Falscher Polizist in Lugano vor Gericht
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Falscher Polizist in Lugano vor Gericht

Ein 44-jähriger Tessiner steht wegen Freiheitsberaubung und Nötigung vor dem Strafgericht Lugano. Er hatte sich im Luganeser Rotlichtmilieu als Polizist ausgegeben und auch unter Waffendrohung sexuelle Handlungen erzwungen. Oft beraubte er die Opfer.

Der Angeklagte ist mit Anschuldigungen von rund einem Dutzend Prostituierter aus Brasilien beiden Geschlechts konfrontiert. Sie lauten auf Raub mit Waffendrohung, Freiheitsberaubung und Nötigung, aber auch auf Verstösse gegen das Betäubungsmittelgesetz durch den Konsum und die Abgabe von Kokain und Heroin. Zu den Übergriffen kam es zwischen Februar 2005 und August 2006. Seither sitzt er in Untersuchungshaft.

Der wortgewandte und elegant auftretende Tessiner wurde zum Prozessauftakt am Dienstag zu seinem Vorleben befragt. Nach seinen Worten begann er 1990 als kaufmännischer Leiter einer selbst gegründeten Vertretung für Strassensignale. Nach dem Austritt wegen Meinungsverschiedenheiten gründete er 2005 in Biasca eine neue Firma, wo er als Werbeberater für Internetanzeigen im Rotlichtmilieu tätig war. «Aus Spass» kreierte er am Computer verschiedene Visitenkarten und Ausweise, wie er sagte. Damit gab er sich als «Chefinspektor Europol» oder als Beamter der Tessiner Kantonspolizei aus. Auch bot er über Internet seine Dienste als «Dr. psych. und phil.» für Beziehungs- und Sexualfragen an.

Seine Leidenschaft für Waffen will der Tessiner in Polen entdeckt haben, als er noch für Strassensignale auf Kontaktsuche war. So habe er bald einmal gemerkt, dass Waffen Macht bedeuteten. Als Polizist mit Pistole habe er dies bei einer jungen Frau einmal ausprobiert und mit Schrecken entdeckt, dass sich ihm diese sofort «ausgeliefert» habe. Das Urteil wird Ende dieser Woche erwartet. (dapd)

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