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WutausbrücheFans bespucken argentinischen Trainer

Der Finalist der letzten WM steht kurz vor dem Aus. Die Fans sind sauer, die Spieler wollen, dass Jorge Sampaoli zurücktritt.

von
hua

Es war ein blutleerer Auftritt. Es schien, als würde sich Argentinien seinem Schicksal ergeben. Zwar war ein Aufbäumen der Albiceleste zu erahnen, aber die Kroaten waren an diesem Abend in Nischni Nowgorod unüberwindbar: Der zweifache Weltmeister ging 0:3 unter.

Kein Wunder fielen nach dieser Leistung die Reaktionen der Fans heftig aus. Bei den Supportern lagen die Nerven blank, sie fanden in Trainer Jorge Sampaoli den Hauptschuldigen für die Schmach. Der 58-Jährige war während des Spiels an der Seitenlinie herumgehüpft wie Rumpelstilzchen, hatte sich engagiert, enerviert, verausgabt. Alles nützte nichts. Gegen Ende der Partie beruhigte er sich und setzte eine versteinerte Miene auf. Er wusste wohl, was kommen würde.

Die Schuld auf sich genommen

Kaum war der Schlusspfiff ertönt, wurde Sampaoli eingedeckt. Zuerst flog eine Wasserflasche in Richtung Bank. Das war nur der Beginn des Frustes, der sich bei den argentinischen Fans entlud. Sie stürmten in Richtung des Trainers und bespuckten ihn. Sicherheitsleute mussten eingreifen und Sampaoli schützen. Gegen die Beschimpfungen der Supporter konnte niemand etwas ausrichten, sie hatten bereits während der Partie den Trainer als «Hurensohn» beleidigt.

Der Trainer meldete sich später zu Wort – und übernahm die gesamte Schuld für das miserable Abschneiden seines Teams. «Ich bin verantwortlich für die Entscheidungen. Ich hatte grosse Hoffnungen, und diese Niederlage schmerzt sehr.» Er fügte an: «Der Schlüssel zur Niederlage waren meine Entscheidungen. Wenn ich besser geplant hätte, wäre es vielleicht besser gelaufen. Ich habe das Spiel nicht so gut gelesen, wie ich es eigentlich sollte.»

Auf Messi zugeschnitten

Sampaoli, der vierte Trainer in vier Jahren für die Albiceleste, sprach damit ein Thema an, das ihm zuletzt des öfteren vorgeworfen wurde: Er offenbare taktische Defizite. Nach dem schwachen 1:1 gegen Island hatte er für die Kroatien-Partie von einem 4-2-3-1 auf ein 3-4-2-1 gestellt, eine Stabilisierung trat damit aber nicht ein.

Er habe sein Team auf Superstar Lionel Messi zuschneiden wollen, so Sampaoli. Er hatte Gonzalo Higuaín und Paulo Dybala vorerst auf der Bank gelassen. «Ich habe keinen Weg gefunden, das Team richtig auf Messi einzustellen. Ich fühle keine Scham, aber Schmerz, dass das Projekt nicht richtig gedeiht», so der Coach weiter.

Patzer war der Genickbruch

Der Anfang vom Ende für die Argentinier erfolgte in der 53. Minute, der Aussetzer des eigenen Goalies Willy Caballero, das zum 0:1 durch Ante Rebic führte (siehe Video oben). «Das erste Tor hat uns emotional gebrochen, wir hatten danach keine Argumente mehr, zurückzukommen. Aber wir sollten nicht die ganze Schuld auf Caballero schieben», so Sampaoli.

Nun brauchen die Argentinier Hilfe von Nigeria, das Island besiegen muss. Ob im möglicherweise entscheidenden dritten Gruppenspiel gegen Nigeria am Dienstag (ab 20 Uhr live im Ticker) Sampaoli immer noch an der Seitenlinie stehen wird, ist äusserst fraglich. Denn die eigenen Spieler wollen nichts mehr von ihm wissen. Sie haben Sampaoli offenbar um seinen Rücktritt gebeten, wie Medien berichten. Gerüchten zufolge soll entweder Sportdirektor Sebastian Beccacece oder Team-Manager Jorge Burruchaga als Interimstrainer fungieren.

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