15.07.2020 21:43

Polizeigewalt gegen AfroamerikanerFamilie Floyd verklagt Cops und die Stadt Minneapolis

Neues Videomaterial zeigt, wie ein sichtlich verängstigter George Floyd die Polizisten anflehte, ihn gehen zu lassen. Wenig später war «das Gewicht der gesamten Polizei von Minneapolis auf seinem Hals».

von
Karin Leuthold

Nach dem Tod von George Floyd kam es in den ganzen USA zu Protesten.

(Video: Tamedia)

Darum gehts

  • Die Familie des getöteten Afroamerikaners George Floyd verklagt die Stadt Minneapolis und vier Polizisten.
  • Am Mittwoch wurde neues Videomaterial veröffentlicht, das zeigt, wie Floyd den Cops sagt, dass er «ein guter Kerl» sei.
  • US-Präsident Trump relativierte in einem Interview die tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze.

Die Familie des gewaltsam getöteten Afroamerikaners George Floyd hat Klage gegen die Stadt Minneapolis und vier Polizisten wegen widerrechtlicher Tötung eingereicht. Der Bürgerrechtsanwalt Ben Crump erklärte am Mittwoch, der Fall sei «der Wendepunkt für die Polizeiarbeit in den USA». Diese Klage zeige, dass «Herr Floyd gestorben ist, weil das Gewicht der gesamten Polizei von Minneapolis auf seinem Hals war», so Crump.

Die Klage wurde vor einem Bundesgericht in der Stadt im Bundesstaat Minnesota eingereicht. Der 46-jährige Floyd war dort am 25. Mai bei einem Polizeieinsatz ums Leben gekommen. Der weisse Cop Derek Chauvin drückte sein Knie fast neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser 20-mal flehte, ihn atmen zu lassen.

Neues Videomaterial veröffentlicht

Am Mittwoch wurden auch erstmals die Aufnahmen der Körperkameras eines der beteiligten Polizisten gezeigt. Auf dem Video ist laut «CNN» zu sehen, wie vor der Festnahme ein sichtlich verängstigter Floyd den Polizisten bat, ihn gehen zu lassen. «Ich bin kein schlechter Kerl. Ich bin nicht so ein Typ», sagte er den Beamten, die ihn in einen Streifenwagen drücken wollten.

Drei Minuten später lag der Afroamerikaner mit dem Gesicht nach unten und in Handschellen auf dem Boden. Die Kameras nahmen seine immer leiser werdende Stimme auf, mit der er mehrmals sagte «Ich kann nicht atmen». Das waren auch seine letzten Worte. Dann sieht man, wie Sanitäter Floyds Körper in eine Ambulanz laden. Der Autopsie zufolge verlor Floyd das Bewusstsein und starb an Ort und Stelle.

Trump relativiert tödliche Polizeigewalt gegen Schwarze

Am Dienstag hatte US-Präsident Donald Trump das Problem der Polizeigewalt gegen Schwarze noch relativiert. Floyds Tod sei «schrecklich» gewesen, aber es würden in den USA «mehr Weisse» von der Polizei getötet als Schwarze, sagte Trump in einem Gespräch mit dem Sender CBS. Zur Frage der Journalistin, wieso Afroamerikaner in den USA immer noch von Polizisten getötet würden, sagte Trump: «Was für eine schreckliche Frage.»

Für Trump ist Floyds Tod ein «Einzelfall». Womit er das begründet, ist unklar: Es gibt in den USA keine landesweite amtliche Statistik zu Tötungen durch die Polizei. In absoluten Zahlen sind Weisse tatsächlich die grösste Opfergruppe, wie eine Auswertung der «Washington Post» zeigte. Die Wahrscheinlichkeit für Angehörige der schwarzen Minderheit, Opfer der Polizei zu werden, ist allerdings deutlich grösser.

Polizeigewalt gegenüber Schwarzen ist höher

Seit 2015 haben Polizisten in den USA der «Washington Post» zufolge rund 5400 Menschen erschossen, die zumeist bewaffnet waren. Davon waren 45 Prozent weisser Hautfarbe, obwohl Weisse rund 60 Prozent der US-Bevölkerung stellen. 23 Prozent der von der Polizei Getöteten waren Schwarze, die nur 13 Prozent der Gesamtbevölkerung ausmachen.

Zudem gibt die Statistik der Schusswaffentode nur einen Einblick in das Handeln der Polizei: Im Fall Floyds etwa fiel gar kein Schuss. Auch Studien der Regierung zeigen, dass die Wahrscheinlichkeit einer Gewaltanwendung durch Polizisten gegenüber Schwarzen höher ist.

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