Nach Totschlag in Höngg: Familie wird von Imam betreut
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Nach Totschlag in HönggFamilie wird von Imam betreut

Nun ist die blutige Vermutung Tatsache: S.R. hat seine Tochter mit einer Axt erschlagen. Während der Vater in Haft sitzt, kümmert sich ein Imam um die verstörte Familie.

von
amc

Sie war jung, sie war schön, und nun ist sie tot: Die 16-jährige S. wurde am Montagabend von ihrem Vater erschlagen. Der Staatsanwalt bestätigte am Mittwoch, dass es sich bei der Tatwaffe um eine Axt handelte, wie dies Anwohner geäussert hatten. Wieso der Pakistani S.R. zur Axt griff, ist noch immer unklar. Wie Staatsanwalt Ulrich Krättli gegenüber 20 Minuten Online sagt, hat sich der 51-Jährige in der ersten Einvernahme nicht dazu geäussert. «Wir versuchen nun die Tat und das Tatmotive zu ermitteln», so Krättli.

Eine erneute Einvernahme des geständigen Vaters sei aber erst für kommende Woche wieder geplant. Für Mittwoch wird aber noch das Einverständnis für die Untersuchungshaft erwartet, in welcher der Vater seit der Tat sitzt. Während der Einvernahme hat S.R. gemäss Krättli «traurig und verzweifelt» gewirkt. Die Tat sei auch an ihm nicht spurlos vorbei gegangen.

Familie hatte einen Erziehungsbeistand

In den Medien stehen bisher zwei Tatmotive im Vordergrund: Einerseits soll der Lebenswandel der Teenagerin ihrem Vater nicht gefallen haben, weshalb es immer wieder zu Streit kam. Vor drei Wochen ist sie dann sogar ausgerissen von Zuhause und wohnte seither bei ihrem Freund. Für Nachbarn und Bekannte der Familie stand dies als mögliches Tatmotiv im Vordergrund. Tatsächlich hatte die Vormundschaftsbehörde auch einen Erziehungsbeistand für die Kinder eingesetzt, weil man davon ausging, dass das Wohl der Kinder gefährdet war. Eine akute Gefahrensituation bestand aber nicht, wie der Sprecher der Vormundschaftsbehörde gegenüber der SDA mitteilte. Sonst hätte man die gesetzliche Möglichkeit gehabt, die Jugendlichen aus der Familie wegzunehmen.

Ein anderes mögliches Tatmotiv wurde am Dienstagnachmittag bekannt: Wie die Stadtpolizei Zürich mitteilte, ist die Tochter am Montag während eines Diebstahls ertappt worden. Die Eltern seien darüber informiert worden und hätten sie abgeholt. Was Spekulationen auslöste, dass dieses Vergehen die Tat beim gemäss Nachbarn «jähzornigen» Vater möglicherweise ausgelöst hat.

Vater ist «traurig und verzweifelt»

Während die Staatsanwalt und Polizei versuchen, die Hintergründe der Tat zu ermitteln, befindet sich die Familie an einem unbekannten Ort. Gemäss Staatsanwalt Krättli werden die Mutter, der Sohn und die verbliebenen zwei Töchter von einem Imam betreut. «Die Familie hat sich den Beistand gewünscht», so Krättli. Noch immer ist unklar, ob die Familie zur Tatzeit in der Wohnung war und mitanschauen musste, wie der Vater die 16-jährige S. erschlug. Sicher ist bisher nur, dass beim Eintreffen der Polizei niemand mehr in der Wohnung war.

Der mutmassliche Täter hatte sich an der nahen Bushaltestelle der Polizei gestellt. Wie Nachbarn berichteten, rief die Mutter einen Bekannten an und informierte ihn über die Tat ihres Mannes. «Sie flehte den Freund um Hilfe an», sagte ein Nachbar gegenüber 20 Minuten Online. Doch für S. kam jede Hilfe zu spät. Die Polizei konnte nur noch ihren Tod feststellen. (amc/sda)

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