Fall Seebach: Teures Polizeigebaren
Aktualisiert

Fall Seebach: Teures Polizeigebaren

Insgesamt 16 Personen verhaftete die Zürcher Stadtpolizei im Zusammenhang mit der mutmasslichen Massenvergewaltigung in Seebach. Jemanden sogar irrtümlich. Das kostet den Steuerzahler Geld, viel Geld.

Ohne Umschweife gestand Chefermittler Peter Rüegger der Zürcher Stadtpolizei an der Medienkonferenz vom 16. November 2006, dass man einen jungen Mann verhaftet habe, den man gleich wieder freilassen musste. Die Detektive hatten den Falschen verhaftet, weil er einen ähnlichen Namen wie einer der Verdächtigen trug.

Dennoch blieben in Zusammenhang mit der angeblichen Massenvergewaltigung eines 13-jährigen Mädchens zwölf Jugendliche und junge Erwachsene, mehrheitlich aus dem Balkanraum, in Untersuchungshaft. Zum Teil über einen Monat. Wie der «Tages-Anzeiger» unter Berufung auf die Anwälte der mutmasslichen Vergewaltiger berichtet, wird wohl nur einer der ursprünglich über ein Dutzend Tatverdächtigen wegen Vergewaltigung angeklagt werden können.

100 Franken pro Tag und Person

All jene Verhafteten, die wegen Verdunkelungsgefahr in Untersuchungshaft genommen wurden und nicht verurteilt werden, haben eine Entschädigung zu erwarten. «Etwa 100 Franken pro Tag und Person stehen laut Strafgesetzbuch jemandem bei einem Freispruch zu, wenn er sich die Haft nicht durch leichtfertiges Handeln selbst eingebrockt hat», bestätigt der zuständige Jugendanwalt Hansueli Gürber.

Auf Antrag der Jugendanwaltschaft verlängerte der Haftrichter am 4. Dezember die Haftdauer für sieben der Verdächtigen bis zum 21. Dezember, kurz zuvor wurden zwei weitere Personen verhaftet und ebenfalls bis zum 21. Dezember in Untersuchungshaft gesetzt. Vier dieser Verdächtigen wurden am 11. und 12. Dezember wieder freigelassen. Drei blieben in Untersuchungshaft sitzen.

Rund 30 000 Franken Entschädigung

Wenn nur einer der Angeschuldigten verurteilt wird, dann beläuft sich die Summe des Schadenersatzes auf gegen 30 000 Franken. Diese Schätzung geht davon aus, dass sich rund zehn Personen während 26 Tagen in Untersuchungshaft befunden haben. Auch die Anwalts- und Verfahrenskosten müsste die Gerichtskasse übernehmen. Weder die Stadtpolizei noch die Jugendanwaltschaft wollten auf Anfrage Angaben über die Gesamtzahl der Hafttage der Verdächtigen im Fall Seebach machen.

thi

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