Totes Elternpaar aus Bozen: Falsche Spuren, verstecktes Handy – so torpedierte Benno Neumair die Ermittlungen
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Totes Elternpaar aus BozenFalsche Spuren, verstecktes Handy – so torpedierte Benno Neumair die Ermittlungen

Der Sohn des verschwundenen Ehepaares aus Bozen hat alles Mögliche getan, um die Mordermittlungen in eine falsche Richtung zu lenken. Das könnte ihm nun eine lebenslange Haftstrafe bescheren.

von
Karin Leuthold
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Benno Neumair gestand am 8. März 2021, seine Eltern am Abend des 4. Januar getötet zu haben.

Benno Neumair gestand am 8. März 2021, seine Eltern am Abend des 4. Januar getötet zu haben.

Screenshot Youtube
Bilder vom 14. Februar 2021: Die Suche nach dem vermissten Peter Neumair geht in der Etsch weiter.

Bilder vom 14. Februar 2021: Die Suche nach dem vermissten Peter Neumair geht in der Etsch weiter.

Facebook/Landesfeuerwehrverband Südtirol
Ein Forensiker in Verona hat die Resultate der Autopsie an der Leiche von Neumairs Ehefrau Laura Perselli präsentiert. Laut dem Mediziner wurde die Frau mit einem Kletterseil erwürgt.

Ein Forensiker in Verona hat die Resultate der Autopsie an der Leiche von Neumairs Ehefrau Laura Perselli präsentiert. Laut dem Mediziner wurde die Frau mit einem Kletterseil erwürgt.

Facebook/Landesfeuerwehrverband Südtirol

Darum gehts

  • Benno Neumair hat gestanden, seine Eltern getötet zu haben.

  • Zu Beginn der Ermittlungen legte er falsche Spuren, um die Polizei zu verwirren.

  • Die Staatsanwaltschaft will nun Vorsatz im Tötungsdelikt nachweisen. Damit droht Benno Neumair eine lebenslange Haftstrafe.

Im Mordfall um das Lehrerpaar aus Bozen erhärtet sich der Verdacht auf Vorsatz. Benno Neumair habe nicht nur die Tötung seiner Eltern genau geplant, sondern auch alles Mögliche getan, um die Ermittler der Polizei in die Irre zu führen. Ein Überblick seiner misslungenen Täuschmanöver.

1. Das Handy seiner Mutter Laura Perselli

Am 4. Januar gegen 19 Uhr fuhr Benno Neumair mit dem Handy seiner Mutter bis zur Roma-Brücke und versteckte das Gerät hinter einem Gebüsch. Dann kehrte er nach Hause zurück. Zwei Stunden später ging er wieder zur Stelle und schaltete das Handy aus. Dann warf er es weg.

Damit versuchte der 30-Jährige die Ermittlungen in eine falsche Richtung zu lenken. Die Polizei sollte glauben, dass Laura Perselli bis zur Roma-Brücke gefahren war und sich dort zwei Stunden aufgehalten hatte, bevor sie Opfer eines Verbrechens oder eines Unfalls geworden wäre.

Am Anfang funktionierte Bennos Trick. Nachdem die Sicherheitskräfte die Leiche Persellis im Fluss nahe der Ortschaft Neumarkt im Südtirol entdeckte, wunderten sich die Ermittler, wieso das letzte Signal des Handys bei der Roma-Brücke empfangen worden war.

Was aber wirklich passiert war: Benno Neumair tötete seine Mutter gegen 18.45 Uhr, als sie gerade nach Hause kam. Später an dem Abend entsorgte er ihre Leiche beim Ponte die Vadena, etwa 14 Kilometer von Ponte Roma entfernt. Weitere 16 Kilometer flussabwärts liegt Neumarkt, die Fundstelle der Leiche.

Die drei wichtigsten Stellen im Fall Neumair/Perselli: Benno Neumair versteckte das Handy von Mutter Laura Perselli beim Ponte Roma, die Leichen seiner Eltern entsorgte er beim Ponte di Vadena. Laura Persellis Leiche wurde am 6. Februar 2021 in der Etsch bei der Ortschaft Neumarkt entdeckt. 

Die drei wichtigsten Stellen im Fall Neumair/Perselli: Benno Neumair versteckte das Handy von Mutter Laura Perselli beim Ponte Roma, die Leichen seiner Eltern entsorgte er beim Ponte di Vadena. Laura Persellis Leiche wurde am 6. Februar 2021 in der Etsch bei der Ortschaft Neumarkt entdeckt.

