13.06.2020 18:12

Deutscher Virologe

«Falsch getragen sind Masken Nährboden für Bakterien und Pilze»

Falsch angewendet verlieren Masken ihre Schutzfunktion. Zudem können sie krank machen. Doch das lässt sich leicht verhindern.

von
Fee Anabelle Riebeling

Darum gehts

  • Ein deutscher Virologe warnt vor Erregern in Alltagsmasken – die könnten sich bei falscher Verwendung bilden.
  • Doch es gibt simple Möglichkeiten, das zu verhindern. Sowohl punkto Pflege als auch punkto Tragen.
  • Laut Schweizer Experten sind richtig genutzte Masken gesundheitlich kein Problem und eine wichtige Komponente im Kampf gegen die Übertragung des Coronavirus.
  • Ein extra geschaffenes Label zeigt, welche Masken qualitativ hochwertig sind.

Nicht nur Hygienemasken helfen, die Ausbreitung des Coronavirus einzudämmen, sondern auch Community-Masken aus Stoff – vorausgesetzt, sie werden richtig getragen. Sonst können sie dem Träger sogar schaden, wie Hendrik Streeck, Leiter des Instituts für Virologie am Universitätsklinikum Bonn, zur «Neuen Osnabrücker Zeitung» sagte.

Die falsche Verwendung kommt in Deutschland, wo Stoffmasken aufgrund der vielerorts herrschenden Maskenpflicht zum Alltagsbild gehören, häufiger vor: «Die Leute knüllen die Masken in die Hosentasche, fassen sie ständig an und schnallen sie sich zwei Wochen lang immer wieder vor den Mund, wahrscheinlich ungewaschen», so Streeck. Das mache die Masken zu einem «wunderbaren Nährboden für Bakterien und Pilze».

Je höher die Temperaturen, desto besser

Um dem vorzubeugen, sollten Textilmasken nur einmal getragen und dann bei hohen Temperaturen gewaschen werden, «idealerweise bei 95 Grad, mindestens aber bei 60 Grad», so das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Alternativ kann man sie laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung auch für zehn Minuten in einem Topf auskochen.

In beiden Fällen ist es wichtig, die gereinigten Masken anschliessend vollständig trocknen zu lassen. Ansonsten finden allfällige Erreger ideale Bedingungen vor und vermehren sich.

«Hier ist allerdings zu berücksichtigen, dass wichtige Eigenschaften der Masken wie Atemwiderstand, Spritzschutz und Filtrationseffizienz durch das Waschen beeinträchtigt werden können», so Simon Annaheim, Materialwissenschaftler an der Empa. «Dies speziell bei sehr hohen Temperaturen wie 95 Grad.»

«Der häufigste Fehler ist, die Maske in der Tasche zu lassen»

Hugo Sax ist Leiter Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich.

Hugo Sax ist Leiter Spitalhygiene am Universitätsspital Zürich.

Foto: Keystone 

Herr Sax, was ist der häufigste Fehler beim Tragen von Masken?

Der wahrscheinlich häufigste Fehler ist, die Maske in der Tasche zu lassen, wenn man sie eigentlich tragen sollte – immer dann, wenn man irgendwo länger unter Menschen ist und nicht zwei Meter Abstand einhalten kann.

Können Masken gesundheitlich problematisch sein?

Richtig getragen sind Masken unbedenklich für die Gesundheit. Nur bei Menschen mit sehr eingeschränkter Lungenfunktion kann der Atemwiderstand durch das Tragen einer Maske ein Problem darstellen. Natürlich kann es ganz selten auch zu Hautallergien auf das Material der Maske kommen.

Viele tragen die Maske unter der Nase. Was bringt sie dann noch?

Masken sollen die Schleimhäute gegen Virenbefall von aussen schützen – oder die Viren abfangen, die allenfalls ausgeatmet werden. Da Ein- und Ausatmungsluft mit den Viren-beladenen Tröpfchen auch durch die Nase geht, ist die Schutzwirkung nicht wirklich gegeben, wenn die Nase ausserhalb der Maske ist.

Durchfeuchtung unbedingt vermeiden

Auch regelmässiges Wechseln der Community-Masken ist wichtig, damit Erreger keine Chance haben. Das Portal Maskeauf.de empfiehlt, Stoffmasken «nicht länger als drei Stunden» zu tragen. Denn mit der Zeit lässt der Atem des Trägers den Stoff feucht werden, was für Keime aller Art, nicht aber für die Gesundheit des Maskenträgers gut ist.

