Biel – Familie wird mit rassistischen Zetteln im Briefkasten belästigt
Publiziert

BielFamilie wird mit rassistischen Zetteln im Briefkasten belästigt

Eine unbekannte Person hat einer Bieler Familie mit türkischem Nachnamen rassistische Zettel in den Briefkasten gelegt. Diese hat nun Anzeige erstattet.

von
Raphael Casablanca
1 / 3
Diese rassistischen Nachrichten fand die Familie Z.* in ihrem Briefkasten.

Diese rassistischen Nachrichten fand die Familie Z.* in ihrem Briefkasten.

Privat
Die Äusserungen könnten gemäss der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus strafrechtlich relevant sein.

Die Äusserungen könnten gemäss der Eidgenössischen Kommission gegen Rassismus strafrechtlich relevant sein.

Privat
Die Familie hat den Vorfall der Polizei gemeldet.

Die Familie hat den Vorfall der Polizei gemeldet.

Privat

Darum gehts

Als die Familie Z.* aus Biel kürzlich den Briefkasten leerte, machte sie eine unangenehme Entdeckung. «Jemand hat uns Zettel mit rassistischen Sprüchen in den Briefkasten geworfen», sagt Baris Z. zu 20 Minuten. Auf den handgeschriebenen und laminierten Zetteln standen rassistische Aussagen wie: «Raus mit euch sagt Allah». Die Familie hat sich daraufhin bei den Nachbarn erkundigt, ob diese ähnliche Zuschriften bekamen. «Wir waren anscheinend die einzigen», so Baris Z.

Offenbar störte sich die Person am türkischen Nachnamen der Familie. «Ich bin hier zur Schule, bin hier aufgewachsen und habe bislang noch nie solche Erfahrungen machen müssen», sagt Baris Z. Im Quartier sei die Familie bestens vernetzt und in gutem Austausch mit den Nachbarn. Wer hinter der Aktion steckt ist nicht bekannt. Trotzdem hat Baris Z. nun Anzeige bei der Polizei erstattet. «Auch wenn die Person nicht die intelligenteste zu sein scheint, ist es nicht lustig, solche Sachen zugeschickt zu bekommen. Gerade für meine Eltern.»

Fachstelle rät zur Anzeige

«Die Zettel sind sehr schockierend und angsteinflössend für die betroffene Familie», sagt Gina Vega, Leiterin der Fachstelle Diskriminierung und Rassismus von humanrights.ch. Gerade weil die Nachrichten in den persönlichen Briefkasten am Wohnort der Familie geworfen wurden: «An dem Ort, wo sie sich am wohlsten und sichersten fühlen sollten. Die Zettel wirken drohend und verletzten zugleich die Privatsphäre der Familie.»

Die Leiterin der Fachstelle empfiehlt in solchen Fällen Anzeige zu erstatten, die Zettel aufzubewahren und Protokoll darüber zu führen, wann und wo sie gefunden wurden. «Die Zettel können auf unterschiedliche Ebenen straffrechtlich verfolgt werden.» Um Ängste, Ohnmacht oder Bedrohungen zu verarbeiten rät Gina Vega, sich an eine kostenlose Beratungsstelle für Rassismusopfer zu wenden.

Kein Einzelfall

Vorfälle, wie sie die Familie Z. aus Biel erlebt hat, sind keine Einzelfälle. «In den letzten Jahren, wurden einige ähnliche Vorfälle beim Beratungsnetz für Rassismusopfer gemeldet», sagt Vega. Oft handle es sich aber um Meldungen von Flugblättern, Flyer oder Zeitschriften mit rassistischem Inhalt, die unerwünscht im Briefkasten gefunden werden. «Was aber nicht heisst, dass solche Vorfälle wie die der Bieler Familie nicht öfters passieren und gravierende Auswirkungen für die Betroffenen haben.»

*Name der Redaktion bekannt

Sind die gefallenen Äusserungen strafrechtlich relevant?

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von Rassismus betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Beratungsnetz für Rassismusopfer

GRA, Stiftung gegen Rassismus und Antisemitismus

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Aktivier jetzt den Bern-Push!

My 20 Minuten

Deine Meinung