Aktualisiert 10.10.2011 12:12

Nach Knox' Freilassung

Familie Kercher plant eine Millionenklage

Amanda Knox ist frei – und so wohl auch der Mörder von Meredith Kercher. Das kann die Opferfamilie kaum ertragen. Sie prüft nun eine Klage, um an Knox' Geld aus Medienauftritten zu kommen.

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Amanda Knox ist seit einer Woche frei. Inzwischen im heimatlichen Seattle angekommen, hat sich die 24-Jährige in den letzten Tagen zurückgezogen. US-Medien vermuten, dass Knox für einige Zeit von der Bildfläche verschwinden wird, um dann mit einer kompletten Marketing-Kampagne - mit Interviews, Büchern und Filmen – an die Öffentlichkeit zu gehen und damit Millionen zu verdienen.

Dies stösst den Kerchers sauer auf. Stephanie Kercher, Schwester des Opfers, erzählte der britischen «Sun», dass ihre Familie nun vorhabe, gegen Knox eine Entschädigungsklage über 11 Millionen Franken einzureichen. «Wenn das Gericht nicht beweisen kann, dass sie und Raffaele Sollecito schuldig sind, dann muss es zwei andere Schuldige finden, die mit Guede den Mord begangen haben», sagt sie sichtlich verbittert. Laut den Ermittlern wurde Meredith mit zwei verschiedenen Messern getötet. Die Fahnder gehen davon aus, dass der 25-jährige Rudy Guede, der in der Strafanstalt der mittelitalienischen Stadt Viterbo seine Strafe absitzt, beim Tod der britischen Studentin nicht allein war.

Kerchers Anwalt prüft die Möglichkeit, Knox mit einer zivilen Klage vor Gericht zu ziehen. Man habe sich das bereits lange überlegt, verriet Stephanie Kercher, «aber weil der Mordprozess noch am Laufen war, hatten wir die Klage auf Eis gelegt». Jetzt, nachdem die Kerchers eine zweite Hypothek auf ihr Haus aufnehmen mussten, um die 2,5 Millionen Franken hohe Anwaltsrechnung zu begleichen, sei der Zeitpunkt gekommen, meint Kercher weiter. «Sie hätte nie 11 Millionen zahlen können, aber mit den Büchern, Fernsehauftritten und Filmverträgen wird sie genug Geld haben.»

Familie Sollecito zeigt Verständnis

Die Familie des ebenfalls freigelassenen Raffaele Sollecito zeigte in Interviews mehr Verständnis für die Situation der Kerchers. Vater Francesco Sollecito sagte, er wolle «die Wahrheit finden» darüber, was in der Mordnacht geschehen ist. Er sei überzeugt, sein Sohn und Knox seien unschuldig, glaube aber auch, dass während des Prozesses nur «ein Teil der Wahrheit» bekannt wurde. «Wir werden alles tun, um den Kerchers bei der Suche nach dem Mörder zu helfen.»

Raffaele Sollecito plant inzwischen ein Besuch in Seattle. Er sei von Amandas Vater Curt Knox eingeladen worden, sagte dessen Anwalt. Er werde der Einladung allerdings wohl erst Ende des Jahres folgen: «Zuerst muss Raffaele wieder auf die Füsse kommen», sagte der Anwalt. Noch habe der Italiener Angst, das Haus seiner Familie zu verlassen.

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