Bezirksgericht Dietikon ZH: Familienvater missbraucht Nachbarsbub (11)
Aktualisiert

Bezirksgericht Dietikon ZHFamilienvater missbraucht Nachbarsbub (11)

Ein Hotel-Stewart hat einen Nachbarsbuben sexuell missbraucht. Vor Gericht machte er Erinnerungslücken wegen Medis geltend - vergeblich. Die Hälfte der Strafe muss er absitzen.

von
Attila Szenogrady
Das Bezirksgericht Dietikon glaubte dem Angeklagten nicht und verurteilte ihn zu drei Jahren  die Hälfte davon muss er absitzen.

Das Bezirksgericht Dietikon glaubte dem Angeklagten nicht und verurteilte ihn zu drei Jahren die Hälfte davon muss er absitzen.

Die Polizei hatte einen heute 44-jährigen Hotel-Stewart aus Dietikon am 23. September vor einem Jahr festgenommen. Eine benachbarte Mutter hatte den türkischen Familienvater wegen sexuellen Übergriffen zulasten ihres damals 11-jährigen Sohnes verzeigt. Die Ermittlungen ergaben, dass das missbrauchte Kind ein Freund des Sohnes des Beschuldigten war und dessen Wohnung am 21. September 2013 aufgesucht hatte.

Die Anklage führte aus, dass sich der Hotelangestellte alleine in seiner Wohnung aufhielt und die Gelegenheit ausnutzte, um den Nachbarsbuben sexuell zu missbrauchen. Die Untersuchungsbehörden stellten am Körper des geistig zurückgebliebenen Schülers Spermaspuren sicher. Der Geschädigte erzählte kurz nach den Übergriffen alles seiner Mutter und schilderte seine schlimmen Erlebnisse auch gegenüber der Polizei. Dabei erwähnte er einen weiteren Vorfall, der sich bereits im Frühling 2013 ereignet haben soll.

Ausweichend, widersprüchlich und anpasserisch

Am Dienstag musste sich der inhaftierte Beschuldigte wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit Kindern vor dem Bezirksgericht Dietikon verantworten. Der depressive Mann hinterliess nicht den besten Eindruck. Das Gericht lastete ihm nach der Befragung ein ausweichendes, widersprüchliches und anpasserisches Aussageverhalten an.

Der Beschuldigte machte einerseits Erinnerungslücken wegen Medikamenten und einen Dämmerzustand für die Tatzeit geltend. Erst als er aufgewacht sei, habe er bemerkt, dass er gar keine Hosen mehr an hatte, sagte er. Zudem brachte er eine Geschichte vor, wonach der Geschädigte vor den Vorfällen etwas Sexuelles mit seinem Sohn getan habe.

Der Beschuldigte führte zudem aus, dass er herzkrank sei und heute täglich bis 15 Medikamente einnehmen müsse.

Was den Verteidiger dazu veranlasste, im Hauptantrag einen vollen Freispruch zu fordern. Die Schuldfähigkeit seines phasenweise verwirrten Klienten sei massiv eingeschränkt gewesen, plädierte er. Ein Vorsatz sei ihm deshalb schlicht nicht nachzuweisen. Im schlimmsten Fall eines Schuldspruchs sei eine bedingte Freiheitsstrafe von 15 Monaten angemessen.

Volle Schuldfähigkeit angenommen

Das Gericht lehnte die Dämmerungsversion der Verteidigung entschieden ab und berief sich auf den Gerichtspsychiater, welcher für die Tatzeit dem Hotel-Stewart eine volle Schuldfähigkeit attestiert hatte. Dabei spielte es eine grosse Rolle, dass der Beschuldigte die angeblichen Erinnerungslücken zu Beginn der Untersuchung noch mit keinem Wort erwähnt hatte.

Zudem stufte das Gericht die Aussagen des geschädigten Kindes als glaubhaft, zurückhaltend und plausibel ein. Der geistig beeinträchtige Schüler sei gar nicht in der Lage, irgendwelche Geschichten frei zu erfinden, führte der Gerichtsvorsitzende Stephan Aeschbacher aus. Er sprach von einem «gravierenden Missbrauch eines Kindes».

Gefängnis und Rayonverbot

Zum Schluss hielten die Richter dem Beschuldigten weder seine Vorstrafenlosigkeit noch einen angeblich eigenen sexuellen Missbrauch in seiner Kindheit zugute. Hingegen seinen angeschlagenen Gesundheitszustand, was zu einer teilbedingten Freiheitsstrafe von drei Jahren führte. Die Hälfte davon unbedingt. Das Gericht auferlegte ihm zudem ein Rayonverbot für die Probezeit von zwei Jahren. Demnach muss er ständig einen Abstand von mindestens einem Kilometer zum Wohnort des Geschädigten einhalten.

Deine Meinung