In eigener Sache: Fake News über Corona-Fälle kursieren an Schulen
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In eigener SacheFake News über Corona-Fälle kursieren an Schulen

An einzelnen Schulen sorgen gefälschte Artikel über Corona-Erkrankungen für Verunsicherung. Eine Kanti will nun den Urheber ausfindig machen.

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dgr
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Derzeit kursieren in Whatsapp-Chats Fake News, die aussehen, wie echte Artikel von 20 Minuten. Darin wird über vermeintliche Corona-Erkrankungen an Schulen geschrieben.

Derzeit kursieren in Whatsapp-Chats Fake News, die aussehen, wie echte Artikel von 20 Minuten. Darin wird über vermeintliche Corona-Erkrankungen an Schulen geschrieben.

Auch gefälschte Links kursieren in den Chats. Diese führen nicht auf weitere Informationen, sondern meist nur auf Memes oder lustige Bilder.

Auch gefälschte Links kursieren in den Chats. Diese führen nicht auf weitere Informationen, sondern meist nur auf Memes oder lustige Bilder.

Die gefälschten Nachrichten sind von echten 20-Minuten-Meldungen kaum zu unterscheiden.

Die gefälschten Nachrichten sind von echten 20-Minuten-Meldungen kaum zu unterscheiden.

«Erster Fall an Zürcher Kantonsschule» – «Schüler an Kantonsschule am Brühl positiv auf Coronavirus getestet!». Solche Meldungen kursieren derzeit in Whatsapp-Gruppen. Verbreitet werden sie von Berufs- und Mittelschülern in mehreren Kantonen. Die Nachrichten sehen täuschend echt nach Newsticker-Meldungen oder Artikeln von 20 Minuten aus.

Ein Schüler der Kantonsschule Rychenberg in Winterthur hat die Meldung über einen vermeintlichen Corona-Fall an der Kanti Zürich Nord (KZN) in einem Whatsapp-Chat erhalten. «Das Coronavirus ist derzeit Dauerthema. Vermutlich sind so ein paar Schüler so auf die Idee mit den Fake News gekommen, in der Hoffnung, dass er Unterricht gestrichen wird», sagt der 19-Jährige.

Rektor mit erfundenen Aussagen «zitiert»

Die falsche Meldung hat die Empfänger verunsichert. So sagt der 18-jährige Jean, der früher selber an die KZN ging: «Ich habe mich sofort bei Kollegen erkundigt, wer erkrankt sei und wie schlimm es sei.» Er sei froh gewesen, als die Meldung sich als Fake herausgestellt hat. Auch seine Kollegin Helena sei erst verunsichert gewesen, da sie gleich neben der KZN wohne.

Auch Andreas Niklaus, Rektor der Kantonsschule Zürich Nord, ärgert sich über die Aktion: «Wir befanden uns am Dienstag gegen Mittag gerade in einer Schulleitungssitzung, als zwei Lehrpersonen und ein Schüler ins Büro kamen», sagt er. Sie seien verunsichert gewesen und hätten sich erkundigt, was sie nun tun sollten. Als Niklaus die Artikel las, fand er darin sogar seinen eigenen Namen: «Ich wurde mit frei erfundenen Aussagen im Artikel zitiert.»

Er habe sich daraufhin sofort mit der Redaktion von 20 Minuten in Verbindung gesetzt. Schnell sei klar geworden, dass es sich um Fakes handle: «Mir wurde versichert, dass ich nie zitiert werden würde, wenn die Redaktion nicht vorher mit mir gesprochen hat. Auch waren die Artikel auf der offiziellen Website von 20 Minuten nirgends auffindbar.» Niklaus habe daraufhin alle Lehrer und Schüler per E-Mail informiert, dass die Artikel nicht der Wahrheit entsprechen.

Schulleitung will Urheber ausfindig machen

Auf den Unterricht habe der Vorfall keine Auswirkungen gehabt, sagt Niklaus. «Dennoch ist es natürlich sehr ärgerlich, wenn in der angespannten Situation mit solchen Aktionen Schülerinnen und Schüler und ihre Eltern zusätzlich verunsichert werden.» Der Schulleitung sei es deshalb ein Anliegen, die Urheber der gefälschten Artikel ausfindig zu machen und zur Rede zu stellen. «Entsprechende Abklärungen sind im Gang.»

Unterricht geht wie geplant weiter

Auch an der gibb Berufsfachschule Bern sind Fake News im Umlauf: «Wir haben bereits letzten Freitag erstmals von gefälschten Mitteilungen über Coronavirus-Fälle an unserer Schule gehört», sagt der stellvertretende Schuldirektor Hans Hofer. «Die Lehrerschaft wurde von uns nach intensiver Abklärung darüber informiert, dass es an unserer Schule keine Coronavirus-Fälle gibt und es sich um einen schlechten Scherz handelt.»

Vereinzelt seien Schüler verunsichert gewesen und hätten Fragen gestellt. «Da wir innerhalb von einer Stunde reagieren konnten, hat sich die Aufregung aber schnell gelegt und der Unterricht konnte weitergehen.» Wer die Fake News in Umlauf gebracht hat, weiss Hofer nicht.

Screenshots von Artikeln auf Newsportalen wie 20 Minuten lassen sich mit entsprechendem Knowhow manipulieren. Die Redaktion rät, bei weitergeleiteten Screenshots misstrauisch zu sein. Sicher ist, wer die Website von 20 Minuten im eigenen Browser oder die App aufruft. Bist du bei einer Meldung unsicher, ob es sich um Fake News handelt, kannst du die Redaktion via Whatsapp kontaktieren (076 420 20 20).

Marken und Logo von 20 Minuten sind rechtlich geschützt. Die TX Group behält sich bei Verstössen rechtliche Schritte vor.

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