Fall Albert G.: Hafturlaub, weil er Krebs hat
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Fall Albert G.: Hafturlaub, weil er Krebs hat

Der Justizdirektor des Kanton Zürich reagiert: Nachdem ein Sexualstraftäter im Hafturlaub rückfällig wurde, wird der unbegleitete Hafturlaub per sofort gestrichen. Gegen den für Albert G. verantwortlichen Beamten wird ein Verfahren eingeleitet.

Unbegleitete Urlaube für verwahrte Straftäter im Kanton Zürich sind bis auf weiteres gestrichen. Damit reagiert die Justizdirektion auf den Rückfall eines Sexualstraftäters im Urlaub. Regierungsrat Markus Notter räumt diesbezüglich Fehler ein.

Die Streichung des unbegleiteten Urlaubs betrifft sieben Personen, wie Justizdirektor Markus Notter am Freitag vor den Medien in Zürich erklärte. Die Fälle würden erneut auf ihr Potenzial von Gemeingefährlichkeit geprüft. Die Abklärungen könnten ein paar Monate dauern.

Grund für diese Massnahme ist der Fall eines 49-jährigen Sexualstraftäters, der während eines unbegleiteten Hafturlaubs rückfällig wurde. Der Mann soll im Februar und März im Kanton St. Gallen mehrfach versucht haben, Callgirls zu nötigen. Im April 2006 wurde er von der Strafanstalt Pöschwies in Regensdorf ZH wieder in den geschlossenen Vollzug versetzt.

Die St. Galler Behörden haben eine Strafuntersuchung gegen den Mann eingeleitet. Hinsichtlich der mutmasslichen Vorfälle mit den Prostituierten gelte, so Notter, die Unschuldsvermutung, bis die Untersuchung abgeschlossen ist. Die Rückversetzung in den geschlossenen Vollzug sei erfolgt, weil der Mann gegen Urlaubsauflagen verstossen hätte.

Schwere Krebserkrankung

Laut Notter führte eine im Jahr 2004 diagnostizierte, schwere Krebskrankheit beim Häftling zu einer falschen Einschätzung. Die Schwere der Krankheit hätten bei den beurteilenden Personen die Einschätzung verstärkt, dass das Gefährdungspotenzial deutlich abgenommen habe und weiter abnehmen werde, sagte Notter.

Solche Falscheinschätzungen gelte es in Zukunft zu vermeiden, sagte Notter weiter. Das Amt für Justizvollzug sei deshalb beauftragt worden, detailliertere Standards für die Abwicklung unbegleiteter Urlaube zu erarbeiten.

Notter hielt jedoch fest, dass - unabhängig von der zugunsten des Straftäters ausgelegten Krankheitsdiagnose - die Abläufe und Formalien zur Gewährung der Vollzugslockerungen umfassend eingehalten wurden. Dem Mann waren zwischen Juli 2000 und März 2005 fünf solche Lockerungen bewilligt worden. Am Schluss wurde er in den offenen Vollzug versetzt.

Weitere Fehler

Als völlig unverständlich bezeichnete Notter das Verhalten eines Mitarbeiters des Amts für Justizvollzug. Dieser hatte den Straftäter bei der Beschaffung der Identitätskarte bei der Gemeinde Dällikon ZH begleitet. Die Gemeinde treffe keine Schuld, erklärte Notter. Das Verhalten des Mitarbeiters wird nun in einem Verfahren weiter untersucht.

Kritisiert wurde auch die Strafanstalt Pöschwies. Sie hat es unterlassen, beim kantonalen Passbüro eine Ausweissperre zu erwirken, wie dies vorgeschrieben ist. Wäre eine solche Schriftensperre erfolgt, hätte die Gemeinde Dällikon die ID gar nicht bestellen können.

Wegen der ID wiederum erkannte die St. Galler Polizei bei den Kontrollen des Häftlings nicht, dass es sich um einen Pöschwies- Insassen handelte.

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