Fall gelöst: Ermittlungen à la Kreml
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Fall gelöst: Ermittlungen à la Kreml

Die russische Justiz hat den tödlichen Anschlag auf die regierungskritische Journalistin Anna Politkowskaja für gelöst erklärt. Hinter der Tat soll ein tschetschenischer Unterweltboss stehen.

Knapp ein Jahr nach der Tat gab Generalstaatsanwalt Juri Tschaika die Festnahme von zehn Verdächtigen bekannt, darunter sowohl amtierende als auch ehemalige Polizei- und Sicherheitsbeamte. Tschaika wurde mit den Worten zitiert, nur Leute ausserhalb Russlands könnten ein Motiv für den Mord gehabt haben.

Gegen die zehn Tatverdächtigen werde in Kürze Anklage erhoben, kündigte Tschaika am Montag in Moskau an. «Unsere Ermittlungen haben grosse Fortschritte gemacht», sagte der Generalstaatsanwalt in einer an Präsident Wladimir Putin gerichtete Stellungnahme, die im Fernsehen übertragen wurde.

Es waren die ersten Festnahmen, seit die Kreml-kritische Reporterin am 7. Oktober 2006 in Moskau erschossen wurde. Die Bluttat erregte seinerzeit internationales Aufsehen und warf Fragen nach der Sicherheit von Journalisten und anderen Kritikern der russischen Regierung auf.

Putin sorgte für Empörung, weil er den Einfluss Politkowskajas auf die russische Politik als bedeutungslos herunterspielte. Ausserdem deutete er an, die 48-Jährige sei vermutlich von Feinden des Kremls ermordet worden, um dem Ansehen Russlands zu schaden.

Der Mord fand knapp zwei Monate vor der Vergiftung des früheren KGB-Agenten Alexander Litwinenko in London statt. Beobachter sahen hier einen möglichen Zusammenhang mit dem Ziel, Kritiker der russischen Regierung auszuschalten.

Politkowskaja hatte vor allem aus Tschetschenien über Menschenrechtsverletzungen durch russische und tschetschenische Sicherheitskräfte berichtet. Sie zählte aber auch zu den schärfsten Kritikern der Politik von Präsident Wladimir Putin.

Manche vermuteten den von Moskau unterstützten Präsidenten der Kaukasus-Republik Tschetschenien, Rasman Kadyrow, hinter den Morden. Die Journalistenorganisation Reporter ohne Grenzen hat mehrfach beklagt, dass bei der Suche nach Politkowskajas Mördern keine Fortschritte zu verzeichnen seien. (dapd)

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