Triengen LU: Familienbetrieb fühlt sich abgezockt – die CKW verteidigen sich

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Triengen LUFamilienbetrieb fühlt sich abgezockt – die CKW verteidigen sich

Ein Familienbetrieb aus Triengen erhebt schwere Vorwürfe gegen den Energielieferanten CKW. Dieser habe den Betrieb unter Druck gesetzt und in einen neuen Vertrag gedrängt, der die üblichen Mehrkosten stark übersteigt. Die CKW zeigen sich über die Vorwürfe überrascht.

von
Gianni Walther
Matthias Giordano
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Marcel Ottiger (r.) mit Vater Werner (Mitte) und Bruder Werner Junior. Sie betreiben eine Gastrofirma in Triengen.

Marcel Ottiger (r.) mit Vater Werner (Mitte) und Bruder Werner Junior. Sie betreiben eine Gastrofirma in Triengen.

20min/ Sara Formentin
Sie werfen dem Energieversorger CKW vor, unter dem Vorwand steigender Energiepreise die Stromkosten drastisch zu erhöhen. Das bedrohe nun sogar die Existenz des Betriebs mit rund 20 Angestellten.

Sie werfen dem Energieversorger CKW vor, unter dem Vorwand steigender Energiepreise die Stromkosten drastisch zu erhöhen. Das bedrohe nun sogar die Existenz des Betriebs mit rund 20 Angestellten.

20min/Sara Formentin
Die CKW hätten sie dazu gedrängt, einem Fixpreisvertrag für das Jahr 2023 einzuwilligen. Andernfalls falle man in die Notversorgung, was starke Preisschwankungen zur Folge hätte. «Bei den diversen Telefonaten mit dem CKW-Berater wurde uns immer gesagt, wir sollten so schnell wie möglich den Vertrag akzeptieren und unterschreiben», so Ottiger.

Die CKW hätten sie dazu gedrängt, einem Fixpreisvertrag für das Jahr 2023 einzuwilligen. Andernfalls falle man in die Notversorgung, was starke Preisschwankungen zur Folge hätte. «Bei den diversen Telefonaten mit dem CKW-Berater wurde uns immer gesagt, wir sollten so schnell wie möglich den Vertrag akzeptieren und unterschreiben», so Ottiger.

Matthias Schumacher

Darum gehts

  • Die Krise auf dem Energiemarkt macht kleineren Betrieben besonders zu schaffen.

  • Ein Familienbetrieb aus Luzern sorgt sich nun um seine Existenz. Der Grund: extrem hohe Kosten durch neue Verträge mit dem Energielieferanten CKW.

  • Die Inhaber werfen den CKW vor, sie unter Druck gesetzt und zum neuen Fixpreis gedrängt zu haben. Ähnliche Betriebe in der Region würden zudem deutlich weniger bezahlen als sie.

  • Die CKW zeigen sich überrascht und weisen die Vorwürfe zurück.

«Wir stehen vor einem grossen Problem, das unsere Existenz bedroht und uns schlaflose Nächte bereitet», sagt Marcel Ottiger, Teil der Firmeninhaberfamilie von Ottiger Gastro + Food in Triengen. Ein Betrieb mit rund 20 Angestellten, der Gewürze, Saucen, Hundekauartikel und weitere Produkte herstellt. Denn mit dem neuen Jahr kommen auch die neuen Strompreise. Nicht nur für Privathaushalte steigen die Kosten, sondern auch und besonders für Betriebe.

