Backnang (D): Familie verbrannte wohl wegen Elektro-Defekt
Aktualisiert

Backnang (D)Familie verbrannte wohl wegen Elektro-Defekt

Nach der Brandkatastrophe im deutschen Backnang wird klar: Es war vermutlich ein technischer Defekt, der sieben Kinder und ihre Mutter das Leben kostete. Zuvor war ein rassistischer Anschlag befürchtet worden.

von
jbu

Ein technischer Defekt hat wahrscheinlich die Feuerkatastrophe im süddeutschen Backnang mit acht Toten türkischer Herkunft ausgelöst. Die Ermittler entkräfteten mit dieser Aussage Befürchtungen, es könnte sich um einen fremdenfeindlichen Anschlag gehandelt haben.

Verwandte und Nachbarn der Toten bestätigten gegenüber Bild.de den maroden Zustand der elektrischen Einrichtungen im Wohnhaus der Verstorbenen. «Wenn man den Lichtschalter im Bad drückte, schlugen Funken aus der Leitung an der Decke und das Licht im Wohnzimmer wurde dunkler», wird eine Nichte der Familie zitiert. Die einzige Heizquelle des Hauses sei ein Holzofen gewesen.

Kritik an Vermieter und Behörden

Familienmitglieder erheben deshalb schwere Vorwürfe. Wegen der schlechten Wohnverhältnisse habe sich die 40-jährige Mutter der Kinder mehrfach an deutsche Ämter und den Vermieter der Wohnung gewandt, erklärten sie. Das Jugendamt sei auch mehrfach in der Wohnung gewesen. Ein Polizeisprecher erklärte, der Vermieter werde noch vernommen. Er ist derzeit im Ausland.

Bei dem Feuer am Sonntagmorgen waren eine 40-jährige Mutter, sechs ihrer Söhne sowie eine Tochter gestorben. Die toten Kinder waren zwischen 6 Monaten und 17 Jahren alt. Drei Familienmitglieder wurden gerettet. Sie werden in einem Spital psychologisch betreut.

Türkei befürchtete rassistischen Anschlag

Der türkische Staatspräsident Abdullah Gül hatte eine vollständige Aufklärung der Brandkatastrophe gefordert. «Leider gab es in der Vergangenheit Feuer, Brandstiftungen, Morde an unseren Bürgern. Deswegen prüfen wir alle Eventualitäten», sagte Gül am Montag nach Angaben türkischer Medien.

«Jetzt schon etwas zu sagen, wäre nicht richtig», sagte Gül zu einem Zeitpunkt, als die Aussage der Brandermittler zu dem vermuteten technischen Defekt noch nicht bekannt war. Die Türkei werde der Sache auf den Grund gehen.

Merkel «erschüttert»

Der stellvertretende Regierungssprecher Georg Streiter sagte in Berlin, die Kanzlerin sei zutiefst erschüttert über die furchtbare Katastrophe. Mit Blick auf skeptische Äusserungen aus der Türkei zur deutschen Ermittlungsarbeit sagte er: «Die Bundeskanzlerin hat keinen Zweifel, dass die zuständigen Stellen nicht ruhen werden, bis die Brandursache aufgeklärt ist.»

Der Botschafter sprach den deutschen Sicherheitsbehörden sein volles Vertrauen aus. «Es handelt sich um ein technisches, kriminaltechnisches Verfahren, es gibt keinen Anlass, dass wir nicht vertrauen sollten», sagte Hüseyin Avni Karslioglu.

Auch sollten zunächst keine türkischen Spezialisten eingesetzt werden. Die Opposition in Ankara schickte zwei Abgesandte nach Backnang, das etwa 30 Kilometer von Stuttgart entfernt ist. (jbu/sda)

Deine Meinung