Deep Fake: Falscher Klitschko sorgt mit «absurden Aussagen» für Aufruhr in Europa

Publiziert

Deep FakeFalscher Klitschko sorgt mit «absurden Aussagen» für Aufruhr in Europa

Mehrere Bürgermeister von europäischen Hauptstädten sind von einem falschen Witali Klitschko per Videoschalte kontaktiert worden. Nun laufen die Ermittlungen, wer hinter diesen Deep-Fake-Anrufen stecken könnte.

1 / 5
Die Berliner Bürgermeisterin Franziska Giffey im Gespräch mit dem falschen Witali Klitschko.

Die Berliner Bürgermeisterin Franziska Giffey im Gespräch mit dem falschen Witali Klitschko.

Senatskanzlei Berlin
Auch Madrids Bürgermeister José Luis Martinez-Almeida wurde vom Fake-Klitschko kontaktiert.

Auch Madrids Bürgermeister José Luis Martinez-Almeida wurde vom Fake-Klitschko kontaktiert.

imago images/El Mundo
Der Budapester Oberbürgermeister Gergely Karacsony machte ebenfalls Bekanntschaft mit dem Deep Fake.

Der Budapester Oberbürgermeister Gergely Karacsony machte ebenfalls Bekanntschaft mit dem Deep Fake.

IMAGO/Belga

Darum gehts

  • Ein falscher Witali Klitschko hat mehrere europäische Bürgermeister per Videoschalte kontaktiert.

  • Der Wiener Bürgermeister liess das Gespräch sogar bis zum Ende laufen.

  • Der echte Klitschko fordert nun, dass der Urheber hinter diesen Deep Fakes ermittelt wird. 

«Bei mehreren Bürgermeistern in Europa hat sich ein falscher Witali Klitschko gemeldet, der absurde Dinge von sich gegeben hat», sagte der echte Klitschko am Samstag in Kiew in einem durch «Bild» verbreiteten Video. Dahinter stecke kriminelle Energie. Es müsse dringend ermittelt werden, wer dahinter stecke. In Berlin ermittelt der für politisch motivierte Straftaten zuständige Staatsschutz der Kriminalpolizei. Madrid erstattete Anzeige wegen Vorspiegelung einer falschen Identität gegen Unbekannt.

«Selbst Profis können nicht unterscheiden, ob sie mit einer echten Person sprechen oder mit einem Fake», sagte die Berliner Bürgermeisterin Franziska Giffey. Ihr seien bei der Videoschalte erst wegen der Fragen des Unbekannten Zweifel gekommen. So habe der Gesprächspartner wissen wollen, ob Berlin bei der Ausrichtung eines Christopher Street Days in Kiew helfen könne. «Da habe ich zu meinen Leuten gesagt: ‹Hier stimmt was nicht›, und in dem Moment ist das Gespräch auch abgebrochen.» Das sei nach einer knappen halben Stunde gewesen.

Wiener Bürgermeister lässt das Gespräch laufen

In Madrid wurde Bürgermeister José Luis Martinez-Almeida bei dem Videotelefonat mit dem vorgeblichen Klitschko schnell misstrauisch und brach das Gespräch ab, wie der Sprecher des Bürgermeisteramtes, Daniel Bardavío Colebrook, bestätigte. Auch der Budapester Oberbürgermeister Gergely Karacsony schrieb auf Facebook, es habe gegen Ende «mehrere seltsame, Verdacht erregende, provokative Fragen» gegeben. Er habe das Gespräch abgebrochen.

Wiens Bürgermeister Michael Ludwig fiel ein unüblicher Tonfall auf. Der angebliche Kiewer Bürgermeister sei gegen Ende des Videogesprächs ungewöhnlich fordernd geworden, sagte Ludwig dem Sender ORF. «Aber es hätte mich jetzt nicht dazu gebracht, jetzt irgendwie das zu hinterfragen», sagte er.

Deep Fakes sind schwierig zu erkennen

Als Deep Fakes bezeichnet man realistisch wirkende Medieninhalte, die mit Techniken künstlicher Intelligenz manipuliert wurden. Bislang lässt sich nur darüber spekulieren, welche Art der Manipulation beim Video-Telefonat mit dem falschen Klitschko verwendet wurde.

Das von der Berliner Senatskanzlei veröffentlichte Foto zeigt Kiews Bürgermeister in einem Setting, das wie das eines Interviews mit einem ukrainischen Journalisten im Frühjahr aussieht. Klitschko trägt die gleiche hellbraune Jacke und im Hintergrund ist ebenfalls unter anderem die ukrainische Flagge zu sehen.

Möglicherweise wurde das Videomaterial des damaligen Interviews als Grundlage verwendet und in Echtzeit mit dem Gesprochenen und den Lippenbewegungen desjenigen zusammengeführt. Fachleute nennen das Face Reenactment.

Klitschko braucht «keine Dolmetscher»

Das Gespräch mit Bürgermeisterin Giffey wurde laut Senatskanzlei am 2. Juni per E-Mail angefragt und dann auf diesem Weg weiter angebahnt. Es handelt sich demnach um die gleiche Mailadresse wie in Madrid. Nach Kritik daran, dass sie nicht die offizielle Domain-Endung des Kiewer Bürgermeisters gehabt habe und daher als Fälschung erkennbar gewesen sei, erklärte eine Senatssprecherin, es sei «insbesondere seit Kriegsbeginn nicht ungewöhnlich», dass etablierte ukrainische Kontakte über Mailadressen ohne institutionelle Mailsignatur oder Domain kommunizierten.

Die ukrainische Botschaft sei über den Gesprächstermin vorab informiert worden. Giffey sagte: «Das war ein ganz standardmässiger Vorgang.» Zu Beginn des Gesprächs habe das Gegenüber darum gebeten, Russisch sprechen zu können, damit seine Mitarbeiter zuhören konnten. Die Gegenseite habe einen russisch-deutschen Dolmetscher hinzugezogen.

Klitschko sagte am Samstag, offizielle Gespräche könne es nur über offizielle Kanäle in Kiew geben. Für Gespräche auf Deutsch oder Englisch brauche er auch nie einen Übersetzer.

Beschäftigt dich oder jemanden, den du kennst, der Krieg in der Ukraine?

Hier findest du Hilfe für dich und andere:

Fragen und Antworten zum Krieg in der Ukraine (Staatssekretariat für Migration)

Kriegsangst?, Tipps von Pro Juventute

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Anmeldung und Infos für Gastfamilien:

(DPA/job)

Deine Meinung

41 Kommentare