Polizei warnt vor Spoofing: Falscher Polizist ergaunerte über 100’000 Franken
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Polizei warnt vor SpoofingFalscher Polizist ergaunerte über 100’000 Franken

Ein Betrüger (28) konnte auf frischer Tat erwischt werden. Ermittlungen der Polizei zeigen, dass er sich dabei nicht das erste Mal als Polizist ausgab.

von
Nathan Keusch
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Ende Oktober meldete sich eine Frau bei der Kantonspolizei Uri. Sie berichtete, dass sie womöglich der Betrugsmasche «Falscher Polizist» zum Opfer gefallen sei (Symbolbild).

Ende Oktober meldete sich eine Frau bei der Kantonspolizei Uri. Sie berichtete, dass sie womöglich der Betrugsmasche «Falscher Polizist» zum Opfer gefallen sei (Symbolbild).

Kapo Uri
Sie sei von einer Person angerufen worden, die sich als Polizist der Kapo Uri ausgab. Am Telefon sei sie dazu aufgefordert worden, Bargeld in ihrem Briefkasten zu deponieren. (Symbolbild)

Sie sei von einer Person angerufen worden, die sich als Polizist der Kapo Uri ausgab. Am Telefon sei sie dazu aufgefordert worden, Bargeld in ihrem Briefkasten zu deponieren. (Symbolbild)

20 Minuten
Wie die Polizei mitteilt, sei die Frau der Forderung nachgekommen. Ein Mann habe das deponierte Geld daraufhin abgeholt. (Symbolbild)

Wie die Polizei mitteilt, sei die Frau der Forderung nachgekommen. Ein Mann habe das deponierte Geld daraufhin abgeholt. (Symbolbild)

20 Minuten

Darum gehts

  • Eine Frau wurde von einem falschen Polizisten aufgefordert, Bargeld in ihrem Briefkasten zu deponieren.

  • Die richtige Polizei konnte den Betrüger nach kurzer Zeit verhaften.

  • Ermittlungen zeigen, dass der Mann durch mehrere solcher Anrufe über 100’000 Franken ergaunert hat.

  • Die Betrugsmasche häuft sich in letzter Zeit.

Ende Oktober meldete sich eine Frau bei der Kantonspolizei Uri. Sie berichtete, dass sie womöglich der Betrugsmasche «Falscher Polizist» zum Opfer gefallen sei. Sie sei von einer Person angerufen worden, die sich als Polizist der Kapo Uri ausgab. Am Telefon sei sie dazu aufgefordert worden, Bargeld in ihrem Briefkasten zu deponieren.

Wie die Polizei mitteilt, sei die Frau der Forderung nachgekommen. Ein Mann habe das deponierte Geld daraufhin abgeholt und sei mit einem Auto mit Aargauer Nummernschild davongefahren. Das Fahrzeug konnte wenig später durch die Schwyzer Polizei gestoppt und der mutmassliche Betrüger festgenommen werden.

Täter handelte wohl nicht allein

Nach weiteren Ermittlungen stellte die Polizei fest, dass der festgenommene Mann für mehrere weitere Delikte in den Kantonen Aargau und Zürich infrage kommt. Der Mann habe durch die Betrugsserie über 100’000 Franken ergaunert.

Beim Täter handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen 28-jährigen Türken, der mehrheitlich geständig sei, die Delikte begangen zu haben. Die Polizei geht aber davon aus, dass er nicht alleine handelte, sondern Teil einer kriminellen Gruppierung sei. «Diese Betrugsmasche, auch Spoofing genannt, wird nach unserer Erfahrung meist in Gruppen verübt», sagt Polizeisprecherin Sonja Aschwanden. Hinweise auf weitere Gruppenmitglieder liegen in diesem Fall aber noch nicht vor.

Der Beschuldigte habe sich nun vor der Staatsanwaltschaft Uri zu verantworten, teilt die Polizei weiter mit. Nach Abschluss der polizeilichen Abklärungen sei er zwecks Einleitung von ausländerrechtlichen Massnahmen dem Amt für Arbeit und Migration zugeführt worden. Über den Mann sei ein fünfjähriges Einreiseverbot für die Schweiz verfügt worden und befände sich momentan in Ausschaffungshaft.

Vorfälle häufen sich

«Leider häufen sich solche Betrugsfälle in letzter Zeit», sagt Aschwanden. Bei den Zentralschweizer Polizeikorps gingen allein im Dezember mehrere Dutzend Meldungen von betroffenen Personen ein, die die Masche rechtzeitig erkannt haben. Die Täterschaft gehe beim Spoofing geschickt vor und missbrauche nicht selten seriöse und vertrauenswürdige Telefonnummern von Behörden und Firmen. So könne es auch vorkommen, dass auf dem Telefondisplay zum Beispiel die Polizei-Notrufnummer 117 erscheint.

So schützen Sie sich

Die Polizei warnt vor der Betrugsmasche:

• Seien Sie misstrauisch, wenn ein(e) Polizist/-in Sie auffordert, grössere Geldsummen abzuheben und einem Fremden zu übergeben oder irgendwo zu deponieren. Die Polizei verlangt nie grössere Bargeldsummen; erst recht nicht telefonisch.

• Werden Sie misstrauisch, wenn ein Anrufer Sie zu Zahlungen auffordert oder wenn Sie heikle Daten wie Kontoinformationen oder Passwörter herausgeben sollen. Auch wenn der Anrufer sagt, er brauche diese Informationen zum Abgleich oder zu Ihrer Identifikation.

• Falls die «117» auf Ihrem Telefondisplay erscheint, nehmen Sie den Anruf nicht entgegen und informieren Sie die Polizei in Ihrem Kanton. Die Polizei ruft Sie nie über die Notrufnummer an.

• Bitten Sie bei Unsicherheit darum, dass Sie zurückrufen können. Wählen Sie dann aber nicht die Rückruftaste auf Ihrem Handy, sondern rufen Sie die offizielle Nummer der örtlichen Polizei an. Fragen Sie dort nach, ob man sie tatsächlich erreichen wollte.

• Telefonbetrüger suchen ihre Opfer im öffentlichen Telefonbuch aus. Sie suchen gezielt nach Personen mit einem traditionellen Vornamen, da dieser einen Hinweis auf das Alter liefern könnte. Schützen Sie sich, indem Sie nur den ersten Buchstaben Ihres Vornamens vermerken. Ändern Sie Ihren Telefonbucheintrag direkt online.

• Nehmen Sie Warnhinweise von Bankangestellten ernst und erlauben Sie diesen bei geringsten Zweifeln, die Polizei zu verständigen.

• Merken Sie sich Namen und Telefonnummern der anrufenden Person und melden sie diese der Polizei.

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