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2. Der Boden des Wohnzimmers glänzte

Nachdem Benno Neumair zuerst seinen Vater Peter Neumair und dann seine Mutter Laura Perselli im Wohnzimmer des Familienhauses in Bozen getötet hatte, reinigte er den Fussboden, um die Blutflecken komplett verschwinden zu lassen. Zu diesem Zweck hatte er bereits zuvor einen 5-Liter-Kanister Wasserstoffperoxid und zwei neue Mopps besorgt.

Er wusch die rund zwei Quadratmeter grosse Stelle so intensiv, dass die Fugen zwischen den Fliessen viel heller wirkten, als im Rest des Zimmers. Der Unterschied war mit blossem Auge zu erkennen. Als die Polizei ihn dazu befragte, gab Benno Neumair an, der Hund habe sich übergeben. Die genaue Untersuchung der Stelle durch Experten der Spurensicherung konnte seine Aussage nicht bestätigen.

3. Spürhunde mit falschen Gerüchen verwirren

In den Tagen nach dem Verschwinden seiner Eltern noch bevor die Leiche von Laura Perselli entdeckt wurde versuchte Benno Neumair, die Spürhunde der Polizei zu täuschen. Er übergab der Polizei Schuhe, damit die Hunde daran riechen konnten. Doch statt Schuhe der Mutter waren es Schuhe seiner Schwester Madé. Er gab auch ein paar Herren-Hausschuhe ab, die allerdings nicht Peter Neumair gehörten.

Bei der Suche durch Bozen und Umgebung nach dem vermissten Elternpaar konnten die Hunde keine Hinweise liefern. Auch dafür hatte Benno Neumair gesorgt, indem er seine Kollegin Jasmine bat, eine Jacke von Peter Neumair zu tragen, und damit durch die Gegend zu schlendern.

4. Die Staatsanwaltschaft will Vorsatz nachweisen

Die italienische Justiz will Vorsatz im Tötungsdelikt von Bozen nachweisen. Dafür spielt der Tathergang eine zentrale Rolle. In seinem Geständnis gab Benno Neumair an, dass er zuerst seinen Vater und gerade anschliessend seine Mutter getötet hatte. «Als ich noch das Seil hielt, hörte ich, wie sich die Haustüre öffnete: Es war meine Mutter, die hereinkam», soll er laut Corriere della Sera gesagt haben. Er habe Laura Perselli getötet, «noch bevor sie ihren Mantel ausziehen konnte».

Die Ermittler glauben Bennos Version nicht. Der Tatverdächtige wolle lediglich einer lebenslange Haftstrafe entkommen, die ihm jedoch bevorstehen würde, sollte sich Vorsatz nachweisen lassen.

Laut den Untersuchungen wurde Peter Neumair mindestens anderthalb Stunden vor seiner Ehefrau getötet. Der Familienvater kehrte gegen 15.30 Uhr nach Hause zurück. Um 16 Uhr las er bereits eine Whatsapp-Nachricht nicht, die ihm ein anderes Familienmitglied geschickt hatte. Peter Neumair muss zu diesem Zeitpunkt bereits tot gewesen sein, so die These der Ermittler.

Laura Perselli kam um 18.45 Uhr nach Hause. Benno Neumair wartete also in dieser Zeit auf seine Mutter, um sie ebenfalls zu erwürgen, während er schon plante, die Leichen der beiden beim Ponte di Vadena in der Etsch zu entsorgen.

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Die 68-jährige Laura Perselli und der 63 Jahre alte Peter Neumair verschwanden am Abend des 4. Januars 2021.

Die 68-jährige Laura Perselli und der 63 Jahre alte Peter Neumair verschwanden am Abend des 4. Januars 2021.

Landesfeuerwehrverband Südtirol 
Im Laufe der Ermittlungen geriet Sohn Benno (30) ins Visier der Staatsanwaltschaft von Bozen.

Im Laufe der Ermittlungen geriet Sohn Benno (30) ins Visier der Staatsanwaltschaft von Bozen.

Screenschot Youtube
Die Ermittler glauben, dass er hinter den Morden an Laura Perselli und Peter Neumair stecken könnte.

Die Ermittler glauben, dass er hinter den Morden an Laura Perselli und Peter Neumair stecken könnte.

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Benno Neumair plante seine Flucht

Wie das Portal Alto Adige berichtet, hatte Benno Neumair die Absicht, nach Indien zu reisen. Rund drei Wochen nach dem Mord, kurz vor seiner Festnahme, erzählte er einem Freund in Deutschland, dass er eine Reise nach Indien plane.

Am 29. Januar wurde der 30-jährige Sohn von Peter Neumair und Laura Perselli in Gewahrsam genommen. Er bleibt wegen Fluchtgefahr in Untersuchungshaft.

Bist du oder jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Fachstelle Frauenberatung

Onlineberatung für Frauen (BIF)

Onlineberatung für Männer

Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Pro Juventute, Tel. 147

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