Aktualisiert 23.01.2015 10:35

Terror in Paris

Falscher Spiegel, fehlendes Blut und andere Komplotte

Nach den Terroranschlägen von Paris kursieren im Internet die wildesten Verschwörungstheorien. Hier eine Auswahl.

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cfr
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Diverse Verschwörungstheorien zum «Charlie Hebdo»-Attentat geistern derzeit durchs Netz. Beispielsweise sollen die Spiegel des Fluchtautos auf einem Foto schwarz, auf dem nächsten weiss sein. Wurde das Auto ausgetauscht? Waren zwei Autos im Spiel?

Diverse Verschwörungstheorien zum «Charlie Hebdo»-Attentat geistern derzeit durchs Netz. Beispielsweise sollen die Spiegel des Fluchtautos auf einem Foto schwarz, auf dem nächsten weiss sein. Wurde das Auto ausgetauscht? Waren zwei Autos im Spiel?

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7. Januar 2015
7. Januar 2015

11.20 Uhr: Zwei mit Kalaschnikows bewaffnete und vermummte Täter stürmen ein Gebäude im Herzen von Paris, in dem sich die Redaktionsräume von «Charlie Hebdo» befinden.

12 Menschen sterben, darunter der Zeitungschef Stéphane Charbonnier (Bild), genannt Charb.

12 Menschen sterben, darunter der Zeitungschef Stéphane Charbonnier (Bild), genannt Charb.

Keystone/AP/Michel Euler

Wo Terror ist, sind Verschwörungstheorien nicht weit. Auch nach dem Attentat auf die «Charlie Hebdo»-Redaktion verbreiten sich im Netz zahlreiche Theorien darüber, was sich am Tag des Attentats wirklich zugetragen hat und wer dahinterstecken könnte.

Fast täglich tauchen neue Ungereimtheiten auf, die im Zusammenhang mit den Terroranschlägen entdeckt werden. Hier ein Überblick über die Theorien, die sich weder verifizieren noch widerlegen lassen.

Der Aussenspiegel

Für Verwirrung sorgen Fotos, die die Flucht der «Charlie Hebdo»-Attentäter Said und Chérif Kouachi zeigen. Auf einem Foto sieht es so aus, als sei der Aussenspiegel des Citroën weiss. Als die Polizei das Fluchtfahrzeug abschleppte, sei der Spiegel jedoch schwarz gewesen. Waren zwei Autos im Spiel? Wurde das Auto ausgetauscht? Experten klärten auf: Der Lichteinfall war schuld. Die Autospiegel seien verchromt, was dazu geführt habe, dass sie das Licht unterschiedlich reflektierten.

Der Pass

Einer der Attentäter, Said Kouachi, vergass bei der Flucht seinen Pass im Auto. Dies führte bereits am Anschlagstag zu Spekulationen. Wieso passierte einem organisierten und strategisch handelnden Täter ein solcher Flüchtigkeitsfehler?

Ermittler sind wenig überrascht darüber. Den Angriff auf «Charlie Hebdo» haben die Täter zwar mit kaltem Kalkül durchgezogen. Die Flucht sei dann aber chaotisch verlaufen. Vermutlich rechneten die Täter nicht einmal damit, das bewachte Redaktionsgebäude lebend zu verlassen. Nadine Eggimann, Psychologin der Militärakademie an der ETH, sagte zu 20 Minuten, eine Kampfsituation sei psychisch eine derart hohe Belastung, dass manchmal grundlegende Dinge vergessen gehen würden.

Der Telefonhörer

Auch dem Geiselnehmer im koscheren Supermarkt in Paris unterliefen grobe Fehler: Der Islamist Amédy Coulibaly legte das Telefon nicht richtig auf, über das er mit dem TV-Sender BFMTV gesprochen hatte. Die Ermittler konnten so nach Behördenangaben mitverfolgen, was sich im Supermarkt zutrug. Wie konnte ihm ein solcher Fehler passieren? Auch hier scheint Eggimanns Aussage zuzutreffen: In einer Extremsituation gingen «grundlegende Dinge» vergessen.

Fehlende Blutspuren

Das Video, das die kaltblütige Ermordung des Polizisten Ahmed Merabet zeigt, sei ein Fake, behauptete eine Website des TV-Senders BBC. Es fehle Blut am Tatort. Dies führte dazu, dass Netznutzer das gesamte Attentat auf die «Charlie Hebdo»-Redaktion in Frage stellten. Der Haken: Die Seite sah der echten BBC-Seite nur täuschend ähnlich, sie stellte sich als gefälscht heraus. Wer dahintersteckt, ist bislang nicht bekannt. Die Website wurde mittlerweile gelöscht.

Ein Komplott Israels

Einige behaupten gar, der israelische Geheimdienst Mossad habe den Anschlag inszeniert. Das Land bestrafe Frankreich dafür, dass das Parlament Palästina im Dezember als Staat anerkannt habe, zitiertn-tv die Verschwörungstheoretiker.

Im Netz gingen einige so weit, zu mutmassen, die Demonstrationsroute des riesigen Gedenkmarsches in Paris vom 12. Januar habe die Grenze Israels nachgezeichnet, wie «Focus» schreibt.

Westliche Geheimdienste

Auch die westlichen Geheimdienste werden beschuldigt. Eine antiwestliche russische Zeitung zitierte den Gründer der rechten Partei Front National (FN), Jean-Marie Le Pen, der gesagt haben soll, der Angriff auf die «Charlie Hebdo»-Redaktion trage «die Handschrift der Geheimdienste». Gemäss «Independent» bestritt Le Pen später, dies gesagt zu haben. Es handle sich bei dem Zitat um einen Übersetzungsfehler.

Doch auch seine eigene Partei bekommt ihr Fett weg. Der Anschlag als Inszenierung des Front National ist eine der beliebtesten Verschwörungstheorien. Etwa die Bewegung«Friedenswinter Berlin» schrieb nur Stunden nach dem Attentat auf Facebook: «Für den rechtskonservativen Front National von Marine Le Pen (…) ist das der ideale Nährboden. Steigende Umfragewerte und Wahlerfolge sind das Ergebnis.» Es gebe «ausreichend viele Hinweise» für eine «gesteuerte Agenda».

Verschwörungstheorie-Auflöser

Der Franzose Guillaume Brossard, Mitbegründer der Internetseite hoaxbuster.com versucht, Gerüchte und Verschwörungstheorien, die sich im Internet verbreiten, zu widerlegen. Damit will er die Weiterverbreitung von Propaganda und falschen Gerüchten reduzieren.

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