Aktualisiert 18.07.2016 16:13

Erlen TG

Falsche Pädo-Vorwürfe kosten über 170'000 Fr

Ein 45-jähriger Abwart beschuldigte in anonymen Schreiben einen Kollegen fälschlicherweise der Pädophilie. Der Mann wurde freigestellt. Nun wurde der Täter verurteilt.

von
J. Büchel
Die Schule in Erlen TG: Hier arbeitete der Abwart, der seinen Kollegen und weitere Personen terrorisierte.

Die Schule in Erlen TG: Hier arbeitete der Abwart, der seinen Kollegen und weitere Personen terrorisierte.

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Vom 20. Juli bis 19. September 2015 bezichtigte Abwart Peter S.* von der Schule in Erlen TG in anonymen E-Mails an Personen aus der Schule und deren Umfeld einen Kollegen unter anderem, pädophil zu sein und einem gut organisierten Pädophilenring anzugehören. Zudem soll er sich an Kindern vergangen haben. Alle Anschuldigungen sind falsch, dennoch wurden damals beide Abwarte vorübergehend freigestellt.

Der damalige Feuerwehrkommandant und SVP-Ortspräsident belästigte zudem während Monaten zwei Mitarbeitende der Schule mit anonymen Anrufen zu allen möglichen Tages- und Nachtzeiten. Dabei sagte er nie etwas, sondern hängte nach gewisser Zeit auf. Für seine diversen Vergehen wurde er Ende Juni per Strafbefehl rechtskräftig verurteilt.

Irreführung der Rechtspflege

Ein Blick in den Strafbefehl zeigt, wie perfid der Mann vorging. So schreibt er etwa in einem anonymen E-Mail, der zweite Hauswart werde extrem gemobbt. Gemeint war er selber. Im selben Schreiben wirft er zudem die These auf, der Schulpräsident könnte die beschuldigenden E-Mails verfasst haben, um den unliebsamen Hauswart aus dem Weg zu räumen. Damit nicht genug: Am 23. Oktober 2015 liess S. über seinen Anwalt Strafanzeige wegen übler Nachrede, Verleumdung, qualifizierter Verleumdung, eventualiter Beschimpfung, falscher Anschuldigung und Irreführung der Rechtspflege einreichen. Dies, obwohl er wusste, dass er der Unbekannte war. Dafür wurde er nun selber wegen Irreführung der Rechtspflege zur Rechenschaft gezogen.

Bestraft wurde S. zudem zu einer Geldstrafe von 180 Tagessätzen zu 140 Franken (25'200 Fr.) sowie einer Übertretungs- und Verbindungsbusse von 5700 Fr.. Zudem hat der 45-Jährige Verfahrenskosten von knapp über 14'000 Franken zu bezahlen. Dazu kommen Zivilforderungen der Schule von 115'000 sowie von betroffenen Personen von über 12'500 Franken. Insgesamt kommen Kosten von mehr als 172'000 Fr. auf S. zu.

Erleichterung in Erlen

Der fälschlicherweise beschuldigte andere Abwart arbeitet inzwischen wieder an der Schule in Erlen. «Ich bin froh kann ich wieder in Frieden arbeiten», so der Mann. Die Strafe für seinen ehemaligen Kollegen sei wohl angemessen, er vertraue da der Justiz.

Schulpräsident Heinz Leuenberger – vom Stalker als schwerer Alkoholiker bezeichnet, der regelmässig Weisswein brauche, den er «auch während der Arbeitszeit in rauen Mengen konsumiere» – möchte sich nicht mehr zum Fall äussern. «Für uns ist die Sache nun abgeschlossen. Wir sind froh, dass wieder Ruhe eingekehrt ist. Dafür sind wir dankbar.» Mit S. habe er keinen Kontakt mehr gehabt. Ob dieser noch in Erlen wohne, sei ihm nicht bekannt.

S. war am Montag für 20 Minuten nicht erreichbar.

*Name der Redaktion bekannt

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