Pandemie: Fallen die Sommerferien in Italien doch nicht ins Wasser?

Aktualisiert

PandemieFallen die Sommerferien in Italien doch nicht ins Wasser?

Italiens Tourismuspräsident will Touristen aus dem EU-Raum Ferien in Italien ermöglichen. Politiker reagieren positiv. Laut einem Tourismus-Experten sollten sich die Schweizer nicht zu früh freuen.

von
Bettina Zanni
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Wer aus der Europäischen Union komme, solle in Italien Ferien machen können, sagte Giorgio Palmucci, Präsident der Nationalen Tourismusbehörde Italiens (Enit) zum Magazin «L’Agenzia di Viaggi».

Wer aus der Europäischen Union komme, solle in Italien Ferien machen können, sagte Giorgio Palmucci, Präsident der Nationalen Tourismusbehörde Italiens (Enit) zum Magazin «L’Agenzia di Viaggi».

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Bestenfalls seien dafür nur noch die Monate Juli und August möglich, so der Enit-Präsident.

Bestenfalls seien dafür nur noch die Monate Juli und August möglich, so der Enit-Präsident.

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«Italien ist vom internationalen Tourismus hochgradig abhängig. Es ist klar, dass das Land alles machen wird, damit der Sommer nicht zur Totalkatastrophe wird», sagt Christian Laesser, Tourismus-Professor an der Universität St. Gallen.

«Italien ist vom internationalen Tourismus hochgradig abhängig. Es ist klar, dass das Land alles machen wird, damit der Sommer nicht zur Totalkatastrophe wird», sagt Christian Laesser, Tourismus-Professor an der Universität St. Gallen.

Daniel Ammann

Darum gehts

  • Geht es nach Giorgio Palmucci, Präsident der Nationalen Tourismusbehörde Italiens, sollen Menschen aus der EU im Juli und August Ferien in Italien machen können.
  • Im Fokus hat er vor allem Ferienhäuser und Appartements.
  • «Solange es kein klares Zeichen gibt, dass die Grenzen für den Tourismus durchlässig sind, bleiben Sommerferien auch in Italien unmöglich», sagt Tourismus-Professor Christian Laesser.
  • Politiker befürworten das Vorhaben, äussern aber auch Skepsis.

Ferien im Ausland haben sich die meisten Schweizer für diesen Sommer wegen der Pandemie abgeschminkt. Wann die Grenzen für den Reisetourismus wieder öffnen, ist nicht klar. Unlängst rief auch Bundesrat Ueli Maurer die Bevölkerung dazu auf, die Ferien im eigenen Land zu verbringen. Einen Lichtblick bot kürzlich jedoch der Präsident der Nationalen Tourismusbehörde Italiens (Enit).

Wer aus der Europäischen Union komme, solle in Italien Ferien machen können, sagte Giorgio Palmucci zum Magazin «L’Agenzia di Viaggi». Er sei bereit entsprechende bilaterale Verträge zwischen europäischen Ländern zu unterzeichnen, um ausländische Touristen anzulocken. Bestenfalls seien für die Ferien nur noch die Monate Juli und August möglich. Da die Reservationszeit immer knapper wird, hat Palmucci im Gegensatz zu Ferien in grossen Hotels vor allem Ferienhäuser und Appartments im Auge.

Klares Zeichen fehle noch

Christian Laesser, Tourismus-Professor an der Universität St. Gallen, rechnet damit, dass aufgrund des Schengener Abkommens Schweizer Touristen in Italien in diesem Sommer bereits willkommen sind. «Italien ist vom internationalen Tourismus hochgradig abhängig. Es ist klar, dass das Land alles machen wird, damit der Sommer nicht zur Totalkatastrophe wird», sagt er.

Auf Sommerferien in Italien sollten sich die Schweizer aber nicht zu früh freuen. «Solange es kein klares Zeichen gibt, dass die Grenzen für den Tourismus durchlässig sind, bleiben Sommerferien auch in Italien unmöglich», sagt Laesser. «Auch müssten die Touristen Italien vertrauen können, dass sämtliche Schutzmassnahmen gegen das Virus getroffen werden.»

Und sollte dann auch erster interkontinentaler Tourismus wieder möglich sein, gäbe es Laesser zufolge selbst bei offenen Grenzen für solche Gäste noch viel zusätzlichen Klärungsbedarf. «Müssten diese etwa nach der Einreise zuerst 14 Tage in Quarantäne verbringen, machten Ferien keinen Sinn.» Laesser merkt jedoch an, dass die Situation bezüglich Quarantänen sehr dynamisch sei. «Was heute gilt, kann morgen schon wieder anders sein.»

«Das ist eine sehr gute Nachricht»

Verkehrspolitiker nehmen das Signal aus Italien positiv zur Kenntnis. «Das ist eine sehr gute Nachricht. Der Druck steigt, dass bis im Sommer die Grenzen in der EU wieder komplett offen sind», sagt FDP-Nationalrat Christian Wasserfallen. Die Schweiz müsse alles dafür tun, dass die Reisefreiheit wieder voll umgesetzt werde.

Auch GLP-Nationalrätin Katja Christ fordert: «Wir müssen relativ zeitnah die Grenzen wieder öffnen.» Ohne den Sommer Tourismus aus dem EU-Raum werde es für Italien wirtschaftlich schwierig. «Wir haben noch zwei Monate Zeit. Das ist noch lange, wenn man bedenkt, wie stark wir die Ansteckungskurve in der Schweiz innerhalb von viel kürzerer Zeit abflachen konnten.» Denkbar wäre für sie, dass für Schweizer, die nach Italien in die Ferien gehen, das Herunterladen der Corona-App zur Pflicht wird. «So liessen sich die Ansteckungen trotz offener Grenzen gut unter Kontrolle halten.»

SVP-Nationalrätin Nadja Umbricht Pieren hingegen mahnt zur Vorsicht. «Es ist heikel, wenn man die Grenzen zu früh öffnet. Man könnte das Virus dann schnell nicht mehr im Griff haben», sagt sie. Würden die Ansteckungszahlen aber weiter sinken, sollten Ferien im Ausland aber wieder eine Option sein. «Die Fachleute werden wissen, was vertretbar ist und was nicht.» Für sie selber stehe aber fest: «Ich gehe dieses Jahr ganz sicher nicht ins Ausland.» Sie empfehle, dieses Jahr in der «wunderschönen Schweiz» zu bleiben.

Diese Grenzübergänge öffnen am 11. Mai zusätzlich

  • Genf: Certoux, Chancy I, Croix-de-Rozon, Landecy
  • Graubünden: Spiess
  • Jura: Fahy
  • Neuenburg: Biaufond
  • Solothurn: Flüh
  • Tessin: Camedo, Ponte Faloppia, Pizzamiglio, Brusata
  • Waadt: Crassier, L'Auberson
  • Wallis: Morgins

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