Verwechslungsgefahr: «Falscher Bärlauch» kann tödlich sein

Aktualisiert

Verwechslungsgefahr«Falscher Bärlauch» kann tödlich sein

Wer sich nicht gut auskennt, sollte von den grünen Blättern im Wald lieber die Finger lassen: Sonst könnte die vermeintliche Bärlauch-Pesto-Sauce zum lebensgefährlichen Gift-Cocktail werden.

Der baden-württembergische Verbraucherminister Rudolf Köberle mahnte am Mittwoch in Stuttgart zu grösster Vorsicht. «Die Blätter sind für botanische Laien leicht mit den giftigen Blättern von Herbstzeitlosen oder Maiglöckchen zu verwechseln», warnte er mit Blick auf die aktuell laufende Erntesaison von Bärlauch.

Das in eher feuchten Wäldern weit verbreitete Kraut erfreut sich in der Frühjahresküche einer wachsenden Beliebtheit zur Würzung von Speisen. Herbstzeitlose und Maiglöckchen hingegen speicherten in ihren Blättern Inhaltsstoffe, die nach dem Verzehr zu lebensgefährlichen Vergiftungen führen könnten. Die Blätter von Bärlauch, Herbstzeitlosen und Maiglöckchen treten zur selben Jahreszeit auf, zudem wachsen die drei Pflanzen oft auf gleichen Stellen.

Blätter riechen nach Knoblauch

«Um Blätter der Herbstzeitlosen oder des Maiglöckchens von denen des Bärlauchs zu unterscheiden, kann ein Blatt der zu bestimmenden Pflanze zwischen den Fingern zerrieben werden. Während sich beim Bärlauch der typische Knochlauchgeruch einstellt, tritt bei den anderen Blättern kein Geruch auf», erklärte der Forst- und Verbraucherminister. Im Zweifelsfall solle man jedoch die Finger von unbekannten Kräutern lassen und auf deren Verzehr verzichten. Bei Verwechslung von Bärlauch mit Herbstzeitlosen oder Maiglöckchen seien die Folgen mitunter tragisch und könnten sogar zum Tode führen.

Beim Verzehr von Blättern der Herbstzeitlosen könnten erste Vergiftungsanzeichen wie Erbrechen, Krämpfe, akute Kreislaufbeschwerden und blutiger Durchfall bereits zwei bis sechs Stunden nach Aufnahme auftreten. Auch nach Kochen, Lagerung oder Trocknung von Blättern der Herbstzeitlosen bleibe die Vergiftungsgefahr erhalten. Eine Vergiftung durch Maiglöckchenblätter führe zu Übelkeit, Erbrechen, Durchfällen, Krämpfen sowie akuten Kreislaufstörungen.

Gefahr auch durch Eier des kleinen Fuchsbandwurms

Das Ministerium verwies auch auf eine andere Gefahr: Vorsicht bei wild wachsenden Bärlauchblättern sei nämlich auch geboten, weil an diesen Eier des kleinen Fuchsbandwurms haften könnten. Die Gefahr einer Erkrankung könne durch gründliches Waschen der Blätter unter fliessendem Wasser verringert, aber nicht ausgeschlossen werden. Auch das Einfrieren in haushaltsüblichen Gefrierfächern oder -truhen töte die Fuchsbandwurm-Eier nicht ab. «Sie werden erst bei Kochtemperaturen ab 60 Grad zerstört», heisst es in der Mitteilung.

Bei Beschwerden nach dem Genuss von Bärlauch oder damit gewürzten Lebensmitteln sollte sofort ein Arzt aufgesucht werden, riet der Minister. (dapd)

Deine Meinung