«Brutale Racheaktion»: Familienvater und Cousin wegen Vergewaltigung vor Gericht
Aktualisiert

«Brutale Racheaktion»Familienvater und Cousin wegen Vergewaltigung vor Gericht

Laut Anklage haben ein kosovarischer Gleismonteur aus Thalwil und sein Cousin eine Kollegin in einem Auto nacheinander massiv sexuell genötigt und vergewaltigt. Bei einem Schuldspruch drohen beiden Männern hohe Freiheitsstrafen von je sechs Jahren.

von
Attila Szenogrady

Die Anklage spricht von einem «brutalen Racheakt». Fest steht, dass ein heute 25-jähriger Familienvater aus Thalwil im Sommer 2006 im Internet eine heute 35-jährige Frau kennen lernte und mit der Innerschweizerin eine aussereheliche, sexuelle Beziehung aufnahm. Als die heimliche Freundin nach sechs Wochen erfuhr, dass ihr «Schatz vom Zürichsee» nicht nur verheiratet war, sondern auch Kinder hatte, kündigte sie die Beziehung sofort auf. Laut Anklage der Anlass für eine perfide Retourkutsche des Thalwiler Gleismonteurs.

Laut Anklage Ex-Freundin im Auto vergewaltigt…

Gemäss Staatsanwaltschaft lud der kosovarische Angeklagte seine Ex-Freundin zu einem Treffen ein. Er versprach ihr dabei, zwei Halsketten zurückzugeben. Am 2. September 2006 holte der Angeschuldigte zusammen mit einem Cousin die Geschädigte an ihrem Wohnort ab und fuhr danach nach Zürich. Nach dem Besuch einer Bar, lenkte der Vetter das Fahrzeug plötzlich in Richtung Mythenquai, wo er in der Dunkelheit anhielt und wortlos ausstieg. Offenbar ein Zeichen für den Thalwiler, der sogleich zum Angriff überging und seine Ex-Freundin trotz massiver Gegenwehr vergewaltigte und sie im Brustbereich erheblich verletzte.

… und dem Cousin überlassen

Nach dem Vorfall liess sich der Täter an seinen Wohnort in Thalwil fahren und überliess das verängstigte Opfer seinem Cousin. Er gab ihm sogar die Erlaubnis, über dieses zu frei zu «verfügen». Der mutmassliche Mittäter fuhr danach die Frau bis in den Kanton Aargau auf einen Parkplatz und fiel auf dem Rücksitz über sie her. Die bereits erheblich verletzte Geschädigte wurde dabei vom zweiten Angeklagten zum Analverkehr gezwungen.

Trotz massiver Drohungen beider Männer, wandte sie sich kurz darauf an die Polizei.

Je sechs Jahre Freiheitsstrafe verlangt

Am Mittwoch mussten sich beide Angeklagten - sie haben bereits über ein halbes Jahr in Untersuchungshaft verbracht - vor dem Bezirksgericht Zürich verantworten und wiesen die Vorwürfe zurück. Der Thalwiler Beschuldigte gab zu Protokoll, dass die Geschädigte alles freiwillig mitgemacht habe. Einen logischen Grund für ihre massiven Belastungen konnte er dagegen nicht benennen. Im Gegensatz zu seinem 30-jährigen Vetter, der davon ausging, dass die Frau alles inszeniert habe, um an einen Schadenersatz zu kommen.

Die zuständige Staatsanwältin ging von einem sehr schweren Verschulden aus und verlangte für beide Angeklagten hohe, unbedingte Freiheitsstrafen von je sechs Jahren. Die Rechtsvertreterin der Frau forderte ein Schmerzensgeld von 40 000 Franken sowie einen noch zu ermittelnden Schadenersatz in unbekannter Höhe.

Urteil nächste Woche erwartet

Nach den längeren Plädoyers der Verteidiger, welche sich in den Hauptanträgen für die Unschuld ihrer Klienten einsetzten, zog sich das Gericht zur geheimen Urteilsberatung zurück. Es wird seinen Entscheid nächste Woche eröffnen.

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