Becherwurf-Skandal: Fan stellt sich - Luzern erhöht Kopfgeld

Aktualisiert

Becherwurf-SkandalFan stellt sich - Luzern erhöht Kopfgeld

Der Luzerner Zuschauer, der am Sonntag mit einem Becherwurf GC-Verteidiger Enzo Ruiz kurz vor Schluss der Partie zwischen Luzern und GC (2:1) am Weiterspielen gehindert hatte, stellte sich noch am gleichen Abend den FCL-Sicherheitsverantwortlichen.

«Es handelt sich um einen FCL-Fan, der bisher noch nie negativ aufgefallen war. Er bedauert den Vorfall zutiefst», sagt Luzerns Pressechef Stefan Bucher. Beim FCL waren im Verlauf des Montags rund 50 E-Mails mit Hinweisen auf einen möglichen Täter eingegangen. Der Becherwerfer soll GC-Spieler Ruiz mit einem noch zu rund einem Drittel mit Bier gefüllten Plastikbecher beworfen haben.

GC will Protest bestätigen

Der FC Luzern hat den fehlbaren Fan sofort mit einem zweijährigen Stadionverbot belegt. Über die Höhe einer Kostenübertragung an den Becherwerfer will er erst nach dem Urteil der Disziplinarkommission der Swiss Football League (SFL) entscheiden. Die Disziplinarkommission muss tätig werden, wenn die Grasshoppers ihren Protest innerhalb dreier Tage schriftlich bestätigten. Gestern kündigte GC per Medienmitteilung an, dass sie den Protest bestätigen werden. Über die Art der Verletzung von Ruiz wollten sich die Zürcher jedoch nicht äussern. Der Uruguayer war am Sonntagabend in einem Zürcher Spital untersucht worden.

Über die Art des Urteils und der Bestrafung des FC Luzern kann zurzeit nur spekuliert werden. Odilo Bürgy, der Präsident der Disziplinarkommission, wartet vorerst die schrifliche Bestätigung des Protestes ab, ehe über die Spielwertung entschieden wird. Der Vorfall des Becherwurfes wird vom Verband jedoch automatisch untersucht. Die Disziplinarkommission kann in ihrem Urteil das Resultat entweder aufrecht erhalten, in eine Forfait-Niederlage für Luzern umwandeln oder eine Spielwiederholung ansetzen. Mit einem Urteil ist innerhalb eines Monates zu rechnen.

Ähnliche Beispiele

Ähnliche Vorfälle wurden in den letzten Jahren unterschiedlich behandelt. Am 1. Dezember 2002 waren GC-Goalie Fabrice Borer, Verteidiger Roland Schwegler und ein Linienrichter im Basler St.- Jakobs-Park von Gegenständen getroffen worden. Schiedsrichter Urs Meier hatte von einem Spielabbruch abgesehen, um die Stimmung nicht noch zusätzlich anzuheizen. Der FCB war damals mit einem Geisterspiel und einer Busse bestraft worden.

Am 18. März 2001 war in Sion eine Petarde neben Servette-Goalie Eric Pédat explodiert. Der Torhüter musste mit starken Ohrenschmerzen ausgewechselt werden. Servette unterlag 1:2, legte jedoch Protest ein. Die Partie wurde einen Monat später unter Ausschluss der Öffentlichkeit wiederholt.

Am 26. April 1980 war FCZ-Abwehrchef Gianpietro Zappa ebenfalls in Sion von einer Flasche am Kopf getroffen worden. Zappa musste mit der Ambulanz ins Spital überführt werden. Sion wurde damals lediglich mit einer Verwarnung und einer Busse bestraft.

Flaschen sind inzwischen in Schweizer Fussballstadien nicht mehr erlaubt. Becher jedoch schon. In den bisherigen Urteilen spielte auch eine Rolle, ob unerlaubte Gegenstände wie Petarden oder tolerierte Gegenstände wie Feuerzeuge oder Becher geworfen wurden.

Xamax-Spiel wiederholt

Auch auf internationaler Ebene hat es bisher kaum Forfait-Fälle gegeben. 1988 hatte Neuchâtel Xamax nach der Meistercup-Niederlage gegen Galatasaray Istanbul (0:5) eine Forfait-Niederlage für die Türken verlangt, weil seine Spieler im Stadion dauernd von Gegenständen beworfen worden waren. Ein Linienrichter und Xamax- Spieler Adrian Kunz waren am Kopf getroffen und verletzt worden. Die UEFA setzte die Begegnung zunächst in einem neutralen Land neu an, die Rekurskommission entschied jedoch später, dass das Resultat bestehen bleibt.

Der berühmteste Fall eines Wiederholungsspieles ereignete sich 1971, nach einem 7:1 zwischen Borussia Mönchengladbach und Inter Mailand. Inter-Spieler Roberto Boninsegna war von einer Flasche getroffen worden. Das Spiel wurde daraufhin wiederholt, obwohl nie ganz klar war, ob der Italiener wirklich aus Verletzungsgründen nicht mehr hatte mitspielen können.

Für Simulation bestraft

Spieler, die überführt wurden, weil sie eine Verletzung vorgetäuscht haben, um damit eine Niederlage abzuwenden, hat es ebenfalls schon gegeben. 1989 täuschte Chile-Nationalgoalie Roberto Rojas gegen Brasilien eine Verletzung durch einen Feuerwerkskörper vor und liess sich verletzt auswechseln. Ihm konnte nachgewiesen werden, dass die Petarde ihn nicht getroffen hatte. Rojas wurde daraufhin von der FIFA lebenslänglich gesperrt.

Im Oktober 2007 liess sich Milan-Goalie Dida im Champions-League- Spiel bei Celtic Glasgow (1:2) auf der Bahre vom Feld tragen, nachdem ihn ein aufs Feld geeilter Fan an der Schulter berührt hatte. Dida wurde schliesslich von der UEFA mit zwei Spielsperren für die Simulation bestraft.

Dass es auch anders geht, bewies FCL-Goalie David Zibung im Dezember 2007: Nachdem er in Sion (0:0) von einem geworfenen Gameboy an der Wade verletzt worden war, liess er sch minutenlang pflegen und bestand danach darauf, die Partie fortzusetzen.

Luzern hat auch entschieden, das «Kopfgeld» für die Überführung des Petardenwerfers beim Barrage-Rückspiel gegen Lugano vom 13. Juni auf 10 000 Franken zu erhöhen.

(si)

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