Chef kritisiert Staatsanwältin: Fall Nef: «Entscheid sieht unglücklich aus»
Aktualisiert

Chef kritisiert StaatsanwältinFall Nef: «Entscheid sieht unglücklich aus»

Hans Maurer, Leitender Staatsanwalt des Kantons Zürich, nimmt erstmals Stellung zum Fall Roland Nef und zur umstrittenen Einstellung des Verfahrens gegen den Ex-Armeechef. Man könne sich darüber streiten, ob der Fall vor Gericht hätte kommen müssen, sagt Maurer.

Maurer ist Vorgesetzter der federführenden Staatsanwältin Judith Vogel. «Der Entscheid sieht heute tatsächlich unglücklich aus», sagt er gegenüber der SonntagsZeitung.

In einem anderen Punkt stellt sich Maurer vor seine Mitarbeiterin. Er weist die verschiedentlich geäusserte Kritik zurück: Vogel sei im Verfahren wegen Amtsgeheimnisverletzung keineswegs befangen.

Weiter will der Leitende Staatsanwalt will nichts von einem ausserkantonalen Ermittler wissen, der den Fall Nef neu untersuchen müsste. «Ich glaube nicht, dass dies angezeigt ist», sagt Maurer.

Verfahren schnell eingestellt

Die Frage, die sich im Fall Nef stellt: Wieso wurde der Fall so schnell eingestellt? Trotz massiven Vorwürfen von Nötigung wurde die Akte bereits vor der ersten Einvernahme des ehemaligen Armeechefs eingestellt.

Während in Nefs Wohnung und Büro Hausdurchsuchungen statt fanden, verhörte Staatsanwältin Vogel den Armeechef. Sie konfrontierte ihn mit den schweren Vorwürfen. Nef gestand weitgehend. Darauf erklärte Vogel, sie beabsichtige den Fall einzustellen - noch bevor sie die Beweismittel sichtete. Vogels Chef mag diesen Ablauf nicht bestätigen. Wenn das Szenario so abgelaufen wäre, dann wäre das unprofessionell, sagte er gegenüber der SonntagsZeitung.

Die rasche Einstellung des Verfahrens ist für Rechtsexperten fragwürdig, weil für die Verfolgung eines Offizialdelikts wie Nötigung immer ein öffentliches Interesse besteht. Dafür notwendig sind die Zahlung von Wiedergutmachung und das Zeigen von echter Reue. Nef hat dem Opfer aber deutlich unter 100 000 Franken bezahlt sowie wenig Reue gezeigt. Später sagte er, von den Vorwürfen sei nichts wahr. Deshalb scheint es aus heutiger Sicht klar zu sein, dass der Fall Nef eigentlich vor Gericht hätte kommen sollen.

Quelle: SonntagsZeitung

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