Aktualisiert 04.06.2015 11:09

Prozess

Familienvater soll seine Kinder entführt haben

Ein 48-jähriger Libanese muss sich am nächsten Mittwoch wegen der Entführung seiner Kinder vor dem Kreisgericht Rheintal verantworten.

Der 48-Jährige muss sich am Mittwoch vor dem Kreisgericht Rheintal verantworten. (Bild: 20M)

Der 48-Jährige muss sich am Mittwoch vor dem Kreisgericht Rheintal verantworten. (Bild: 20M)

Dem Mann, der seine beiden Töchter 19 Monate lang in seiner Heimat festhielt, droht eine fünfjährige Freiheitsstrafe. Der 48-Jährige hat laut Anklageschrift im September 2009 seine Ehefrau mit den gemeinsamen Kindern im Alter von 11, 13, 16 und 17 Jahren in seine Heimatstadt im Libanon gelockt.

Der Vorwand, seine beiden Neffen feierten in seinem Heimatort Baalbek eine Doppelhochzeit, entpuppte sich als falsch. Statt einer Feier gab es Drohungen und Gewalt. Der Angeklagte bestimmte, die Familie werde die nächsten zwei Jahre im Libanon bleiben. Er nahm Frau und Kindern die Pässe, Flugtickets und die Mobiltelefone ab.

Seine Schweizer Ehefrau wehrte sich und durfte zusammen mit den damals 11- und 17-jährigen Söhnen einige Wochen später aus dem Libanon ausreisen. Den beiden

13- und 16-jährigen Töchtern verweigerte der Angeklagte jedoch die Rückreise in die Schweiz. Angeblich sollten die Töchter in der Heimat ihres Vaters Arabisch lernen.

Zwangsheirat

Als die Mutter Wochen später erfuhr, dass ihr Mann die 16-jährige Tochter verheiraten wollte, reiste sie erneut in den Libanon und heckte einen Fluchtplan für ihre Töchter aus. Doch der Angeklagte und seine Familie kam dahinter und vereitelte die Flucht. Weil die Mutter befürchtete, dass ihr Mann auch gegen sie eine Ausreisesperre anordnen lassen könnte, reiste sie unverrichteter Dinge in die Schweiz zurück.

Laut Anklage schlug der Angeklagte seine ältere Tochter und drohte ihr damit, sie in den Iran zu bringen. Die beiden Mädchen seien derart eingeschüchtert gewesen, dass sie sowohl gegenüber der libanesischen Polizei wie der Schweizer Botschaft im Libanon angaben, sie seien freiwillig im Land. Erst im April 2011 gelang es den Behörden, die beiden zurück in die Schweiz zu bringen.

Wegen mehrfacher Freiheitsberaubung und Entführung verlangt der Staatsanwalt eine fünfjährige Freiheitsstrafe.

(sda)

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