Aktualisiert 17.06.2011 14:27

Filmreif

Familiendrama bei Zsa Zsa Gabor

Eine greise Glamour-Diva, ein Adoptivprinz und eine enttäuschte Tochter, Geld und Liebe und Publicity - hollywoodreife Zutaten für ein saftiges Drama über eine verkrachte Familie.

von
mor

Zsa Zsa Gabors Berühmtheit gründete seit jeher eher darauf, im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit statt eines Films zu stehen. Auch am Ende ihres Lebens bildet die 94-Jährige den Mittelpunkt einer Seifenoper, über eine zutiefst verkrachte Familie.

Die einstige Schauspielerin und Salonlöwin ist bettlägerig und desorientiert, wird künstlich ernährt und kann sich kaum mitteilen. Derweil fliegen zwischen den zwei Menschen, die ihr am nächsten stehen die Fetzen: Frédéric Prinz von Anhalt, mit dem sie seit 25 Jahren verheiratet ist und ihrem einzigen Kind, Francesca Hilton.

Mann und Tochter zanken über fast alles, was Gabor betrifft. Sie streiten über ihr Testament, um ihr Haus, über ihr Image und um das Besuchsrecht. Hilton findet es abscheulich, dass von Anhalt Fotos von Gabor im Krankenhaushemd veröffentlichte - er sagt, so sähen ihre Fans doch, dass sie glücklich sei und nicht «halb tot». Er sagt, die Tochter sei «verrückt» und dürfe nur in Begleitung eines Arztes zu Besuch kommen - Hilton klagt, sie habe ihre Mutter seit über zwei Monaten nicht mehr sehen dürfen. Der Ehemann liebt die Öffentlichkeit, die Tochter ist eher pressescheu.

Kuriose Kapriolen

Beinahe im Wochenrhythmus meldet er den Medien Neues vom Krankenbett: eine gebrochene Hüfte, ein Bein amputiert, das zweite beinahe amputiert, Blutgerinnsel, Infekte, Lungenentzündung, ein neuer Schlauch zur künstlichen Ernährung. Seit vorigem Sommer wurde Gabor bald zwei Dutzend Mal in die Universitätsklinik von Los Angeles eingeliefert.

Dazu sorgt der gebürtige Robert Lichtenberg aus Deutschland, der sich 1980 von einer damals 81-jährigen Prinzessin von Anhalt gegen Bezahlung adoptieren liess, selbst für Schlagzeilen. So erklärte er 2007 nach dem Tod des Filmsternchens Anna Nicole Smith, möglicherweise der Vater ihres Kindes zu sein. Ein DNA-Test widerlegte das. Später alarmierte er die Polizei und meldete einen Überfall; die Beamten fanden den 67-Jährigen nackt in seinem Rolls Royce vor. Voriges Jahr bewarb er sich vorübergehend als Gouverneur von Kalifornien, inzwischen liebäugelt er mit einer Kandidatur als Bürgermeister von Los Angeles 2013.

Und er möchte mithilfe einer gespendeten Eizelle und einer Leihmutter ein Kind zeugen, denn wenn seine Frau stirbt, so sagt er, «werde ich sehr einsam sein». Gabors grosszügiges Anwesen in Bel-Air würde er gerne für 15 Millionen Dollar (über 13 Millionen Schweizer Franken) verkaufen und ihre Sammlung von Antiquitäten und Designerkleidern versteigern. «Selbst wenn meine Frau zuhause ist, weiss sie nicht, wo sie ist», erklärt er. «Sie weiss nicht, ob sie im Krankenhaus ist oder daheim; also hat es keinen Sinn, das Haus zu behalten.» Hilton entgegnet, von Anhalt habe kein Recht, das Haus zu verkaufen. Er sagt, er habe eine Vollmacht, Gabors Angelegenheiten zu regeln, und handele nur in ihrem Interesse. Er sei stets an ihrer Seite und oft der einzige Mensch, dem sie vertraue.

«Reality-TV in echt»

Er lernte Gabor 1984 kennen, als er in Los Angeles Urlaub machte und sich selbst zu einer richtigen Hollywood-Party einlud. «Ich hatte keine Einladung, ich drängelte mich hinein», erzählte er kürzlich im AP-Interview. Der damals 40-Jährige warf sich in eine Uniform, mietete einen Rolls Royce, heuerte zwei Studenten als Leibwächter an und wurde als Herzog von Sachsen vorgestellt. Gabor flog auf ihn. Sie nahm den 27 Jahre Jüngeren zum Liebhaber und 1986 zu ihrem achten Ehemann.

Tochter Francesca - aus Gabors zweiter Ehe mit dem Hotelmagnaten Conrad Hilton - schickt zum Interview ihren Agenten Edward Lozzi, lässt sich dann aber doch kurz telefonisch sprechen. Sie und ihre Mutter hätten sich immer sehr nahe gestanden und «zehnmal am Tag» miteinander telefoniert. «Er hat uns auseinander gebracht», sagt die 64-Jährige über von Anhalt. «Keine Ahnung, warum er mich hasst.»

Mutter bloss «Lebensversicherung»?

Der Zoff begann 2002, als Gabor nach einem Autounfall gelähmt im Rollstuhl sass und auf die Pflege ihres Mannes angewiesen war. Seitdem, so lässt Hilton über Lozzi ausrichten, weise er sie zurück und benehme sich seltsam. Von Anhalt entgegnet, die Tochter betrachte ihre Mutter doch bloss als «ihre Lebensversicherung» und fühle sich durch seine Beziehung zu Gabor bedroht: «Sie weiss, dass meine Frau auf mich angewiesen ist, und das ist gefährlich.» Sie sagt, sie wolle ihre Mutter nur sehen und sicher sein, dass ihr die richtige Fürsorge zuteil werde. Sie wirft ihm vor, Gabor abzuschotten und ihr Krankenhausaufenthalte zu verschweigen. «Das ist wirklich nicht recht. Das ist meine Mutter, nicht sein Eigentum.»

Der erfahrene Hollywood-Agent Michael Levine hält das Drama um Zsa Zsa Gabor für das Musterbeispiel einer gestörten Familie. «Es geht nicht gut aus. Das Leben dieser Frau wird von dieser Episode gezeichnet sein», meint er. «Früher war es eine Schande, unangemessene oder unanständige Dinge zu tun. Heute gibt es keine Schande mehr. Alles ist erlaubt. Es ist, als ob wir Reality-TV in Echtzeit leben.» (mor/dapd)

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