«Neger», «Affe»: Fans beschimpfen Goalie - Goalie wird gesperrt

Aktualisiert

«Neger», «Affe»Fans beschimpfen Goalie - Goalie wird gesperrt

Skandal in der deutschen Bezirksliga: Fans beschimpfen einen schwarzen Torhüter so lange, bis er ausrastet. Doch der DFB macht vorerst ihn für den Spielabbruch verantwortlich.

von
phi
Der Zeitung «Der Westen» aus Essen sagte Ikenna Onukogu: «Die Beleidigungen eskalierten, was ich wieder dem Schiedsrichter meldete. Der sagte, ich solle mich nicht aufregen, es wäre alles unter Kontrolle.» (Screenshot: WAZ)

Der Zeitung «Der Westen» aus Essen sagte Ikenna Onukogu: «Die Beleidigungen eskalierten, was ich wieder dem Schiedsrichter meldete. Der sagte, ich solle mich nicht aufregen, es wäre alles unter Kontrolle.» (Screenshot: WAZ)

Die Partie der Bezirksliga im Ruhrgebiet am 3. März bot auf dem Papier keinen Konfliktstoff. Dostlukspor Bottrup trat zu Hause gegen Hertha Hamborn an: Beide Klubs sind türkisch geprägt. Auf dem Platz ging es dann jedoch hoch her. Das Heimteam kickte ab der 20. Minute nur noch zu Zehnt. «Es war ein von grosser Hektik geprägtes Spiel», gibt Bottrops Trainer Sebastian Stempel gegenüber «www.reviersport.de» zu.

Doch nicht die rote Karte heizte die Stimmung derart auf , dass die Partie in der 88. Minute abgebrochen wurde. Es war das unwürdige Gebahren von Anhängern der Heimmannschaft, die für einen Eklat sorgten. Sie positionierten sich hinter dem Tor von Goalie Ikenna Onukogu, dem einzigen Schwarzen auf dem Feld, und beschimpften ihn so lange, bis er ausrastete. Nun wurde der Sportler gesperrt, weil er sich nicht gerne «Nigger» nennen lässt.

Dabei ist Goalie Onukogu Kummer gewohnt. Der 27-Jährige spielt seit 17 Jahren Fussball, kam aber nie über die zweite schwedische Liga hinaus. «Mit Beleidigungen kann ich leben. Mir ist es egal, ob mich jemand Arschloch nennt. Aber wenn es um meine Hautfarbe geht, ist Schluss. Das hat mit Fussball nichts zu tun», sagte er dem «Spiegel». Doch dieses Mal kamen ihm die zehn bis zwanzig Pöbler zu nahe. Worte wie «Affe» oder «Nigger» fielen: «In der zweiten Halbzeit haben Sie angefangen, mich ständig zu beleidigen. Sie standen ungefähr fünf Meter hinter meinem Tor», ergänzte er in der «FAZ».

Boateng rastet nach Beleidigungen aus

«Von dem Verhalten unserer Zuschauer distanziere ich mich»

Rückendeckung bekommt der Torhüter von den Trainern beider Mannschaften, die seine Version bestätigen. «Ich bin einfach nur schockiert über die Dinge, die sich während dieser Begegnung abgespielt haben», bekundete Sebastian Stempel, der das Heimteam trainiert. «Von dem Verhalten unserer Zuschauer distanziere ich mich. Leider ist es nicht das erste Mal, dass so etwas im Umfeld dieses Vereins passiert. Diese Unverbesserlichen machen die gesamte Arbeit kaputt.»

Auch Onukogus Trainer Rauf Alkurt ist auf dem rechten Ohr nicht taub. «Während der zweiten Halbzeit wurde er in einer Tour von diesen Leuten beschimpft. Wir haben den Schiedsrichter darauf hingewiesen.» Der hätte wiederum zugegeben, selbst Angst zu haben. «Ikenna war nach dem Spiel völlig fertig und fragte mich, warum er so behandelt wird. ‹Ich bin doch nur ein Mensch›, sagte er immer wieder. Das ist beschämend und eine Schande für den Fussball.» Als in Minute 88 eine Flasche nach dem Schwarzen geschmissen wurde, warf der Goalie sie zurück, ging auf die Störenfriede los und der Schiedsrichter brach das Drama endlich ab.

Das Opfer handelte laut DFB «grob unsportlich»

So weit, so widerlich. Doch es kommt noch schlimmer. Als die Bezirksspruchkammer 3 nun über den Vorfall richtete, zog sie eine Konsequenz, mit der Onukogu sicher nicht gerechnet hat: Sie sperrte den Goalie bis zur nächsten Verhandlung am 4. April. Er wird bis zu sechs Partien deswegen verpassen. «Der Spieler ist dringend verdächtig, sich durch sein Verhalten einer groben Unsportlichkeit schuldig gemacht zu haben und auf Grund des Ausmasses des Fehlverhaltens die vorläufige Sperre zur einstweiligen Sicherung des Sportverkehrs notwendig erscheint», so die Begründung.

Der Vorsitzende der Heimmannschaft will den schwarzen Peter ebenfalls dem Opfer zuschieben. Nuh Arslan, der selbst Immigrant ist, kündigte juristische Schritte an, falls sein Klub diskreditiert würde. «Wir schalten nun einen Anwalt ein und jeder, der uns in diesem Zusammenhang mit Rassismus in Verbindung bringt, wird sich dort verantworten müssen», polterte er. «Ausser Ikenna Onukogu, der behauptet, als ‹Neger› beschimpft worden zu sein, kann das niemand bestätigen.» Spannend: Der «Spiegel» weiss, dass Arsland gar nicht beim Match war.

«Ikenna hat versucht, den Schiedsrichter zum Eingreifen zu bewegen»

Diese Reaktionen machen die Betroffenen fassungslos. Onukogu nannte Arslans Ausführungen «lächerlich»: «Der soll mir mal sagen, warum ich sonst ausgerastet sein soll und warum so viele Leute auf dem Platz das auch gehört haben.» Der Präsident seines eigenen Klubs warf den Verantwortlichen denn auch «totales Versagen» vor. «Ikenna hat die ganze zweite Halbzeit über versucht, den Schiedsrichter zum Eingreifen zu bewegen. Aber der hat sich wohl nicht getraut», ärgerte sich Christian Birken.

Dem DFB (Slogan: «Mas Integration») unterstellt Birken nach dem Urteil eine «falsche Denkweise»: «Ich habe beim Verband angerufen, dort hat man mir gesagt, wir könnten gerne Einspruch einlegen. Der sei aber kostenpflichtig und werde sowieso nichts ändern.» Der Vorsitzende der Bezirksspruchkammer wusch dagegen seine Hände in Unschuld. «Grundlage des Urteils ist der Spielberichtsbogen des Schiedsrichters. Dort waren keine rassistischen Äusserungen vermerkt», sagte Hans-Günter Driessen.

«Mas Integration»: ein DFB-Toleranz-Spot. Quelle: YouTube/AdidosAPL

Nando Rafael, Profi des FC Augsburg, über Rassismus. Quelle: YouTube/TheRedCardDE

Gerals Asamoah zum selben Thema. Quelle: YouTube/BR

Im Januar wehrte sich AC Milans Profi Kevin-Prince Boateng gegen Rassismus zur Wehr. Er wurde nicht bestraft, sondern von der UNO eingeladen. Quelle: YouTube/zoominde

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