18.11.2015 05:46

Silvia Steiner (CVP) Falsche Regierungsrätin wollte Politiker abzocken

Hacker haben die Facebook-Seite von Bildungsdirektorin Silvia Steiner kopiert und wollten so mehrere Zürcher Kantonsräte um ihr Geld bringen. Fast wäre es gelungen.

von
som

Bis auf das fehlende i-Tüpfelchen im Nachnamen von Silvia Steiner sah sie täuschend echt aus: Die Facebook-Seite der Zürcher CVP-Regierungsrätin, die Hacker Ende Oktober kopiert hatten. Über dieses falsche Konto schickten die Trickser laut dem «Tages-Anzeiger» mehreren Kantonsräten eine Nachricht im vertraulichem Ton und mit der freundlichen Bitte, ihr doch ihre Handynummer zu schicken.

SVP-Kantonsrätin Erika Zahler aus Boppelsen wurde zwar stutzig und reagierte nicht sofort, wie sie auf Anfrage sagt. Doch die falsche Silvia Steiner sendete ihr weitere Nachrichten: «Ich dachte, sie ist vielleicht in Not und schickte ihr deshalb meine Nummer.» Der fehlende i-Punkt sei ihr gar nicht aufgefallen.

Die böse Überraschung folgte auf der nächsten Swisscom-Rechnung: Eine unbekannte Firma buchte ihr einen Betrag unter 100 Franken ab. Wie das gelang, ist für die IT-Ausbildnerin ein Rätsel: «Ich hatte jedenfalls nie auf ein SMS oder E-Mail geantwortet.» Zahler ging sofort zur Polizei und teilte dies der Firma mit: «Sie zogen dann den Betrag wieder zurück.» Sie ruft daher alle Kantonsräte dazu auf, ihre Telefonrechnung zu kontrollieren: «Gerade bei Lastschriftverfahren bemerkt man solche Abzüge häufig nicht.»

Hacker können schwer ausfindig gemacht werden

Dass jemand in ihrem Namen solches Schindluder treibt, sei ärgerlich, sagt Bildungsdirektorin Steiner: «Zumal ich immer sehr vorsichtig bin, mit wem ich mich auf Facebook befreunde.» Trotzdem sei jemand offenbar an ihre Bilder und Freundeslisten herangekommen: «Zum Glück haben meine Leute das gefälschte Konto rasch bemerkt.»

Man habe unverzüglich Facebook kontaktiert – nach etwa 24 Stunden war das Konto gesperrt. Wer hinter der Trickserei steckt, sei unklar, so die ehemalige Staatsanwältin: «Oft operieren solche Hacker aus dem Ausland und können kaum ausfindig gemacht werden.»

Der Swisscom sind mehrere ähnliche Fälle bekannt

Deshalb rät Swisscom-Sprecher Olaf Schulze, persönliche Infos nicht an Fremde weiterzugeben – und an vermeintliche Bekannte nur mit grösster Vorsicht. Die Betrugsmasche, dass Kunden über Facebook nach ihren Nummern gefragt werden, sei ihm bekannt: «Sie erhalten dann ein SMS mit einem Pin und werden aufgefordert diesen an den vermeintlichen Freund zu schicken.»

Der Betrag könne aber nur mit diesem Bestätigungscode von der Swisscom-Rechnung abgebucht werden. Bei Swisscom hätten sich ein Dutzend Kunden gemeldet, die von diesem Betrugsfall betroffen waren: «Das Geld wurde ihnen umgehend zurückerstattet.» Zudem habe man als Konsequenz das für die Betrugsmasche verwendete Facebook-Spiel gesperrt.

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