stehen. Allerdings spielen die Turbo-Modelle mit 194'900 bis 238'900 Franken in einer Preisliga, die nur wenigen zugänglich ist. Auch der Taycan 4 S ist mit 135'700 Franken kein Sonderangebot, zumal man sich die 7930 Franken teure Performance-Batterie mit einer Nettokapazität von 83,7 Kilowattstunden nicht versagen sollte. Aufpreisfrei ist das gelungene Design, das begeisternde Fahrerlebnis und die solide Qualität.

Mit dem starken Akku spurtet der 2140 Kilogramm schwere E-Porsche in nur vier Sekunden von Null auf 100 Stundenkilometer. Wers wissen will: Nach 13,3 Sekunden ist die Tempo-200-Marke erreicht, die Höchstgeschwindigkeit beträgt 250 Kilometer pro Stunde. Die volle Leistung lässt sich nahezu beliebig oft abrufen, die Batterie verausgabt sich bei Bedarf bis fast zur Neige, das Zweigang-Getriebe an der Hinterachse bringt das ansatzlos verfügbare maximale Drehmoment von 650 Newtonmeter unter Volllast per Doppelschub auf die Strasse.

Defensiv gefahren über 400 Kilometer Reichweite

Bleifuss-Piloten auf deutschen Autobahnen dürfen gerne starke Raucher sein oder dem Koffein verfallen, denn ein stramm bewegter Taycan verlangt in 300-Kilometer-Intervallen nach Ladepausen, die im Idealfall mit 270 Kilowatt aus der 800-Volt-Steckdose nur 28 Minuten dauern. Wer es langsamer angehen lässt, kommt deutlich über 400 Kilometer weit.

Die alte Auto-Welt ist dem Taycan teilweise fremd, und auch im Kopf des Fahrers muss die Marke mit neuen Inhalten belegt werden. Doch mit jedem Taycan-Kilometer wächst die Lust an jenen Eigenschaften, die kein Porsche 911 bietet. Da wäre zu allererst dieses unvergleichliche Aus-der-Ruhe-kommt-die-Kraft-Gefühl. Die Souveränität der ansatzlosen Kraftentfaltung. Das lässige Gleiten. Die Gewissheit, dass man könnte, wenn man wollte, aber man will gar nicht mehr so oft wie im nach Drehzahl gierenden Verbrenner. Weil auch lautloses Segeln und behutsames Rekuperieren ihren Charme haben, weil die Reichweitenanzeige eher Ansporn als Bedrohung ist, weil die neue Auto-Welt mit der sozialen Akzeptanz absolut konform ist.

Der fast fünf Meter lange Taycan 4S ist kein Raumwunder, aber ein Hingucker, der seine imposanten Proportionen in den Dienst eines mit 0,22 ungewöhnlich niedrigen Luftwiderstandbeiwerts stellt. Trotz zwei Aussparungen im Boden vor den Rücksitzen reicht die Beinfreiheit nur knapp aus, die lichte Raumhöhe bevorzugt kahle Schädel, und der Ein- und Ausstieg erfordert eine gewisse Mindest-Fitness. Das Cockpit ist aufgeräumt, die fünf Fahrmodi Range, Normal, Sport, Sport Plus und Individual lassen sich bequem vom Lenkrad aus anwählen, die Liste der Extras ist grenzenlos.

150 kW-On-Board-Charger nur gegen Aufpreis

Geladen wird über Klappen links und rechts im Vorderwagen. Serienmässig sind ein On-Board Gleichstrom-Lader mit 50 Kilowatt, der sich über 400-Volt-Säulen mit Strom versorgt, sowie ein weiterer Anschluss für maximal elf Kilowatt Wechselstrom. Im Idealfall steht eine 800-Volt-Station zur Verfügung, an der mit bis zu 270 Kilowatt elektrische Energie gebunkert werden kann. Gegen Aufpreis zu haben sind ein On-Board-Charger mit 150 Kilowatt, Ladekabel Mode 3 (beide im Swiss Package enthalten), tragbarer Lader und Wallbox für die heimische Garage.

Auch für den Basis-Taycan sind diverse Fahrdynamik-Goodies lieferbar, die man sich aber sparen kann – abgesehen vielleicht von der Hinterachslenkung, durch die sich der Wendekreis um 60 Zentimeter auf 11,2 Meter verringert. Im Preis enthalten ist die adaptive Luftfederung, die selbst in Verbindung mit den grossen 21-Zoll-Reifen ausreichend Restkomfort vermittelt. Das Dreikammer-System ermöglicht es, den Wagen um 20 Millimeter anzuheben oder um bis zu 22 Millimeter abzusenken.

Der Taycan 4 S macht den turbo und den turbo S zwar nicht überflüssig, doch ob die stärkeren Motorisierungen den Mehrpreis wert sind, ist fraglich. Denn der Unterschied zwischen den drei E-Mobilen ist viel kleiner als die Diskrepanz zwischen Carrera und 911 turbo. Deshalb könnte der für 2021 avisierte, noch etwas schwächere Taycan 4 die beste Wahl sein. Er soll deutlich weniger kosten – und das ebenfalls ohne wesentliche Abstriche bei Fahrvergnügen und Funktionalität.

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