Putzfrau als Hochstaplerin: Falsche Anwältin zockte Witwe ab
Aktualisiert

Putzfrau als HochstaplerinFalsche Anwältin zockte Witwe ab

Eine Putzfrau hat sich als Staranwältin ausgegeben und eine betagte Witwe um mindestens 60 000 Franken erleichtert. Zudem soll die Hochstaplerin ein Ehepaar um rund 150 000 Franken gebracht haben.

von
Attila Szenogrady

Die Anklageschrift setzte im Herbst 2005 ein. Damals lernte heute 45-jährige Angeschuldigte anlässlich der «Chilbi» in Uetikon am See ein Ehepaar kennen. Sie stellte sich als Rechtsanwältin mit Doktortitel vor und erklärte den Eheleuten, dass sie in Meilen ein erfolgreiches Büro mit acht Sekretärinnen führen würde.

In den nächsten Monaten baute die angebliche Juristin zu den neuen Bekannten ein enges Vertrauensverhältnis auf. Der Schuhmacher und seine Frau bemerkten nicht, dass ihre neue Freundin in Wahrheit keine reiche Advokatin, sondern lediglich eine notorisch überschuldete Putzfrau war.

Laut Anklage das Ehepaar ausgenommen

Die Anklage schilderte wie die falsche Anwältin im Januar 2006, der Ehefrau mitteilte, dass ihr Mann eine Freundin habe. Sie riet ihr dringend, möglichst viel Geld ihres angeblich untreuen Gatten heimlich auf die Seite zu schaffen. Dabei bot sie ihre Hilfe als Anwältin an und stellte sich als Hüterin der Geldbeträge zur Verfügung.

Laut Staatsanwaltschaft tappte die geschädigte Schneiderin in die Falle. So übergab sie der Angeklagten innert weniger Wochen nicht nur ihren Schmuck, sondern auch grössere Geldbeträge von insgesamt 110 000 Franken. In bar und ohne Quittung. Gleichzeitig überredete die Angeklagte den Mann, bei ihr eine Anlage über 13 000 Franken zu tätigen.

Veruntreuung bestritten

Als sich das Ehepaar im Februar 2006 nach einem heftigen Streit wieder versöhnte und die Gelder von ihrer Rechtsberaterin zurück verlangte, brachte diese nur noch den Schmuck zurück. Laut Anklage hatte die angebliche Juristin Bargeld für über 150 000 Franken abgezweigt und für eigene Zwecke verwendet.

Was die Angeklagte am Bezirksgericht Meilen vehement in Abrede stellte. Sie habe auch das Bargeld zurückgegeben, behauptete sie legte eine angebliche Quittung über 82 000 Franken ins Recht. Laut Anklage eine Fälschung.

Witwe in Trauer betrogen

Gemäss Staatsanwaltschaft fand die Hochstaplerin vor einem Jahr ein neues Opfer. Es handelte sich um eine heute 68-jährige Seniorin aus Herrliberg. Sie war gerade Witwe geworden und trauerte um ihren verstorbenen Mann. Da kam ihr die angebotene Hilfe der mitfühlenden Anwältin sehr gelegen. Diese erledigte nun täglich den Haushalt und Büroarbeiten.

Gleichzeitig begann sie das Bankkonto der psychisch angeschlagenen Rentnerin zu plündern. Laut Anklage steckte die mutmassliche Betrügerin zwischen Februar und Mai 2008 rund 69 000 Franken in die eigenen Taschen. Vor Gericht gab die in diesem Punkt geständige Angeklagte immerhin einen Deliktsbetrag von 60 000 Franken zu.

21 Monate teilbedingt verlangt

Die Staatsanwältin sprach von einem perfiden Vorgehen der Angeklagten und verlangte eine teil bedingte Freiheitsstrafe von 21 Monaten. Zehn davon soll die Putzfrau verbüssen. Die Verteidigung forderte bei den Vorwürfen zulasten des Ehepaares mangels Beweisen einen vollen Freispruch. Wegen des Schuldspruchs bei der geprellten Witwe sei eine milde Strafe anzusetzen. Zudem sei der Vollzug der Strafe zugunsten einer ambulanten Psychotherapie aufzuschieben, plädierte die Verteidigerin. Sie machte zudem auf die Strafempfindlichkeit ihrer Mandantin aufmerksam. So sei die noch verheiratete Angeklagte die Mutter von vier Kindern. Ein Gang hinter Gitter wäre deshalb eine Katastrophe, sagte sie.

Das Gericht zog sich danach zur geheimen Urteilsberatung zurück. Es wird den Entscheid nächste Woche eröffnen.

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