Aktualisiert 10.03.2020 15:58

Mit toter Schwester in Wohnung

Fake News aus Italien? Es sieht nicht danach aus

Ein Italiener erklärt auf Facebook, dass seine Schwester daheim verstorben sei, wahrscheinlich am Coronavirus, und er niemanden erreiche. Kann das wahr sein?

von
gux

Luca Franzese aus Napoli hat mit einem Facebook-Video nicht nur national Schlagzeilen gemacht: Seine Schwester (47) sei vermutlich am Coronavirus gestorben, erklärte der Italiener am Sonntagabend in einem Video auf Facebook.

Jetzt sei er mit ihrer Leiche in der Wohnung sich selbst überlassen worden, in 24 Stunden habe niemand die Tote abgeholt: «Ich bin gezwungen, mit all dem Schmerz in dieser Situation zu kämpfen. Meine Schwester liegt im Bett, tot, ich weiss nicht, was ich tun soll. Ich kann sie nicht gebührend ehren, weil mich die Institutionen im Stich gelassen haben. Ich habe jeden kontaktiert, sie machen gar nichts, niemand konnte mir eine Antwort geben. Ich warte auf die Antwort des Notrufs.»

Insgesamt drei Videos aufgenommen

Im Hintergrund sieht man eine leblose dunkelhaarige Frau in einem Bett liegen. Franzese habe, sagt er, darauf bestanden, dass bei seiner Schwester ein Coronatest vorgenommen werde, zumal sie an schwerer Epilepsie leide und somit eine Risikopatientin sei. Passiert sei jedoch nichts.

In einem zweiten Video, das nach Mitternacht aufgenommen worden war, erklärte der Mann, dass bei der Verstorbenen mittlerweile ein Coronatest vorgenommen worden und positiv ausgefallen sei. In einem dritten Video von Montagnachmittag versichert Franzese seinen Freunden, dass sie sich keine Sorgen wegen einer Ansteckung durch ihn machen müssten, dass er lange keinen Kontakt zu seiner Schwester gehabt habe.

Sprecher schliesst Fake aus

Es ging nicht lange und in den sozialen Medien kam der Verdacht auf, dass es sich bei den Videos um eine geschmacklose Fälschung handle. Ein Sprecher der Stadt Neapel bestätigte jedoch gegenüber 20 Minuten, dass ihm der Fall bekannt sei und er einen Fake ausschliesse. Für mehr Informationen verwies er an die Polizei und das Amt für Prävention, wo 20 Minuten bislang niemanden erreichen konnte.

Italienische Medien hatten mehr Glück: So erklärte ihnen Francesca Menna vom Büro für Gleichstellung, Bürgerrechte und Gesundheit in der Region Campania, die Familie von Luca Franzese habe am Sonntagabend – dem Abend, als Franzese sein erstes Video auf Facebook stellte – Kontakt mit einem Beerdigungsinstitut gehabt. Dieses habe sich bereit erklärt, den Leichnam der Frau abzuholen.

Seit drei Tagen daheim in Quarantäne

Sie selbst habe sich in dem Fall engagiert und am Montagmorgen den stellvertretenden Bürgermeister Neapels kontaktiert. Dieser wiederum habe ein weiteres Beerdigungsinstitut eingeschaltet. Später sei dann klar geworden, dass die Polizei in der Sache interveniert habe.

Luca Franzeses Schwester litt an schwerer Epilepsie, wie Menna ebenfalls bestätigte. Derart vorbelastet sei die Frau «mit, aber nicht wegen» des Coronavirus verstorben. Offenbar hatte die 47-Jährige zuvor Kontakt mit einer Frau aus Norditalien gehabt, von der angenommen wird, dass sie ansteckend sei. Auch deswegen habe sich die Polizei eingeschaltet, schreibt Ottopagine.it.

Auch Franzese hat sich in der Zwischenzeit wieder gemeldet: In einem vierten, soeben aufgeschalteten Video erklärt er auf Facebook: «Meine Familie und ich sind seit drei Tagen daheim in Quarantäne.» Der Italiener, der in der Mafia-Serie «Gomorrha» mitspielt, bedankte sich für die grosse Anteilnahme im Netz und fügte an: «Wir dürfen nicht verzagen.»

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