Zürich: Falsche Bettelmönche zocken Passanten ab
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ZürichFalsche Bettelmönche zocken Passanten ab

Vermeintliche buddhistische Mönche ziehen derzeit durch die Zürcher Innenstadt und betteln um Spenden. Doch diese werden wohl kaum für einen guten Zweck investiert.

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som
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Dieser Mönch drückte den Passanten beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich kürzlich ein Amulett in die Hand und zeigte ihnen ein Bild mit Tempeln. «Donation», was Spende bedeutet, flüstert er sanft.

Dieser Mönch drückte den Passanten beim Bahnhof Stadelhofen in Zürich kürzlich ein Amulett in die Hand und zeigte ihnen ein Bild mit Tempeln. «Donation», was Spende bedeutet, flüstert er sanft.

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Allerdings steckt dahinter wohl eher eine Abzockermasche, wie es aus buddhistischen Kreisen heisst.

Allerdings steckt dahinter wohl eher eine Abzockermasche, wie es aus buddhistischen Kreisen heisst.

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Der Mann mit dem kahlgeschorenen Schädel und dem Mönchsgewand lächelt die Passanten beim Bahnhof Stadelhofen liebevoll an. Er drückt ihnen ein Amulett in die Hand und zeigt ein Bild mit Tempeln. «Donation», was Spende bedeutet, flüstert er sanft.

Solche buddhistische Mönche prägen in deutschen Grossstädten schon länger das Strassenbild. Seit kurzem sind sie auch in Zürich unterwegs. «Sie schwärmen schon morgens aus – hauptsächlich am Limmatquai, Rennweg und Stadelhofen», berichtet eine Leser-Reporterin. Sie gäben an, für einen guten Zweck zu sammeln: «Sie haben mir eine Liste gezeigt, auf denen Namen von Personen eingetragen waren, die je 30, 40 oder 50 Franken gespendet haben.»

«Richtige Mönche betteln nicht um Geld»

Hokyo Morales, Präsidentin der Schweizerischen Buddhistischen Union, geht davon aus, dass hinter diesem Vorgehen wohl eher eine Abzocker-Masche steckt: «Richtige buddhistische Mönche dürfen gar nicht um Geld betteln.»

Zwar gehöre zur buddhistischen Tradition der Almosengang: «Die Mönche treten dafür aber in Gruppen auf und sprechen die Passanten nicht an. Sie empfangen lediglich Nahrung in einer Almosenschale.» In Asien finde diese Zeremonie noch täglich statt, hier in Europa nur bei besonderen Gelegenheiten.

Polizei rät von Spenden ab

Auch Marco Bisa, Sprecher der Zürcher Stadtpolizei, rät, bei solchen Mönchen misstrauisch zu sein und im Zweifelsfall kein Geld zu geben: «Wenn sie merken, dass sich diese Masche lohnt, werden dadurch nur noch weitere sogenannte Mönche angelockt.»

Während Betteln in Zürich verboten ist, sei Geld sammeln für einen guten Zweck aber erlaubt. Bisa: «Allerdings muss man dafür eine polizeiliche Bewilligung vorweisen können, die ausschliesslich Zewo-zertifizierte oder gemeinnützig steuerbefreite Institutionen erhalten.»

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