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AAA statt Rega«Falscher» Helikopter kam zur Rettung – Familie wird zur Kasse gebeten

Obwohl er Rega-Gönner war, flatterte der Familie eines bei einem Unfall Verstorbenen nach dem Rettungseinsatz eine Rechnung über 3600 Franken ins Haus. Grund: Statt der Rega wurde die Alpine Air Ambulance aufgeboten.

von
Karin Leuthold
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Ein langjähriger Rega-Gönner erlitt im Mai  auf einer Velotour einen Hirnschlag. 

Ein langjähriger Rega-Gönner erlitt im Mai auf einer Velotour einen Hirnschlag.

Laurianne Aeby
Am Tag des Vorfalls bot ein Mitarbeiter der Notrufnummer 144 einen Helikopter auf, die AAA wurde nach dem Next-Best-Prinzip für den Rettungseinsatz mobilisiert. 

Am Tag des Vorfalls bot ein Mitarbeiter der Notrufnummer 144 einen Helikopter auf, die AAA wurde nach dem Next-Best-Prinzip für den Rettungseinsatz mobilisiert.

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Drei Tage später erhielten die Hinterbliebenen die Rechnung für den Einsatz.

Drei Tage später erhielten die Hinterbliebenen die Rechnung für den Einsatz.

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Darum gehts

  • Nach einem Hirnschlag wurde ein Rega-Gönner von der privaten Flugambulanzfirma Alpine Air Ambulance betreut.
  • Die AAA war im Rahmen des Next-Best-Prinzips für den Rettungseinsatz aufgeboten worden.
  • Die Familie des Patienten musste die Hälfte des Kosten des Einsatzes bezahlen.

Eine Familie aus Rohrbach BE hat eine Rechnung über 3600 Franken von der Alpine Air Ambulance (AAA) erhalten. Das private Flugambulanzunternehmen war im Frühling zum Rettungseinsatz eines 58-jährigen Mannes aus der Familie geflogen. Eigentlich war der Mann ein jahrzehntelanger Rega-Gönner. Am Tag des Vorfalls bot ein Mitarbeiter der Notrufnummer 144 einen Helikopter auf, die AAA wurde nach dem Next-Best-Prinzip für den Rettungseinsatz mobilisiert.

Der «Beobachter» schildert den Fall in seiner letzten Ausgabe. Im Mai erlitt der 58-Jährige auf einer Velotour im Kanton Luzern einen Hirnschlag. Eine Passantin alarmierte sofort den Notruf 144. Es kam zunächst eine Ambulanz, die Sanitäter alarmierten die Flugrettung. Die ausgerückte AAA konnte dem Mann auch nicht mehr helfen, er verstarb noch am Unfallort.

Wer übernimmt die Kosten eines Rettungseinsatzes?

Drei Tage später erhielten die Hinterbliebenen die Rechnung für den Einsatz. Sie versuchten, die Einsatzkosten sowohl bei der Rega wie auch bei der Krankenkasse geltend zu machen. Doch bei der gemeinnützigen Organisation können nur Kosten erlassen werden, wenn die Rega selber den Rettungseinsatz fliegt oder organisiert. Konkret: Die Rega übernahm die ungedeckten AAA-Kosten der Familie aus Rohrbach nicht. Laut «Beobachter» übernahm die Versicherung des Mannes die Hälfte, den Rest musste die Familie bezahlen.

Dass statt der Rega die AAA zur Rettung kommt, ist durchaus möglich. Egal, ob man Rega-Gönner ist oder nicht. Denn die AAA wird über die Notrufzentrale aufgeboten. An jenem Tag im Mai war die AAA nach dem Next-Best-Prinzip der nächstgelegene Helikopter im Kanton Luzern.

Korrigendum

In einer früheren Version des Artikels hiess es fälschlicherweise, dass die AAA schneller zum Einsatz gekommen sei und dass es Parallelstrukturen bei der Luftrettung geben. Diese Formulierung stimmt so nicht: Die Luftrettungsmittel können über die unabhängigen und behördlich mandatierten Notrufzentralen 144 aufgeboten werden. Die Rega-Einsatzzentrale kann auch direkt via Rega-App oder Notrufnummer 1414 alarmiert werden.

Die Aussage, dass die Rega die Kosten der Einsätze übernimmt, die sie selber fliegt oder zumindest organisiert hat, ist ebenfalls ungenau formuliert. Korrekt ist:

- Die Rettungskosten übernehmen die Sozialversicherungen (Krankenkasse/Unfallversicherungen) gemäss den Regelungen im KVG/UVG. Allfällige Deckungslücken können Zusatzversicherungen decken, beispielsweise Versicherungsmodelle der Krankenkassen oder andere Versicherungen.

- Die Rega kann ihren Gönnerinnen und Gönnern diejenigen Einsatzkosten für Hilfeleistungen erlassen, welche sie selbst erbracht oder organisiert hat und für die keine Versicherung aufkommen muss.

- Juristisch betrachtet ist eine Gönnerschaft keine Versicherung, sondern eine Spende.

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