Aktualisiert 13.08.2018 15:33

Strafgericht BS

Falsche Polizisten bald wieder auf freiem Fuss

Zwei Deutschtürken wollten einer 66-jährigen Baslerin 90'000 Franken abknöpfen. Eine Bankangestellte schöpfte Verdacht und bei der Übergabe klickten die Handschellen.

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Fake-Polizisten haben in Basel bereits fast eine Million Franken erbeutet. Seit Oktober 2017 hat die Zahl der Betrugsversuche per Spoofing massiv zugenommen.

Fake-Polizisten haben in Basel bereits fast eine Million Franken erbeutet. Seit Oktober 2017 hat die Zahl der Betrugsversuche per Spoofing massiv zugenommen.

Keystone/Martin Gerten
Ein solcher Betrugsversuch scheiterte im November, als eine Bankangestellte die Polizei informierte, nachdem eine 66-jährige Kundin 90'000 Franken abhob.

Ein solcher Betrugsversuch scheiterte im November, als eine Bankangestellte die Polizei informierte, nachdem eine 66-jährige Kundin 90'000 Franken abhob.

JSD Basel-Stadt
Ein Unbekannter hatte die Frau dazu gebracht, das Geld von der Bank zu holen und seinen Komplizen zu übergeben.

Ein Unbekannter hatte die Frau dazu gebracht, das Geld von der Bank zu holen und seinen Komplizen zu übergeben.

JSD Basel-Stadt

Seit bald einem Jahr setzen Telefonbetrüger auf eine neue Masche: Um Geld von meist älteren Personen zu ertrügen, geben sie sich als Polizisten aus. Inzwischen hätten die Versuche mit falschen Beamten gar den Enkeltrick überholt, wie Kriminalkommissär Peter Gill sagt. «Bei der Polizei sind bisher knapp 1000 Anrufe eingegangen, weil angebliche Polizisten bei Menschen Geld verlangten», so Gill. Die Zahl sei «besorgniserregend». Allein in Basel wurden mit dieser Masche schon mindestens eine Million Franken erbeutet.

Am Montag wurden in Basel nun erstmals zwei falsche Polizisten verurteilt, die im November 2017 versucht hatten, eine damals 66-Jährige um 90'000 Franken zu erleichtern. Sie wurde telefonisch von der Notfallnummer 117 kontaktiert und gewarnt, bei ihrem Angesparten handle es sich womöglich um Schwarzgeld. Dieses sollte sie «zur Kontrolle übergeben». Die Rentnerin hatte aber Glück: Die zuständige Sachbearbeiterin der Credit Suisse schöpfte Verdacht und informierte die echte Polizei. Diese konnte die beiden Täter, C.E.* und O.T.*, bei der fingierten Geldübergabe festnehmen.

Die Staatsanwaltschaft warf den zwei Deutschtürken aus Ludwigshafen vor, die ältere Frau arglistig getäuscht zu haben und klagte sie wegen versuchten Betrugs und versuchter Geldwäscherei an. «Es handelt sich um typische Kriminaltouristen», sagte der Ankläger im Plädoyer. Nicht nur hätten sie mit ihrem Tun das Vertrauen einer schutzbedürftigen Person ausgenutzt, sondern auch jenes der Bevölkerung zur Polizei geschädigt.

Hintermänner bleiben im Dunkeln

E. und T. waren aber lediglich die Laufburschen, die den Betrag von der Dame hätten entgegennehmen sollen. Den Anruf mit der fingierten Nummer tätigte ein anderer. Es wird vermutet, dass die Hintermänner in der Türkei sitzen. Auffällig: Bei fast allen aktenkundigen Verfahren in der Schweiz und Deutschland waren bislang Deutschtürken angeklagt, die die Übergabe des Geldes vor Ort abwickeln sollten.

E., der bereits einschlägig vorbestraft ist, beteuerte, für einen Arbeitsauftrag in die Schweiz eingereist zu sein – und dies zum ersten Mal. Wieso sein Handy an drei Tagen zuvor in der Schweiz geortet wurde, konnte er nicht plausibel erklären. Ebensowenig einen Whatsapp-Chat-Verlauf, in dem von «dieses Mal» und «letztes Mal» die Rede war. Auch wieso der verschuldete Mann über 8000 Franken in Bar mit sich führte, blieb offen. Die Staatsanwaltschaft geht von einem unaufgeklärten Vermögensdelikt aus.

T., behauptete, er habe seinen Kollegen nur gefahren, habe nichts von den Telefonaten gewusst und weder mit den Hintermännern noch mit dem Opfer Kontakt gehabt. «Man kann ihm nur zur Last legen, dass er sich nicht genau über den Grund der Reise informiert hat. Das ist aber nicht strafbar», so seine Verteidigerin, die für T. einen Freispruch forderte.

Teilbedingte Haftstrafe für den Haupttäter

Haupttäter E. kassierte vom Basler Strafgericht wegen versuchten Betrugs eine teilbedingte Haftstrafe von 18 Monaten, von der er 9 Monate absitzen müsste. Er und sein Kollege T. sind aber bereits acht Monaten in Untersuchungshaft. Während für E. das Tor zur Freiheit also in rund einem Monat aufgeht, wäre Mittäter T. ab sofort ein freier Mann. Er wurde wegen Gehilfenschaft zum versuchten Betrug zu 10 Monaten bedingt verurteilt. Beide wurden zudem mit mehrjährigen Landesverweisen belegt.

Vom Vorwurf der versuchten Geldwäscherei wurden beide freigesprochen. Es sei den Beschuldigten zu keinem Zeitpunkt klar gewesen, was nach der Übergabe mit dem Geld geschehen sollte.

*Namen der Redaktion bekannt

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