Falludscha: US-Rückzug
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Falludscha: US-Rückzug

Einen Tag nach der Vereinbarung zur Aufhebung der Belagerung von Falludscha haben US-Truppen mit dem Abbau von Stacheldrahtrollen begonnen.

Marineinfanteristen räumten am Freitag ihre Stellungen im südlichen Industriegebiet der irakischen Stadt. US-Offiziere berieten unterdessen mit örtlichen Vertretern über Einzelheiten des geplanten Rückzugs. Verhandlungen gab es auch in der von Schiiten bewohnten Stadt Nadschaf.

Zur Sicherung der Lage soll der Vereinbarung vom Donnerstag zufolge eine spezielle Falludscha-Schutzarmee aus 1.100 irakischen Soldaten gegründet werden. Sie soll von einem Exgeneral aus der aufgelösten Streitmacht Saddam Husseins befehligt werden, aber den US-Streitkräften unterstehen. Zum Kommandeur wurde nach Angaben aus irakischen Sicherheitskreisen Generalmajor Dschassim Mohammed Saleh ernannt, ein Veteran der Republikanischen Garde des gestürzten irakischen Staatschefs. Auch die einfachen Mitglieder der Schutzarmee dürfen einstige Regime-Anhänger sein, aber nicht zum harten Kern der Aufständischen gehören.

In Nadschaf verhandelte die irakische Polizei mit örtlichen Stammesführern über Möglichkeiten einer Aufhebung des Belagerungszustands. Die Stadt ist die Basis des radikalen schiitischen Geistlichen Muktada el Sadr, dessen El-Mahdi-Miliz sich Anfang April blutige Gefechte mit den US-Truppen lieferte. Einem Sprecher El Sadrs zufolge ging es bei den Gesprächen darum, dass die irakische Polizei die Sicherheitskontrolle übernehmen und die Miliz abziehen sollte. Dies könnte akzeptabel sein, solange sich die US-Truppen im Gegenzug verpflichteten, nicht nach Nadschaf einzumarschieren und die dortigen heiligen Stätten unversehrt zu lassen.

El Sadr erklärte während der Freitagsgebete, er werde seine verbalen Angriffe auf die US-Besatzungsmacht nicht mässigen. Amerika sei der Feind des Islams, und die einzige Waffe dagegen sei der Heilige Krieg.

Trotz der Verhandlungen gingen die Kämpfe in der Region weiter. Am Donnerstag hatte die US-Luftwaffe noch drei rund 225 Kilogramm schwere Bomben über Falludscha abgeworfen, um die Marineinfanteristen am Boden zu schützen. Am Freitag berichteten Augenzeugen über Raketenattacken im Stadtteil Golan, der als Hochburg des Aufstands gilt.

Zwei irakische Kinder getötet

Feuergefechte in mehreren Landesteilen hatten am Donnerstag mehr als 20 Menschen das Leben gekostet. Die jüngsten Opfer waren zwei irakische Kinder. Sie wurden am Abend von Querschlägern getroffen, als Aufständische in Bagdad einen US-Militärkonvoi angriffen und die Soldaten in einen Schusswechsel verwickelten. Ein spanischer Militärstützpunkt in Diwanija knapp 200 Kilometer südlich der Hauptstadt kam über Nacht zwei Mal unter Granatbeschuss. Nach Angaben eines polnischen Majors gab es keine Opfer auf seiten der multinationalen Truppe in der Region.

Rund 50 Gegner des Irak-Kriegs beendeten unterdessen ihre Besetzung der Kathedrale von San Salvador. Sie folgten damit einem Appell des Geistlichen Gregorio Rosa. Die Besetzer hatten den sofortigen Abzug der mehr als 300 Soldaten El Salvadors aus Irak gefordert. Der neu gewählte Präsident Tony Saca hat erklärt, dass die Soldaten des mittelamerikanischen Landes trotz des spanischen Truppenabzugs bis August in Irak bleiben würden. (dapd)

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