Aktualisiert 17.03.2009 18:49

Zürich

Falscher Rechtsanwalt als frecher Serienbetrüger

Ausgerechnet unter dem Namen seines eigenen Strafverteidigers hat ein arbeitsloser Betrüger in Zürich diverse hilfsbereite Personen um über 7000 Franken geprellt.

von
Attila Szenogrady

Bei den Zürcher Rechtsanwälten gibt es das alte Sprichwort: «Dein grösster Feind ist dein Klient». Diese ernüchternde Weisheit hat nun ein 41-jähriger Schweizer sehr wörtlich genommen und gleich in die Tat umgesetzt. So hat der arbeitslose Kokainkonsument im letzten Juni ausgerechnet die Identität seines ahnungslosen Strafverteidigers angenommen und damit in der Zürcher Innenstadt diverse Personen um zahlreiche Geldbeträge geprellt.

Hilfsbereitschaft kaltschnäuzig ausgenutzt

Die eindrückliche Deliktsserie des geständigen Angeklagten dauerte vom 7. Juni bis zum 18. September 2008. Die Masche des intelligenten Täters war einfach, aber sehr wirkungsvoll. So stellte er sich bei Privatpersonen oder Institutionen unter dem Namen seines Rechtsanwaltes vor und erklärte, dass er sich aus Versehen aus seiner Kanzlei ausgeschlossen habe.

Er zeigte sich aufgeregt und bat die Geschädigten verzweifelt um 300 Franken. Um angeblich sogleich einen Schlüsseldienst aufbieten zu können. Als Sicherheit unterschrieb er eine Quittung und versprach, das Geld so schnell als möglich zurück zu bringen. Kaum hatte er die Summen eingesteckt, verschwand der vermeintliche Jurist von der Bildfläche und tauchte nicht mehr auf. Zum Aerger des echten Anwaltes, der plötzlich zahlreiche unangenehme Telefonanrufe seitens der geprellten Opfer entgegennehmen musste.

Sehr dreistes Vorgehen

Das Vorgehen des Angeklagten, der in einigen Fällen auch als sein eigener Vater auftrat, war sehr dreist. So auch am 26. Juli 2008, als er sich am Hofschalter der Fraumünsterpost erneut als versehentlich ausgeschlossener Anwalt ausgab und vom Portier 300 Franken erhielt. Nach zehn Minuten kehrte er zurück und führte aus, dass der Schlüsseldienst 600 Franken koste. Worauf ihm das Opfer weitere 300 Franken übergab.

Zu den weiteren Geschädigten zählten ein gutgläubiger Filialleiter des Spielzeug-Geschäftes Franz Carl Weber an der Bahnhofstrasse oder eine Sekretärin der Reformierten Landeskirche am Hirschengraben. Ein besonders hilfsbereiter Sozialarbeiter übergab dem Täter gar seine Postomat-Karte und verlor damit über 1000 Franken.

18 Monate unbedingt

Als der Angeklagte am 18. September 2008 endlich aufflog, hatten rund 30 Geschädigte über 7000 Franken verloren. Der Betrüger hatte das Geld vorwiegend für Lebensmittel und Kokain ausgegeben.

Am Dienstag stand er vor dem Bezirksgericht Zürich. Er gab alles zu und entschuldigte sich persönlich bei diversen anwesenden Opfern im Gerichtssaal. Während die Staatsanwaltschaft eine unbedingte Freiheitsstrafe von 20 Monaten forderte, setzte sich der neue Rechtsanwalt des Hochstaplers für dessen sofortige Haftentlassung ein.

Das Gericht kam mit einer Ausnahme zu Schuldsprüchen und setzte wegen gewerbsmässigen Betrugs sowie wie weiteren Delikten eine unbedingte Freiheitsstrafe von 18 Monaten fest. Eine vorzeitige Entlassung des Angeschuldigten lehnten die Richter wegen Wiederholungsgefahr ab.

Viele Betrüger würden wie beim Schneeballsystem die Gier ihrer Opfer ausnützen. Der Angeklagte habe dagegen die Hilfsbereitschaft der geschädigten Personen arglistig missbraucht, erklärte der Gerichtsvorsitzende Roger Weber zum Schluss.

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