Nach Mord in Frasses: Familie bietet 20'000 Franken Belohnung
Aktualisiert

Nach Mord in FrassesFamilie bietet 20'000 Franken Belohnung

Die Familie des Kosovaren, welcher am 11. Mai vor den Augen seiner Kinder exekutiert wurde, hat ein Kopfgeld ausgesetzt. Die Polizei warnt Hobby-Detektive vor Privatermittlungen.

von
Andrea Heeb Perrig

Angehörige des erschossenen 36-jährigen Kosovaren mit italienischem Pass haben am Dienstag an verschiedene Medien ein Mail verschickt. «Die Familie verspricht eine Belohnung von 20 000 Franken an die Person, welche hilft die Schuldigen zu finden und zu verhaften», heisst es in der Mitteilung. Und die Familie gibt Hinweise, wo sich die Spur der Täter verliert: Eine der Tatwaffen und Patronen seien bei einer Gleisunterführung in Payerne gefunden worden.

Die Freiburger Kantonspolizei ist über die Aktion überhaupt nicht erfreut. «Wir wurden von der Familie nicht einmal informiert. Wir haben von Journalisten davon erfahren. Die ausgesetzte Belohnung könnte gar unsere Ermittlungen gefährden», sagt Polizei-Mediensprecherin Donatella Del Vecchio.

Unüblich und gefährlich

Laut dem Strafrechtsanwalt David Gibor ist eine privat ausgesetzte Belohnung für die Überführung von Tätern in der Schweiz sehr unüblich, aber nicht gesetzeswidrig. «Kopfgeldjäger haben in einem modernen Rechtsstaat nichts verloren. Das Gewaltmonopol liegt grundsätzlich beim Staat. Der Ausdruck impliziert ja, dass es egal ist, ob der Täter tot oder lebendig gefunden wird», führt er aus.

Ob die ausgesetzten 20 000 Franken überhaupt wirken und allenfalls sogar private Ermittler anlocken, ist ungewiss. «Offiziell gibt es in der Schweiz keine Kopfgeldjäger. Es gibt sicher Leute die selbst recherchieren, wenn eine Belohnung ausgesetzt ist, die machen dies aber nicht hauptberuflich», sagt Bruno Strebel, Präsident des Schweizerischen Verbandes der Berufs-Detektive. Er warnt aber deutlich davor: «Wenn es sich um bewaffnete Mörder handelt, dann sollte man die Ermittlungen unbedingt der Polizei überlassen.» Falls man trotzdem mit Ermittlungen beginne, müsse man vorher unbedingt einen Vertrag mit der Familie aufsetzen. Sonst sei es nicht sicher, dass man im Erfolgsfall das versprochene Geld erhalte.

Dass die stolze Summe im Kososvo Privatermittler mobilisert oder dass gar Personen aus dem Kosovo anreisen, um die Mörder zu überführen, hält Bashkim Iseni, Direktor der Plattform albinfo.ch für unwahrscheinlich. Und auch die Theorie der Blutrache als Mordmotiv zieht er in Zweifel: «Rache existiert in Ländern, wo es die Justiz oder die staatliche Autorität nicht funktionieren. In der Schweiz arbeiten aber die Polizei und die Justiz sehr effizient», sagt der Kosovo-Experte. Und: Rache gehöre auch in Kosovo nicht zur Normalität.

Bereits zwei Tage nach der Tat wurde der Verdacht auf Blutrache als Motiv geäussert. Die Ex-Frau des Opfers erklärte gegenüber 20 Minuten, sie sei sich sicher, dass die Täter aus dem Kosovo in die Schweiz gekommen sind, um den jungen Vater zu töten. Schon der Vater des Opfers sei wegen einer Fehde umgebracht worden, der Bruder angeschossen.

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