Wer seine Maske noch ein weiteres Mal nutzen möchte, kann sie – sofern sie noch trocken ist – in einem sauberen, wiederverschliessbaren Beutel aufbewahren. Jedoch nur kurzzeitig, wie das BfArM schreibt, «um vor allem Schimmelbildung zu vermeiden.»

WHO hat Meinung geändert

Verschmutzte Masken dagegen sollten sofort in die Wäsche wandern und nicht noch einmal verwendet werden, empfiehlt die Weltgesundheitsorganisation WHO in ihrem jüngst aktualisierten Guide zu Hygiene- und Stoffmasken. Ansonsten könnten Erreger ins Gesicht und auf die Schleimhäute gelangen.

Die Nase gehört nicht freigelegt

Die UN-Organisation warnte auch vor der falschen Verwendung. Wie Streeck ist auch den WHO-Experten das ständige Berühren der Masken während des Tragens ein Dorn im Auge. Dadurch könnte sich sogar das Risiko erhöhen, an Covid-19 zu erkranken. Denn sowohl an den Händen als auch an der Aussenseite kann sich das neuartige Coronavirus befinden, so das BfArM. Entsprechend sollten vor und nach dem Berühren der Maske immer die Hände gewaschen und desinfiziert werden.

Das Robert-Koch-Institut ist noch konsequenter. Es empfiehlt, dass die Masken durchgehend eng über Mund und Nase anliegen und auch während des Tragens nicht zurechtgezupft werden.

Nur wenn die Masken korrekt verwendet werden, «stellen sie eine sehr wichtige Komponente im Kampf gegen die Übertragung des Coronavirus dar», so Empa-Forscher Annaheim, der sich mit den Anforderungen an Community-Masken beschäftigt hat (siehe Box). Durch das Tragen der Alltagsmasken könne die Ausbreitung eingedämmt werden. «Allerdings nur, wenn auch weiterhin Abstand zu anderen Personen, Husten- und Niesregeln und eine gute Händehygiene eingehalten werden.»

Tipps für den Maskenkauf

Was macht eine gute Community-Maske aus? Dieser Frage sind Empa-Forscher im Auftrag des Bundes nachgegangen.

Ergebnis: «Eine gute Stoffmaske ist angenehm zu tragen und lässt den Träger auch bei längerem Tragen gut atmen», erklärt Simon Annaheim. «Gleichzeitig muss sie so dicht sein, dass sie die von einer anderen Person beim Husten oder Niesen ausgestossenen und bis zu 40 Stundenkilometer schnellen Tröpfchen abhält.» Zudem müsse sie die von einem selbst freigesetzten Aerosole zurückhalten können, um andere zu schützen.

Weil der Laie das kaum erkennen kann, haben die Empa-Forscher zusammen mit dem Schweizer Prüf- und Zertifizierungsunternehmen Testex ein Label lanciert, das «Orientierung auf dem Markt der Textilmasken und die Sicherheit eines Schutzes nach den Empfehlungen der Swiss National Covid-19 Science Task Force bietet».

Auch ein Blick auf die WHO-Empfehlung, nach der Community-Masken aus einer wasserabweisenden, einer filternden und einer wasseraufsaugenden Schicht bestehen sollten, kann laut Annaheim hilfreich sein: «Bietet ein Hersteller drei Schichten an, in das ein Zeichen dafür, dass er sich Gedanken über die Sicherheit seines Produkts gemacht hat.»

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131 Kommentare
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Hsc

14.06.2020, 22:08

Kaum zu fassen, dass all die Maskengläubigen immer nich denken sie würden etwas nützen. Ich warten auf dem Moment wo die erste Person mit CO2 Vergiftung eingeliefert wird.

Yvonne

14.06.2020, 20:21

Uns geben sie eine Maske für zehn bis elf Stunden Dienste?! Alles andere ist zu teuer. Wo liegt denn hier die Logik???

Rosa Maria

14.06.2020, 19:13

Maske tragen ja oder nein. Sind wir doch froh, dsss wir frei entscheiden können ob wir die tragen sollen oder nicht. So steht es doch auch keinem von uns dem anderern Vorschriften zu machen. Masken können auch negative Botschaften mitteilen. Ich persönlich mag es nicht so das Masken tragen. Der nötige Abstand und Hygiene hilft wei mehr.