Ex-Armeechef: Fall Nef sorgt weiterhin für rote Köpfe
Aktualisiert

Ex-ArmeechefFall Nef sorgt weiterhin für rote Köpfe

Der Fall des gefallenen Armeechefs Roland Nef sorgt weiterhin für Schlagzeilen. Strafrechtlich relevant sind die unappetitlichen Details nicht - doch Politiker fordern bereits die Rückzahlung der Abgangsentschädigung. Derweil gerät die Zürcher Justiz unter Beschuss.

Unter dem Titel «Sexleben – Alkohol – Ausraster» druckte der «SonntagsBlick» gestern neue, unappetitliche Details zur Affäre Nef ab. Und der «Blick» doppelt am Montag mit denselben Neuigkeiten nach. Auf deren Veröffentlichung hatte die «SonntagsZeitung» im Sommer verzichtet, weil sie im Gegensatz zu den bekannten Stalking-Vorwürfen strafrechtlich nicht relevant sind.

Staatsanwältin unter Beschuss

Das mittlerweile bekannte Ausmass des Falls Nef lässt aber neue Kritik an der Justiz laut werden. So hätte die Zürcher Staatsanwältin Judith Vogel, die das Dossier Nef ab September 2006 behandelte, die Wahl Roland Nefs zum Armeechef verhindern müssen, sagen Rechtsexperten im «SonntagsBlick».

«Wenn sie Alarm geschlagen hätte, hätte sie einen Rechtfertigungsgrund gehabt. Sie hätte im höheren Interesse des Landes gehandelt, was ihre Amtsgeheimnisverletzung geheilt hätte», so Strafrechtsprofessor Daniel Jositsch. Stattdessen stellte Vogel das Verfahren ein und machte Nefs Wahl im Juni 2007 damit erst möglich.

Rechtsprofessor Stefan Trechsel wirft Vogel deshalb mangelnde Zivilcourage vor. Die Staatsanwältin hätte sich von ihrem Vorgesetzten vom Amtsgeheimnis entbinden lassen und Bundesrat Samuel Schmid informieren können. Vogel will zum Fall Nef keine Stellung nehmen, ebenso wie der Anwalt von Roland Nef.

Abfindung sorgt für rote Köpfe

Hingegen melden sich im «Blick» mehrere Politiker lautstark zu Wort, dass der ehemalige Armeechef seine Abgangsentschädigung im Umfang von 275 000 Franken zurückerstatten müsse. Laut SVP-Politiker Toni Bortoluzzi habe Nef «einen Tritt in den Hintern» verdient. Und Walter Glur (ebenfalls SVP) findet das Verhalten Roland Nefs «nicht normal».

hal/ast

«Schimanski» wehrt sich

Judith Vogel hat den Zürcher Fahnder Fredi Hafner, den «Schimanski von Zürich», wegen Amtsgeheimnisverletzung angeklagt. Dieser bestreitet nun, derjenige gewesen zu sein, der die Affäre Nef lostrat. Er habe weder an Journalisten noch an sonst jemanden Akten herausgegeben, so Hafner im «SonntagsBlick».

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