Nach fünf Jahren: Besetzer liessen Müll und Schuhe zurück

Aktualisiert

Nach fünf JahrenBesetzer liessen Müll und Schuhe zurück

Das Besetzerkollektiv, das in Ostermundigen über Jahre ein Haus besetzt hatte, ist derzeit am Ausziehen. Das Gebäude soll einem Bürokomplex weichen.

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km

Die Familie Osterhase zieht aus. (Video: km)

Fast fünf Jahre war das Haus an der Bernstrasse 29 in Ostermundigen besetzt. Nun wird das Kollektiv namens Familie Osterhase das Haus verlassen, denn das Gebäude wird Ende Jahr abgerissen. Auf dem Grundstück des Wohnhauses soll ein grosser Bürokomplex mit Platz für 600 TCS-Mitarbeiter entstehen. Im Sommer 2021 sollen die neuen – zahlenden – Bewohner dann einziehen, wie die «Berner Zeitung» berichtet.

Das Gebäude ist mittlerweile komplett schwarz gestrichen, um die Trauer über das Ende der Besetzung zu symbolisieren. Vor dem Haus liegen Abfallsäcke, Scherben, Holzbretter, Bücher und Farbrollen herum. Diverse Schuhe stehen gratis zum Mitnehmen bereit. Beim Anblick ist klar: Dieses Kapitel der Besetzung wurde nun definitiv geschlossen. Wie es für die Besetzer weitergeht, ist ungewiss. Einige landen auf dem Sofa von Freunden, die restlichen Mitglieder der Familie Osterhase wollen sich in anderen Zwischennutzungen einquartieren.

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Fast fünf Jahre war das Haus an der Bernstrasse 29 in Ostermundigen besetzt.

Fast fünf Jahre war das Haus an der Bernstrasse 29 in Ostermundigen besetzt.

km
Nun wird das Kollektiv namens Familie Osterhase das Haus verlassen.

Nun wird das Kollektiv namens Familie Osterhase das Haus verlassen.

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Denn: Das Gebäude wird Ende Jahr abgerissen.

Denn: Das Gebäude wird Ende Jahr abgerissen.

km

Sprayereien und Vandalismus

Thomas Iten, Gemeindepräsident von Ostermundigen, war das besetzte Haus schon immer ein Dorn im Auge. Grundsätzlich habe er nichts gegen Zwischennutzungen, sagt er zu 20 Minuten: «Ich finde, Gemeinden müssen aktiv sein und Zwischennutzungen ermöglichen.» Er betont aber, dass sich die Beteiligten an die Spielregeln halten müssten. Im Fall der Familie Osterhase sei die Situation schwierig gewesen: «Es gab Sprayereien und Vandalismus – die Zwischennutzung wurde finanziell missbraucht.» Jetzt sei damit aber Schluss und das geplante Bürogebäude würde dem Bahnhof neues Leben verleihen.

Angenehme Nachbarn?

Weniger dramatisch als Iten sehen die direkten Anwohner die Besetzung: Diversen Nachbarn der Familie Osterhase, die vorwiegend aus jungen Leuten aus der Region besteht, war das Kollektiv in all den Jahren nämlich nie negativ aufgefallen. Ziel des Kollektivs war es unter anderem, das Gemeindeleben mit Ateliers zu beleben und ein «Auffangnetz» zu werden. So sagt eine Anwohnerin gegenüber 20 Minuten: «Sie haben nie Probleme gemacht, sie waren ganz normale Nachbarn. Sie hatten lediglich einen komischen Kunstgeschmack.»

Dabei spielt die Frau wohl auf das jüngste Kunstprojekt der Gruppe an: Die Besetzer hatten ein altes Auto in das Schaufenster gekarrt und es dort als Kunstobjekt stehen lassen. Doch es gibt auch Anwohner, die nun aufatmen. Eine Nachbarin meint: «Ich finde es gut, dass die Besetzer von sich aus ausziehen, sie sind uns eine ja schon eine Weile auf der Tasche gelegen.»

Seit 2015 besetzt

Das Haus wurde an Ostern im Jahr 2015 besetzt. Den ehemaligen Bewohnern des Hauses war im Vorfeld der Tram-Abstimmung unter der Annahme, das Haus müsse der Tramlinie weichen, das Mietverhältnis gekündigt worden. «Wir empfinden es in Zeiten der Wohnungsnot und anhaltenden Gentrifizierungsprojekte in Bern und den umliegenden Gemeinden als Affront gegen die Bevölkerung, wenn Lebensraum für Bauvorhaben, die vom Stimmvolk abgewiesen wurden, verkalkuliert wird und ungenutzt bleibt», schrieb das Kollektiv damals in einer Medienmitteilung.

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