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Illegale MikrofoneFake-NSA hört heimlich Deutsche ab

US-Aktivisten verstecken Aufnahmegeräte und stellen die Aufnahmen ins Netz – aus Protest gegen Überwachung. Damit machen sie sich strafbar.

von
mh
Die Aktivistengruppe We Are Always Listening versteckt Aufnahmegeräte und stellt die Aufnahmen ins Netz.

Die Aktivistengruppe We Are Always Listening versteckt Aufnahmegeräte und stellt die Aufnahmen ins Netz.

Sie lauschen beim Vorstellungsgespräch, beim Training im Fitnessstudio oder dem Plausch im Café – das Projekt We Are Always Listening zeichnet heimlich Alltagsgespräche auf und stellt sie anschließend ins Internet. Als Rechtfertigung behaupten die Aktivisten aus New York einfach, sie seien Teil der NSA.

Stimmt natürlich nicht: Das Ganze ist eine Protestaktion gegen die breit angelegten Überwachungsmaßnahmen des US-Nachrichtendienstes. Unter jedem neuen Spionage-Schnipsel findet sich ein Button mit der Frage «Wütend?», der zu einer Petition gegen Überwachung führt.

Auch in Berlin hat das Team bereits Gespräche mitgeschnitten. Gut zu hören ist beispielsweise ein Frau, die sich über die Theaterszene beschwert, oder ein Mann, der sich über Demonstrationen und sexistische Musik aufregt.

«Aktion geht eindeutig zu weit»

Zu sprechen sind die Berliner Spione der vermeintlichen NSA-Aktion nicht. «Die einzigen Agenten, die authorisiert sind, mit der Presse zu reden, sitzen in den USA», schreibt einer der Aktivisten auf Nachfrage von 20 Minuten per Mail. Auch er will lieber anonym bleiben und geht auf den Vorwurf nicht ein, sich mit der Aktion rechtlich in einer Grauzone zu befinden.

Wenn beispielsweise in Kneipen mitgeschnitten wird, dann handelt es sich um nicht-öffentlich Gespräche. «Diese Aufzeichnungen sind unserer Ansicht nach strafbar», sagt Anja-Maria Gardain, Pressesprecherin des Berliner Beauftragten für Datenschutz und Informationsfreiheit. Bei der Verletzung der Vertraulichkeit des Wortes drohen eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder Geldbußen. Aufnahmen im öffentlichen Raum seien zwar nicht strafbar, aber zumindest ethisch fragwürdig. «Die Intention von We Are Always Listening kann man begrüßen, aber die Aktion als solche geht eindeutig zu weit», sagt Gardain.

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