07.09.2020 20:46

Oppositionsführerin vermisstFamilie von Kolesnikowa wendet sich an Polizei

Von Maria Kolesnikowa fehlt jede Spur. Noch ist unklar, ob die belarussische Oppositionsführerin entführt worden ist.

1 / 4
Seit Montagvormittag verschwunden: die belarussische Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa (Mitte).

Seit Montagvormittag verschwunden: die belarussische Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa (Mitte).

Keystone
Familienangehörige gaben nun eine Vermisstenanzeige bei der Polizei auf.

Familienangehörige gaben nun eine Vermisstenanzeige bei der Polizei auf.

KEYSTONE
Die 38-Jährige Oppositionelle gehört zu den schärfsten Kritikern des aktuellen belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko.

Die 38-Jährige Oppositionelle gehört zu den schärfsten Kritikern des aktuellen belarussischen Machthabers Alexander Lukaschenko.

KEYSTONE

Darum gehts

  • Die belarussische Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa ist seit Montagvormittag verschwunden.
  • Ihre Familie hat nun eine Vermisstenanzeige bei der Polizei aufgegeben.
  • Kolesnikowa soll in Minsk entführt worden sein.
  • Die EU fordert ihre sofortige Freilassung.

Auch Stunden nach ihrem Verschwinden herrscht weiter Unklarheit über das Schicksal der Oppositionspolitikerin Maria Kolesnikowa in Belarus (Weissrussland). Familienangehörige gaben eine Vermisstenanzeige bei der Polizei auf, wie das Team des Ex-Bankenchefs Viktor Babariko am Montagabend mitteilte. Die 38-Jährige arbeitet für den inhaftierten Oppositionellen, der gegen den autoritären Staatschef Alexander Lukaschenko kandidieren wollte.

Seit Montagvormittag gab es nach Angaben der Opposition zunächst kein Lebenszeichen von ihr. Nach Einschätzung des Koordinierungsrates der Demokratiebewegung, dem sie angehört, ist Kolesnikowa zusammen mit ihrem Mitarbeiter Iwan Krawzow und ihrem Sprecher Anton Rodnenkow im Zentrum der Hauptstadt Minsk von Unbekannten entführt worden. Das Innenministerium teilte mit, es habe Kolesnikowa nicht festgenommen. Der Rat forderte die sofortige Freilassung.

Immer wieder Grossdemonstrationen

Lukaschenko geht seit Tagen gegen den Koordinierungsrat vor und liess mehrere Mitglieder festnehmen. Der Rat will einen friedlichen Machtübergang durch Dialog erreichen. Kolesnikowa ist eine der wichtigsten Oppositionellen, die sich gegen Lukaschenko stellen.

Die 37-Jährige verschwand nur einen Tag nach einer neuen Grossdemonstration gegen den Präsidenten, den Kritiker «Europas letzten Diktator» nennen. Dabei gingen Beobachtern zufolge rund 100 000 Menschen auf die Strasse – darunter die Oppositionspolitikerin. Sie lebte viele Jahre in Stuttgart und managte dort Kulturprojekte.

EU reagiert besorgt

Die Europäische Union fordert nach den Worten des Aussenbeauftragten Josep Borrell die sofortige Freilassung von festgenommenen Oppositionellen in Belarus. Die EU verurteile die willkürlichen Festnahmen seit der Wahl in Belarus scharf, erklärte Borrell am Montagabend in Brüssel.

«Es ist klar, dass die staatlichen Behörden in Belarus ihre Bürger weiter einschüchtern oder eine solche Einschüchterung erlauben, und dass sie nationales Recht und internationale Pflichten grob verletzen», erklärte der Aussenbeauftragte. Oppositionelle müssten vor Einschüchterung, erzwungenem Exil, willkürlicher Verhaftung und Gewalt geschützt werden.

Borrell forderte eine gründliche Untersuchung aller mutmasslicher Rechtsverstösse und bekräftigte, die EU werde Sanktionen gegen die Verantwortlichen für Gewalt, Unterdrückung und die Fälschung von Wahlergebnissen verhängen.

Seit mehr als vier Wochen kommt es in Belarus zu Protesten gegen Lukaschenko. Hintergrund ist die Präsidentenwahl, bei der er sich mit 80,1 Prozent der Stimmen zum Sieger erklären liess. Die Opposition hält dagegen Tichanowskaja für die wahre Siegerin. Die Abstimmung steht international als grob gefälscht in der Kritik.

(SDA)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.