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Versicherung warnt«Fakten sprechen für sich – das Velo ist gefährlich»

Allianz Suisse sagt, das Velo sei ungeeignet, um sicher zur Schule zu kommen. Lehrerverband und Velolobby relativieren – und fürchten einen Boom beim Mami-Taxi.

von
Tanja Bircher
Die Allianz Suisse hält das Velo für ungeeignet, um zur Schule zu fahren. Beim Lehrerverband hofft man, dass die Eltern jetzt nicht zum Mami-Taxi greifen. Bild: Colourbox

Die Allianz Suisse hält das Velo für ungeeignet, um zur Schule zu fahren. Beim Lehrerverband hofft man, dass die Eltern jetzt nicht zum Mami-Taxi greifen. Bild: Colourbox

Das Velo sei für Kinder das ungeeignetste Verkehrsmittel, um zur Schule zu kommen, schreibt die Allianz Suisse am Donnerstag in ihrem aktuellen Sicherheitsreport. Verglichen mit dem Schulbus oder zu Fuss sei die Unfallgefahr mit dem Velo für Kinder statistisch fünf- bis siebenmal höher.

Beim Schweizerischen Lehrerverband (LCH) läuten ob dieser Aussage die Alarmglocken. «Am ungefährlichsten wäre demnach Fliegen oder mit dem Zug», sagt Zentralsekretärin Franziska Peterhans. Das sei aber leider keine Option für den Schulweg. «Ich verstehe, dass sich Eltern nach diesem Bericht der Versicherung Sorgen um ihre Kinder machen, die Zahlen erschrecken auch mich.» Es sei jedoch keine Lösung, das jetzt das Mami- oder Papi-Taxi noch häufiger zum Einsatz komme.

«Kinder lernen auf dem Schulweg viel»

«Kinder müssen lernen, sich im Verkehr richtig zu bewegen.» Natürlich müsse man verhältnismässig handeln, ein Erstklässler habe im Zürcher Stadtzentrum auf einem Velo nichts zu suchen. Aber ein gut vorbereiteter 12-Jähriger sollte die Chance haben, eigenständig zur Schule zu fahren. «Auch auf dem Schulweg lernen Kinder viel. Wenn man ihnen das wegnimmt, verpassen sie etwas.»

Ausserdem müsse man sich bewusst sein, dass es sich bei der Quelle dieses Reports um eine Versicherung handle: «Es kommt immer auf den Blickwinkel an.» Eine Organisation für Fettleibigkeit würde vielleicht empfehlen, dass die Kinder immer mit dem Velo zur Schule fahren sollten, das wäre auch falsch, sagt Peterhans.

Helmtragequote sinkt

Auch Jean-François Steiert, Präsident von Pro Velo Schweiz, relativiert die Aussage von Allianz Suisse: «Es gibt gesicherte Schulwege und gute Ausbildungsmöglichkeiten – unter diesen Voraussetzungen spricht nichts dagegen, das Kind mit dem Velo zur Schule zu schicken.» Auch er hält das Mami-Taxi für keine Lösung. «Das macht die Situation nicht besser, sondern schlimmer.»

Hans-Peter Nehmer, Sprecher der Allianz Suisse: «Die Fakten sprechen für sich, Velo fahren ist gefährlich.» Deswegen sei es umso wichtiger, dass Kinder einen Helm tragen. Laut dem Report ist die Helmtragequote bei Kindern bis 14 Jahren seit 2012 von 68 auf 63 Prozent gesunken. «Wir als Versicherung können nur auf die Gefahr hinweisen und für Prävention plädieren», so Nehmer. Es sei essentiell, dass Kinder, die mit dem Velo zur Schule fahren, wissen, wie man sich im Verkehr verhalte und gut ausgerüstet seien.

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