Schon kurz nach der Ankündigung einer möglichen Stromlücke im Winter meldeten sich die Centralschweizerischen Kraftwerke (CKW) bei der Firma. Die Preise würden stark ansteigen. An drei Daten seien jedoch Fixpreisverträge für das Jahr 2023 möglich. Ohne Unterschreiben eines solchen Vertrags würde die Firma unter die Notversorgung fallen. «Die Strompreise dabei sind sehr hoch und können stündlich wechseln», so Ottiger. Auf das Angebot eines Fixpreisvertrags müsse man allerdings innerhalb von drei Stunden einwilligen, ansonsten verfalle es. «Bei den diversen Telefonaten mit dem CKW-Berater wurde uns immer gesagt, wir sollten so schnell wie möglich den Vertrag akzeptieren und unterschreiben», so Ottiger. Der E-Mail-Verkehr zwischen CKW und der Firma, der der Redaktion vorliegt, bestätigt das Vorgehen des Energielieferanten. «Wir fühlten uns einfach genötigt, in einer solch kurzen Zeit einen solch grossen Entscheid zu treffen», sagt Ottiger.

«Nun sind wir halt selbst schuld. Den CKW scheint das egal zu sein»

Auf das zweite Angebot sei das KMU aus Angst schliesslich eingegangen: Ein Preis von 691.50 Franken pro Megawattstunde – ein fast viermal höherer Preis als zuvor. Betriebe mit einem ähnlich hohen Stromverbrauch hätten zwei Dörfer weiter entfernt aber Strompreise, die nur rund halb so hoch seien. Die Verantwortlichen beim KMU fühlen sich hintergangen. «Nun sind wir halt selbst schuld. Den CKW scheint das egal zu sein», sagt Ottiger.

Was hältst du von den Vorwürfen?

Bei den Centralschweizerischen Kraftwerken (CKW) zeigt man sich überrascht über die Vorwürfe. «Wir können sehr gut verstehen, dass die aktuelle Situation mit Inflation und steigenden Energiepreisen ein giftiger Cocktail für Unternehmen ist», sagt Stefan Gasser, zuständiger Vertriebsleiter bei CKW. Druck sei aber keinesfalls ausgeübt worden. «Im Gegenteil. Wir haben unsere Kunden frühzeitig über die steigenden Marktpreise informiert und uns auch mehrfach mit Herrn Ottiger ausgetauscht», sagt Gasser. «Ich kann verstehen, dass er sich unter Druck gesetzt fühlen kann. Es ist jedoch auch so, dass wir Grossunternehmen üblicherweise eine Deadline von 15 Minuten setzen, weil sich die Marktpreise sehr schnell ändern.» Bei Kleinbetrieben habe man sich dazu entschlossen, diese Deadline auf drei Stunden zu erweitern.

«Wer bis Juni seinen Stromvertrag abschloss, bekam deutlich bessere Konditionen»

Dass sich die Preise zurzeit von Unternehmen zu Unternehmen stark unterscheiden können, liegt laut Gasser vor allem am Zeitpunkt des Vertragsabschlusses: «Der Strommarkt funktioniert ähnlich wie der Aktienmarkt», sagt er. In Zeiten von starken Schwankungen hänge es noch stärker davon ab, zu welchem Zeitpunkt man den Vertrag abschliesse. «Wer im vergangenen Jahr bis Juni seinen Stromvertrag abschloss, bekam deutlich bessere Konditionen als jene im Juli, August oder September», erklärt Gasser. Gegen Ende des Jahres sei der Preis dann wieder etwas gesunken, die Konditionen würden dadurch wieder besser. Der Betrieb der Familie Ottiger bewege sich mit dem abgeschlossenen Vertrag allerdings eher im Mittelfeld. Auf die Marktpreise habe CKW keinen Einfluss, sie würden an den internationalen Strommärkten aufgrund von Angebot und Nachfrage definiert. «Wir kaufen den Strom ein und verkaufen ihn an unsere Kunden weiter», so Gasser.

Die CKW würden dennoch das Gespräch mit der Ottiger-Familie suchen. «Wir sind bereit, Lösungen zu finden», sagt Gasser. Und schiebt eine gute Nachricht noch hinterher: «Aktuell sieht es danach aus, dass die Marktpreise bereits im nächsten Jahr wieder deutlich tiefer sind.»

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